DigitalRadar erhebt erstmalig den Stand der Digitalisierung in KrankenhÀusern
(Bild: BlurryMe/Shutterstock.com)
Der DigitalRadar soll messen, welchen Einfluss das Krankenhausfinanzierungsgesetz samt Milliardenförderung auf den Digitalisierungsgrad der KrankenhÀuser hat.
Erstmalig hat das Konsortium "DigitalRadar" im Auftrag des Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit (BMG) den Digitalisierungsgrad in deutschen KrankenhĂ€usern erhoben. Unter anderem soll das "DigitalRadar Krankenhaus" [1] den Effekt der Förderung von KrankenhĂ€usern mit bis zu 4,3 Milliarden Euro durch das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHZG) [2] messen. Dieses sieht nach § 14b die "Evaluierung des Reifegrades der KrankenhĂ€user hinsichtlich der Digitalisierung" vor. An der Befragung nahmen 1.624 KrankenhĂ€user und damit 91 Prozent aller PlankrankenhĂ€user teil.
Obligatorische Teilnahme
KrankenhĂ€user, die Fördergelder nach bestimmten FördertatbestĂ€nden erhalten wollen, mĂŒssen an der Befragung teilnehmen. Teilnehmende KrankenhĂ€user erhalten eine Bescheinigung, die fĂŒr das Bundesamt fĂŒr soziale Sicherung (BAS) als Nachweis fĂŒr die ErfĂŒllung der Fördervoraussetzungen dient. Zudem gibt es fĂŒr die KrankenhĂ€user einen Zugang zu ihren Ergebnissen und "Benchmarking-Informationen" als Dashboard.
Zu den FördertatbestĂ€nden gehören unter anderem die Ausstattung der Notaufnahme, Patientenportale, digitale Pflege- und Behandlungsdokumentation, klinische EntscheidungsunterstĂŒtzungssysteme, digitales Medikationsmanagement, IT-Sicherheit, online-basiertes Bettensystem, Telemedizin-Netzwerke. Die meisten KrankenhĂ€user haben Fördermittel fĂŒr "Digitale Pflege- und Behandlungsdokumentation", "Patientenportale" und "Digitales Medikationsmanagement" beantragt. Derzeit ist es allerdings so, dass diese AntrĂ€ge bei vielen KrankenhĂ€usern noch nicht durch sind.
Im Rahmen der Erhebung des Reifegrades deutscher KrankenhĂ€user hinsichtlich der Digitalisierung gaben 1616 KrankenhĂ€user, beziehungsweise deren IT-Mitarbeiter, das klinische Personal sowie die Verwaltung eine SelbsteinschĂ€tzung ab. WĂ€hrend der Befragung wurden rund 3.000 Support-Mails geschrieben und 800 Telefonate mit den Teilnehmern gefĂŒhrt. Rund 91 Prozent bewerteten zwischen Oktober und Dezember 2021 ihre klinischen Prozesse, die Möglichkeiten zum Informationsaustausch und die Patientenpartizipation.
Vergleich öffentlicher und privater KrankenhÀuser
Nun wurden ersten Ergebnisse der Erhebung vorgestellt: Die öffentlichen KrankenhĂ€user schneiden in fast allen Dimensionen am besten ab. Sie zeigen insgesamt einen Vorsprung bei Strukturen und Systemen, allerdings liegen die privaten HĂ€user bei der Patientenpartizipation und klinischen Prozesse vorn. FĂŒr mehr Vergleichbarkeit des Digitalisierungsstandes wurden die Kennzahlen wie Ausgaben fĂŒr IT-Infrastruktur, Personalkosten oder Informationen zur Breitbandanbindung erfragt. Ăffentliche KrankenhĂ€user schneiden den Umfrageergebnissen nach am besten ab, danach folgen private und KrankenhĂ€user, die Kirchen, Stiftungen oder Vereinen gehören. KrankenhĂ€user, die ĂŒber einen besseren Breitbandausbau, eine hohe Bettenanzahl und ĂŒber einen Status als Lehrkrankenhaus sowie mehrere mobile PC-ArbeitsplĂ€tze verfĂŒgten, erreichten einen höheren "DigitalRadar-Score".
33,7 Prozent der befragten KrankenhĂ€user sind öffentlich, 37,4 Prozent gehören frei gemeinnĂŒtzigen KrankenhĂ€user und 28,9 Prozent in privater TrĂ€gerschaft. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 33 von 100 möglichen Punkten.
(Bild:Â DigitalRadar)
Durchschnittlich erreichten die KrankenhĂ€user die höchsten Werte bei "Strukturen und Systeme", den niedrigsten Grad bei der "Patientenpartizipation" und "Telehealth". Die Weitergabe strukturierter Daten sowie die InteroperabilitĂ€t zwischen den Softwarelösungen ist ausbaufĂ€hig. 56 Prozent der befragten KrankenhĂ€user verfĂŒgten zudem ĂŒber eine DatenĂŒbertragungsrate von weniger als 500 MBit/s. Gerade bei telemedizinischen Untersuchungen ist eine groĂe Bandbreite wichtig, da die Untersuchung sonst an mangelnder BildqualitĂ€t erschwert werden wĂŒrde.
(Bild:Â DigitalRadar)
Die Ergebnisse sollen die KrankenhĂ€user dazu motivieren, "individuelle Handlungsbedarfe zu identifizieren und zu priorisieren sowie weitere notwendige MaĂnahmen abzuleiten. Das kann zu einer teilweise notwendigen Entzerrung der UmsetzungszeitplĂ€ne innerhalb der Digitalisierungsvorhaben fĂŒhren", sagt die operative Leiterin des Projekts, Anne Wiesmann (Principal Lohfert & Lohfert AG). "Die Möglichkeiten einer Einrichtung, positiv auf die EinfĂŒhrung von Innovationen hinzuwirken, werden durch die EinrichtungsgröĂe und die finanziellen Möglichkeiten limitiert sein. [...] DarĂŒber hinaus haben wir mit den nun reprĂ€sentativen Aussagen zur Digitalisierung deutscher KrankenhĂ€user eine belastbare Datenbasis geschaffen, auf der eine zukĂŒnftige Digitalstrategie an- und aufsetzen kann", sagt Sylvia Thun.
Möglicher Einfluss auf Gesetzgebung
Weitere Auswertungen der Ergebnisse, die auch die Gesetzesvorhaben beeinflussen könnten, folgen noch, auch um den Zusammenhang von Digitalisierung und die QualitĂ€t der Versorgung zu untersuchen. Sylvia Thun rief wĂ€hrend der PrĂ€sentation der Ergebnisse auĂerdem dazu auf, noch nicht beantwortete Fragen zu der Befragung an den DigitalRadar zu stellen. KĂŒnftig könnte zudem der Digitalisierungsgrad im ambulanten Bereich berĂŒcksichtigt werden.
Mit dem Krankenhauszukunftsfonds will Dr. Susanne Ozegowski, Leiterin der Abteilung fĂŒr Digitalisierung und Innovation im Bundesministerium fĂŒr Gesundheit (BMG), "die Weichen [stellen], damit die Digitalisierung die QualitĂ€t und Effizienz der Gesundheitsversorgung im stationĂ€ren Bereich weiter verbessert."
(mack [4])
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