Digital statt Fax: Industrie fordert "radikalen Wandel" in Amtsstuben
(Bild: pook_jun/Shutterstock.com)
Die Corona-Krise hat die mangelhafte digitale Ausstattung der Behörden aufgezeigt. Das kann so nicht weitergehen, meinen Vertreter der Wirtschaft.
Die Wirtschaft hat deutlich mehr Tempo bei der Digitalisierung in Behörden gefordert. Es mĂŒsse einen âradikalen Wandel in der deutschen Amtsstubeâ geben, heiĂt es in einem am Montag vorgelegten Positionspapier des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die Corona-Pandemie habe die bestehenden groĂen Defizite mehr als deutlich werden lassen. âBehörden waren nur unzureichend vorbereitet und in weiten Teilen völlig ungenĂŒgend digital fit.â Deutschland sei mit Blick auf seine digitale Verwaltung im EU-Vergleich weit abgeschlagen.
ZeitgemĂ€Ăe digitale Ausstattung der Ămter
Auch der PrĂ€sident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg, forderte mehr Anstrengungen. âWir mĂŒssen schneller und besser werdenâ, erklĂ€rte er auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. âDie Corona-Krise hat unsere VersĂ€umnisse fĂŒr alle sichtbar und spĂŒrbar gemacht. Weiterhin verfolgen GesundheitsĂ€mter Risikokontakte mit Brief und Fax [1], Homeoffice ist in der Verwaltung zu oft noch ein Fremdwort.â
Der BDI forderte, das oberste Gebot mĂŒsse nun eine zeitgemĂ€Ăe digitale Ausstattung, digitale Prozesse und eine Vernetzung der GesundheitsĂ€mter sowie der Testinfrastrukturen sein.
Umstellen auf digitale Verwaltung
Weiter kritisierte der Verband, die Corona-Soforthilfen fĂŒr Unternehmen hĂ€tten mit einer starken digitalen Verwaltung deutlich schneller und effizienter verteilt werden können. âNoch immer fehlen funktionierende Registerabgleiche, eine bundeseinheitliche Wirtschaftsnummer oder ein digitales Unternehmenskonto, mit dem sich Unternehmen fĂŒr digitale Verwaltungsleistungen registrieren können.â
âDie Politik muss die Weichen schnellstmöglich stellen und Hindernisse aus dem Weg rĂ€umenâ, so BDI-PrĂ€sident Siegfried Russwurm. Dies betreffe jede Art von Verwaltungsprozessen, von Schulen ĂŒber das Meldewesen bis zu Terminvergaben und ImpfpĂ€ssen.
Nachteile fĂŒr den Wirtschaftsstandort befĂŒrchtet
Konsequentes E-Government [2] sei Voraussetzung fĂŒr einen wettbewerbsfĂ€higen Standort im 21. Jahrhundert. Die zunehmende Kluft zwischen öffentlicher und privater digitaler Ausstattung werde zum ernsthaften Standortproblem. Auch fĂŒr die Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung sei das eine Zumutung. Die Bundesregierung sollte das geplante Onlinezugangsgesetz âunbedingt vollstĂ€ndig und fristgerechtâ bis Ende 2022 umsetzen.
Das Gesetz soll Bund, LĂ€nder und Kommunen laut Innenministerium verpflichten, bis Ende 2022 ihre Verwaltungsleistungen ĂŒber Verwaltungsportale auch digital anzubieten.
Geschwindigkeit und QualitÀt der Behörden
Bitkom-PrĂ€sident Achim Berg sagte allerdings, das Ziel, bis 2022 alle Verwaltungsdienstleistungen von Bund, LĂ€ndern und Kommunen flĂ€chendeckend digital anzubieten, sei in zu weite Ferne gerĂŒckt: âWir mĂŒssen schneller und besser werden.â Berg sagte weiter: âDer Föderalismus lĂ€hmt uns, die Digitalisierung in Staat und Verwaltung voranzutreiben. Gerade jetzt in der Pandemie sind Schnelligkeit und Innovationsgeist statt BedenkentrĂ€gertum gefragt.â Es sei ein umfassender MentalitĂ€tswandel nötig: âSchnelligkeit und Pragmatismus mĂŒssen die neuen Maximen staatlichen Handelns sein.â
In der sehr dynamischen Wirtschaftswelt und im zunehmend globalen Wettbewerb beruhe die StĂ€rke eines Standortes nicht zuletzt auf der Geschwindigkeit und QualitĂ€t von Behörden und deren Verfahren, so der BDI. âMultinationale Unternehmen und insbesondere mittelstĂ€ndische Familienbetriebe leiden unter zunehmenden bĂŒrokratischen Anforderungen, die personelle und finanzielle KapazitĂ€ten kostenintensiv binden.â
(tiw [4])
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