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EU-Kommission macht Dampf bei digitaler Bibliothek

Stefan Krempl

Die BrĂŒsseler EU-Kommissare wollen den Aufbau einer elektronischen Mediathek beschleunigen und drĂ€ngen die Mitgliedsstaaten, Digitalisierungsanlagen einzurichten sowie rechtliche und technische Fragen rasch zu klĂ€ren.

Die EU-Kommission will den Aufbau einer elektronischen Mediathek beschleunigen und drĂ€ngt die EU-Mitgliedsstaaten daher, "große Digitalisierungsanlagen" einzurichten sowie rechtliche und technische Fragen rasch zu klĂ€ren. Die BrĂŒsseler Behörde kĂŒndigte im MĂ€rz an [1], im Rahmen des Projekts EuropĂ€ische Digitale Bibliothek [2] schon im kommenden Jahr zwei Millionen BĂŒcher, Filme, Fotos, Manuskripte und andere KulturgĂŒter online verfĂŒgbar zu machen. FĂŒr das Vorzeigeprojekt der "Content Online"-Strategie [3] und der Initiative i2010 [4] setzte die Kommission dabei bislang vor allem auf die Mithilfe der Wirtschaft und auf "kommerzielle GeschĂ€ftsmodelle". Die Resonanz auf die PlĂ€ne war zunĂ€chst aber wohl eher zurĂŒckhaltend, sodass BrĂŒssel jetzt das Ganze forciert und dafĂŒr auch Geld in die Hand nehmen will.

Die europĂ€ischen Bibliotheken, Museen und Archive stehen laut EU-Kommission noch am Anfang einer Reihe von Projekten, die in diesem Jahr anlaufen und weitere Komponenten der elektronischen Bibliothek liefern sollen. Die Behörde hat nun einen finanziellen Beitrag fĂŒr das Vorhaben im EU-Forschungs- und Entwicklungsrahmen und im Programm eContentplus [5] vorgesehen. "Es ist unser Ziel, eine echte EuropĂ€ische Digitale Bibliothek aufzubauen, ein mehrsprachiges Zugangsportal zu den digitalisierten kulturellen Ressourcen Europas", betonte die EU-Kommissarin fĂŒr Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding [6] bei der Abgabe einer Empfehlung an die Mitgliedsstaaten zur Entfaltung stĂ€rkerer AktivitĂ€ten rund um das Projekt. Die Kommissarin drĂ€ngt die Mitgliedsstaaten vor allem, urheberrechtliche Fragen und die systematische Langzeiterhaltung [7] digitaler Inhalte anzugehen. Im Jahr 2010 sollen mindestens sechs Millionen Exemplare online zur VerfĂŒgung stehen. Bis dahin werden nach Ansicht der Behörde voraussichtlich auch alle Bibliotheken, Archive und Museen selbst in der Lage sein, digitale Inhalte in die europĂ€ische Digitale BĂŒcherei einzuspeisen.

Hierzulande will der Börsenverein [8] des deutschen Buchhandels einen Prototyp seines Digitalisierungsprojekts [9] "Volltextsuche Online" auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober vorstellen, das den Verwerterrechten der Verleger Rechnung tragen soll. Gleichzeitig gehen Vereinsmitglieder weiterhin juristisch gegen [10] das alternative Projekt Google Print [11] vor, bei denen sie ihre Rechte nicht ausreichend gewahrt sehen. Das Urheberrecht könnte sich so zu einem der grĂ¶ĂŸten Stolpersteine fĂŒr die europĂ€ische E-Bibliothek entwickeln. (Stefan Krempl) / (thl [12])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-155894

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/EU-baut-elektronische-Bibliothek-aus-107577.html
[2] http://www.theeuropeanlibrary.org/portal/index.htm
[3] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-entwirft-Content-Online-Strategie-110317.html
[4] https://www.heise.de/news/i2010-Internet-Inhalte-und-Infrastruktur-fuer-Europa-unter-einem-Dach-130046.html
[5] http://europa.eu.int/information_society/activities/econtentplus/index_en.htm
[6] http://europa.eu.int/comm/commission_barroso/reding/index_en.htm
[7] https://www.heise.de/news/Forschungsprojekt-gibt-Empfehlungen-zur-Langzeitarchivierung-123837.html
[8] http://www.boersenverein.de/
[9] https://www.heise.de/news/Online-Volltextsuche-des-Buchhandels-soll-2007-starten-151494.html
[10] http://www.boersenverein.de/de/69181?rubrik=&dl_id=112071
[11] https://www.heise.de/news/Google-Gruender-stellen-in-Frankfurt-Google-Print-vor-107663.html
[12] mailto:thl@ct.de