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Flugdaten-AffÀre: Klagt das EU-Parlament gegen die Kommission?

Christiane Schulzki-Haddouti

Das europĂ€ische Parlament wirft der Kommission in Sachen FlugdatenaffĂ€re vor, die PrivatsphĂ€re der EU-BĂŒrger nicht angemessen zu schĂŒtzen.

Das europĂ€ische Parlament erwĂ€gt die Kommission in Sachen FlugdatenaffĂ€re [1] im September zu verklagen, da sie die PrivatsphĂ€re der EU-BĂŒrger nicht angemessen schĂŒtzt. Seit Anfang MĂ€rz ist in den USA ein Gesetz in Kraft [2], das allen auslĂ€ndischen Fluglinien mit FlĂŒgen in beziehungsweise aus den USA vorschreibt, ihr Buchungssystem fĂŒr US-Zollbehörden zu öffnen. Bis Ende August wolle der Ausschuss fĂŒr die Freiheiten und Rechte der BĂŒrger, Justiz und innere Angelegenheiten des EuropĂ€ischen Parlaments nun die laufenden Verhandlungen der Kommission mit der US-Zollbehörde noch abwarten, sagte die niederlĂ€ndische Europaparlamentsabgeordnete Johanna Boogerd-Quaak in einem Interview mit Radio Netherlands [3].

Boogerd-Quaak, die stellvertretende Vorsitzende des Parlamentsausschusses ist, kritisierte, dass die europĂ€ischen Luftfahrtgesellschaften den US-Zollbehörden zu viele Daten preisgĂ€ben. Zu den Daten gehörten [4] ihrer Information nach sensible personenbezogene Daten wie Kreditkartennummern, E-Mail-Adressen, Privatanschriften und ehemaligen Wohnsitze sowie die Flughistorie. Über diese Praxis wĂŒrden die Passagiere nur ungenĂŒgend informiert.

Laut Boogerd-Quak ist es nicht notwendig, alle Daten herauszugeben, wie es derzeit praktiziert werde. So habe der Fall der italienischen Luftfahrtgesellschaft Alitalia gezeigt, dass Widerstand möglich ist: Der italienische Datenschutzbeauftragte habe die Übermittlung der Daten untersagt und die Fluggesellschaft war dem Verdikt gefolgt. Die US-Behörden hatten die Landeerlaubnis deshalb nicht, wie gesetzlich erlaubt, entzogen. Der Alitalia-Fall solle auch anderen Luftfahrtgesellschaften als Vorbild dienen.

Die US-Zollbehörden haben neben Alitalia auch die Deutsche Lufthansa, British Airways, Air France, Iberia, die niederlĂ€ndische KLM sowie die Scandinavian Airlines zur Öffnung ihrer Datenbanken aufgefordert. Bis zu 11 Millionen FluggĂ€ste sind jĂ€hrlich auf transatlantischen FlĂŒgen von der DatenĂŒbermittlung an die USA betroffen. Die fĂŒr die Deutsche Lufthansa zustĂ€ndige nordrhein-westfĂ€lischen Datenschutzbeauftragte hat bislang nur Stichprobenkontrollen durchgefĂŒhrt, inwieweit der US-Zoll auch auf FlĂŒge zugreift, die nicht in die USA gehen. (Christiane Schulzki-Haddouti) (jk [5])


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https://www.heise.de/-83531

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/USA-bleiben-in-der-Flugdatenaffaere-hart-78927.html
[2] https://www.heise.de/news/US-Zoll-hat-Zugriff-auf-Kundendaten-der-Fluglinien-75643.html
[3] http://www.rnw.nl/hotspots/html/eu030724.html
[4] https://www.heise.de/news/Auswertung-von-Flugpassagierdaten-ermoeglicht-Wirtschaftsspionage-81751.html
[5] mailto:jk@heise.de