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EU-Kommission: CETA ist nicht ACTA

Stefan Krempl

ZunĂ€chst wollte die EU-Kommission VorschlĂ€ge zum "Schutz geistigen Eigentums" im geplanten Handelsabkommen mit Kanada nicht kommentieren. Nach Protesten beschwichtigt BrĂŒssel die Community via Twitter.

Eigentlich wollte die EU-Kommission ein ins Internet entfleuchtes Kapitel [1] zum "Schutz geistigen Eigentums" im geplanten Handelsabkommen zwischen Europa und Kanada nicht kommentieren. Sie beziehe generell keine Stellung zu derartigen "Leaks", hieß es zunĂ€chst. Der öffentliche Druck angesichts der Mutmaßungen, dass mit dem Vorhaben besonders umstrittene Teile des vom EU-Parlament zurĂŒckgewiesenen [2] Anti-Piraterie-Abkommens ACTA wiederbelebt werden sollten, war dann aber doch zu groß.

John Clancy, Sprecher von EU-Handelskommissar Karel De Gucht, twitterte [3] am Mittwoch, dass die Passagen zur verstĂ€rkten "Kooperation" zwischen Internetprovidern und Rechteinhabern sowie zum zivilrechtlichen Auskunftsanspruch zu IP-Adressen nicht mehr Teil des aktuellen Entwurfs fĂŒr das derzeit ausgehandelte "Canada-EU Comprehensive Economic and Trade Agreement" (CETA) seien. Auf eine Nachfrage per Tweet unterstrich er [4], dass die vom kanadischen Rechtsprofessor Michael Geist publik gemachte Version vom Februar stamme und es mittlerweile weitere Änderungen daran gegeben habe. ZusĂ€tzliche Korrekturen könnten folgen, da die Verhandlungen noch laufen.

IDG zitiert [5] weitere, nicht nĂ€her genannte Quellen aus der Kommission, wonach sich der aktuelle Vertragstext rund ums Internet inzwischen "vollstĂ€ndig von ACTA" unterscheide. Einige der Bestimmungen seien andererseits bereits Teil des bestehenden EU-Rechts – etwa im Rahmen der E-Commerce-Richtlinie, der Richtlinie zur besseren zivilrechtlichen Durchsetzung [6] der Rechte an immateriellen GĂŒtern oder von Zollverordnungen. Die VerhandlungsfĂŒhrer hĂ€tten sich zudem an internationalen VertrĂ€gen der Welthandelsorganisation WTO wie dem TRIPS-Abkommen [7] orientiert. Derlei Formulierungen blieben sicher Teil der skizzierten Übereinkunft mit Kanada. Es sei aber falsch zu behaupten, dass sie aus ACTA stammten.

Die Absage des EU-Parlaments an ACTA werde zudem bei einer ÜberprĂŒfung des bisherigen Textes noch berĂŒcksichtigt, hieß es ergĂ€nzend aus BrĂŒssel. Die enthaltenen strafrechtlichen Sanktionen, durch die Kritiker eine Kriminalisierung von Filesharern befĂŒrchten, verhandele die Kommission allein im Namen der Mitgliedsstaaten. DarĂŒber sei zuletzt im November 2011 gesprochen worden, ohne jedoch eine Einigung vor allem ĂŒber "teils in der Tat weitgehende kanadische VorschlĂ€ge" erzielt zu haben.

Der Stand der Verhandlungen lasse keinen Raum fĂŒr Verschwörungstheorien, versuchen Kommissionsvertreter abzuwiegeln. Das Ergebnis könne Ă€hnlich aussehen wie das Handelsabkommen mit SĂŒdkorea [8], das dem freien Internet bislang keinen Schaden zugefĂŒgt habe. Dem Förderverein fĂŒr eine Freie Informationelle Infrastruktur (FFII) etwa gehen aber auch darin enthaltene Durchsetzungsbestimmungen und vage Formulierungen deutlich zu weit [9]. Gegner des transatlantischen Vorhabens fordern nun, den aktuellen Vertragstext auf den Tisch zu legen und die GeheimniskrĂ€merei zu beenden. Parallel drĂ€ngt [10] die Internet Society (ISOC) auf mehr Transparenz bei der anstehenden Vereinbarung fĂŒr die "Trans-Pacific Partnership", die Washington momentan mit Pazifikanrainern aushandelt und die ebenfalls Ă€hnliche Regelungen wie ACTA oder CETA enthĂ€lt. (ssu [11])


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[1] https://www.heise.de/news/Kanadisch-europaeisches-Handelsabkommen-ACTA-reloaded-1636041.html
[2] https://www.heise.de/news/EU-Parlament-beerdigt-ACTA-1632071.html
[3] https://twitter.com/EUJohnClancy/status/222999382851723264
[4] https://twitter.com/EUJohnClancy/status/223024344757059584
[5] http://www.itworld.com/internet/285634/dont-believe-every-leak-you-read-says-eu-commission-ceta
[6] https://www.heise.de/news/An-der-neuen-Copyright-Richtlinie-der-EU-scheiden-sich-die-Geister-94899.html
[7] http://www.wto.org/english/tratop_e/trips_e/trips_e.htm
[8] https://www.heise.de/news/Protest-gegen-EU-Handelsabkommen-mit-Suedkorea-902946.html
[9] https://www.heise.de/news/Freihandelsabkommen-setzt-auf-harte-Durchsetzung-von-Urheberrechten-928934.html
[10] http://www.internetsociety.org/news/calling-open-and-international-dialogue-trans-pacific-partnership-agreement-negotiations
[11] mailto:ssu@ct.de