Dicom International – ein neuer VAD entsteht aus Kofax-Sparte
Das im ECM- und Data-Capturing-Segment beheimatete Softwarehaus Kofax spaltet seine Hardwaresparte ab. Daraus entsteht der neue Value Added Distributor Dicom International.
Überraschung bei dem britischen Softwarehaus Kofax: Die nicht gerade kleine Hardwareabteilung wird abgetrennt und künftig als eigenständiges Unternehmen Dicom International AG firmieren. Was hier auf den Markt kommt, ist ein klassischer Value Added Distributor mit Fokus auf Imaging-, Speicher- und Archivierungsprodukte sowie ergänzende Wartungs- und Supportleistungen für Wiederverkäufer.
Dicom International bringt vom Start weg erhebliches Marktpotenzial mit. Denn die frühere Kofax-Sparte beschäftigte zuletzt rund 200 Menschen an 19 Standorten in der gesamten Region EMEA. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 130 Millionen US-Dollar (ca. 97 Mio. Euro) erzielt. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBIT) betrug 2,3 Millionen US-Dollar.
Die jetzt neu entstehende Dicom International hat interessanterweise bereits als früheres eigenständiges Unternehmen eine eigene Geschichte. Sie firmierte nämlich schon mal als Dicom Group Plc. Rechtlich war es eine britische Holding, das operative europäische Geschäft wurde allerdings aus der Schweiz gesteuert. Das 1986 gegründete Unternehmen ging im Jahr 2000 am aufstrebenden "Neuen Markt" an die Börse und sammelte Investorengelder ein. Ziel war es, das US-amerikanische Softwarehaus Kofax – an der die Dicom Group seinerzeit bereits einen Minderheitsanteil hielt – vollständig zu übernehmen. Kofax entwickelte Software, mit der Dokumente erkannt und die Daten daraus für Anwendungen extrahiert werden können (neudeutsch: Data-Capturing). Kofax war seinerzeit marktführend, und die Software passte perfekt zu den Scannerlösungen, die die damalige Dicom vertrieb.
Dicom war nach der erfolgreichen Kofax-Komplettübernahme somit nicht mehr nur ein VAD, sondern avancierte mit eigener Scannersoftware zum Gesamtlösungsanbieter für dokumentenbasierte Geschäftsprozesse – mit natürlich besseren Margen. 2007 schließlich firmierte die Dicom Group aus Branding-Gründen um in Kofax Plc.
Die jetzige Abspaltung wird von der Private-Equity-Firma Hannover Finanz sowie Teilen des Management-Teams, das die neue Firma führt, finanziert. Die Transaktion dürfte der verbleibenden Softwarefirma Kofax mindestens 20 Millionen US-Dollar in bar (netto nach Abzug der Steuern) in die Kassen spülen und bis März 2011 abgeschlossen sein. Dicom International wird voraussichtlich von Joachim Froning als CEO geführt; er führte als Senior Vice President die Hardwaresparte an. Eine Minderheitsbeteiligung übernimmt überdies noch Stefan Gaiser; er war bislang Finanzvorstand von Kofax. Bei der neuen Dicom übernimmt er voraussichtlich den Aufsichtsratsvorsitz.
"Wir haben uns dazu entschieden, Dicom als Marke und als Unternehmensnamen zu verwenden, um auf dem starken Erbe dieses Geschäft aufzubauen", erklärt Froning. "Wir möchten allen unseren geschätzten Händlern und Lieferanten versichern, dass von jetzt bis zum Abschluss der Transaktion im März und danach 'business as usual' laufen wird." Der Sitz der neuen Dicom wird wieder, wie früher, in Rotkreuz in der Schweiz sein.
Kofax sieht in der Abspaltung natürlich auch etliche Vorteile für sich. Vor allem erwartet wohl das Management, dass ein nunmehr wieder reinrassiges Softwareunternehmen eine höhere Bewertung an der Börse erfährt – ohne das hardwarelastige Distributionsgeschäft der neuen/alten Dicom. Dass eine Private-Equity-Firma den Management-Buy-Out (MBO) finanziert, lässt Raum für Spekulationen: Die Wiedergeburt Dicom könnte in ein paar Jahren vielleicht an einen Großdistributor verkauft werden, der den Trend zu Lösungen im Bereich Enterprise-Content-Management (ECM), Dokumenten-Management-Systemen (DMS) oder E-Mail-Archivierung/Management verpasst hat. (map)