Ohne den Klimawandel: Die nächste Kaltzeit würde in 10.000 Jahren beginnen

Dass Veränderungen in der Bahn der Erde um die Sonne für die Eiszeitzyklen verantwortlich sind, wurde vermutet. Nun ist wohl geklärt, wie das funktioniert.

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Mehrere übereinander gelegte Satellitenbilder der Erde, die immer weißer werden

(Bild: Matt Perko/UC Santa Barbara)

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Ein internationales Forschungsteam hat womöglich herausgefunden, welche Veränderungen in der Umlaufbahn der Erde um die Sonne für die Wechsel zwischen Eis- und Warmzeiten in den vergangenen 2,5 Millionen Jahren verantwortlich waren. Das berichtet die Universität Cardiff, von der aus die Studie geleitet wurde. Das Muster der orbitalen Veränderungen passe so gut zur jüngeren Klimageschichte, dass es schwer zu glauben sei, dass es bislang übersehen wurde, meint Studienleiter und Geowissenschaftler Stephen Barker. Gleichzeitig sei es so eindeutig, dass das Team sogar ermitteln konnte, dass die nächste Eiszeit eigentlich in 10.000 Jahren beginnen dürfte – wäre da nicht der menschengemachte Klimawandel.

Dass das gegenwärtige Eiszeitalter mit Veränderungen in der sogenannten Erdbahn zusammenhängt, ist schon lange bekannt, schreibt das Forschungsteam. Bislang sei es aber nicht gelungen, die orbitalen Parameter zu identifizieren, die für Beginn und Ende der Eiszeitzyklen am wichtigsten sind. Das liege auch daran, dass es schwierig sei, weit zurückliegende Eiszeiten genau zu datieren. Das habe das Team nun aber durch eine abweichende Analyse von Messdaten zur Ausdehnung der Eisschilde und zur Temperatur des Wassers tief in den Ozeanen geschafft. Dadurch hätten sie jeweils eine Veränderung in der Erdbahn gefunden, die einer Eiszeit vorausging und eine, die mit deren Ende in Verbindung steht. Einzelheiten erklären sie im Fachmagazin Science.

Bestätigen konnte das Team den Zusammenhang demnach für die vergangenen 900.000 Jahre. Wenn die Menschheit keinen Einfluss auf das Klima nehmen würde, müsste die nächste Kaltzeit mit umfangreichen Eisschilden demnach in 10.000 Jahren beginnen. Dass das tatsächlich passiert, sei aber "sehr unwahrscheinlich", und zwar weil die Menschheit jetzt schon so viel CO₂ in die Atmosphäre verbracht hat, dass das Klima von seinem normalen Kurs abgewichen ist, ergänzt Co-Autor Gregor Knorr vom deutschen Alfred-Wegener-Institut. Das Team will jetzt ermitteln, wie sich das Klima in den nächsten 10.000 bis 20.000 eigentlich entwickeln sollte und welche Auswirkungen der von Menschen verursachte Klimawandel auch in derart ferner Zukunft haben wird.

(mho)