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EvolutionÀre Algorithmen verbessern Reifenprofile

Dr. Wolfgang Stieler

Mit Hilfe von evolutionĂ€ren Algorithmen ist es zwei Entwicklern des Reifenherstellers Continental AG gelungen, Autoreifen sehr viel besser als bislang gegen Aquaplaning zu rĂŒsten.

Die Profile, die die beiden Reifenentwickler Reinhard Mundl und Jens Hoffmann fĂŒr das Unternehmen entwickelt haben, sollten den Wagen bei NĂ€sse besser auf der Straße halten. Schon in der ersten Generation entstanden Profile, die bei NĂ€sse eine um rund 120 Prozent höhere Geschwindigkeit als ein völlig profilloser Reifen verkraften, ohne aufzuschwimmen. Zum Vergleich: Der Serienreifen, der als Referenz getestet wurde, schaffte etwas mehr als 115 Prozent.

"Bei der konventionellen Entwicklung wird immer nur ein Parameter, etwa die Breite der Rillen, verÀndert und dann geschaut, wie sich die Eigenschaften des Reifens verÀndern. Die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Parametern erfasst man so aber nicht", erklÀrt Hoffmann den Erfolg der Methode.

Wegen des großen Testaufwands wurde das Projekt aber bereits nach der zweiten Generation abgebrochen. Geplant waren sechs. Die Tests sind so komplex, weil unter anderem die Verformung jedes Profilblocks sowie die Ströme von Luft und Wasser in jeder Rille modelliert werden mĂŒssen. "Ich rechne mit einsatzfĂ€higer Simulationssoftware in frĂŒhestens zwei bis drei Jahren", sagt Hoffmann. Erst wenn der gesamte Zyklus aus Fortpflanzung, Mutation und Selektion vollstĂ€ndig im Rechner ablĂ€uft, werden genetische Algorithmen ihre Kraft richtig auf die Straße bringen können.

Doch die Reifen-Optimierung verweist auf einen interessanten Trend: Die Bionik [1] wĂ€chst zu einem wichtigen Entwicklungswerkzeug fĂŒr Konzerne, vor allem aber auch fĂŒr mittelstĂ€ndische Unternehmen heran. Autoproduzenten wie BMW, Opel, DaimlerChrysler, aber auch der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS nutzen bereits seit Jahren Programme, die Bauteile wie BĂ€ume und Knochen wachsen lassen. Und das Interesse der Industrie wĂ€chst: "FrĂŒher haben bei uns eher die Leute aus der Abteilung Zukunftsvisionen angeklopft. Heute sind es hĂ€ufig die Leiter der Entwicklungsabteilung", sagt beispielsweise Professor Thomas Speck von der Plant Biomechanics Group an der UniversitĂ€t Freiburg.

Siehe dazu auch aus dem Schwerpunkt Bionik in Technology Review 11/2006:

Das gesamte Heft ist seit heute im gut sortierten Zeitschriftenhandel erhÀltlich oder portokostenfrei online zu bestellen [3]. (wst [4])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/hintergrund/Werkzeuge-aus-der-Natur-279057.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Wettkampf-der-Profile-279083.html
[3] http://www.heise.de/abo/tr/hefte.shtml
[4] mailto:wst@technology-review.de