zurück zum Artikel

Bei X/Twitter bilden sich abgeschlossene Echokammern

Arne GrÀvemeyer

Auf der Plattform X zeigen sich 14,8 Prozent der US-Amerikaner als Klimawandelleugner. In einzelnen Hotspots steigt diese Quote auf ĂŒber 40 Prozent.

(Bild: University of Michigan)

Wenn es um Streitfragen geht, leben Teilnehmer der Plattform X in komplett voneinander getrennten Blasen. Das zeigten Forscher am Themenbeispiel Klimawandel.

Über 7,4 Millionen Tweets auf der Social-Media-Plattform X untersuchten Forscher an der University of Michigan. Mit ChatGPT analysierten und unterteilten sie diese in MeinungsĂ€ußerungen, die den Klimawandel leugnen und solche, die ihn als Tatsache akzeptieren. Dabei entdeckte das Team um Dimitrios Gounaridis und Joshua Newell nicht nur einen Anteil von 14,8 Prozent der US-Bevölkerung, die den Klimawandel abstreitet. Zudem erkannten die Forscher dass die X-Plattform abgeschlossene Echokammern bildet. FrĂŒhere Arbeiten hatten bereits untersucht, ob Social-Media-Plattformen durch ihre Newsfeeds selbst Filterblasen und Echokammern hervorrufen [1].

Anhand der geocodierte Tweets zeigten sich auch deutliche Hochburgen der Klimawandelleugner, etwa im mittleren Westen und SĂŒden der Vereinigten Staaten. Die stĂ€rksten Überschneidungen mit anderen sozialen Gruppen fanden die Forscher bei WĂ€hlern der Republikaner. Als weitere Gruppen mit hohen Überschneidungen erwiesen sich Corona-Impfgegner, woraus sich eine generelle Skepsis gegenĂŒber der Wissenschaft vermuten lĂ€sst.

Zwischen Klimawandelleugnern und WĂ€hlern der Republikaner in den USA zeigen sich deutliche Überschneidungen.

(Bild: University of Michigan)

Bei der Analyse der Struktur des Social-Media-Netzwerks konnten die Forscher zeigen [2], dass die Communities von „Deniers“, also den Klimawandelleugnern, und den „Believers“, die die Aussagen der Wissenschaft zum Klimawandel akzeptieren, weitgehend getrennte X-Gemeinschaften gebildet haben. So sind auf X sogenannte Echokammern entstanden, in denen sich gegenseitig verstĂ€rkende einseitige Ansichten und MeinungsĂ€ußerungen zirkulieren. Vor allem in der Blase der Klimawandelleugner gab es sehr viele Retweets aus einem ĂŒberschaubaren Meinungs-Pool und eine scharfe Abgrenzung beziehungsweise sehr wenige Retweets aus Communities, in denen auch andere Meinungen zu Wort kommen, etwa liberale Zeitungen und Fernsehsender. Es wurden nur 0,02 Prozent von Retweets gezĂ€hlt, in denen Mitglieder mit entgegengesetzten Ansichten zu Wort kamen.

Die Forscher sehen die Anbieter von Social-Media-Plattformen in der Pflicht. Sie rufen diese auf, diejenigen Konten, die Unwahrheiten ĂŒber den Klimawandel verbreiten, zu kennzeichnen und an gezielten AufklĂ€rungskampagnen mitzuarbeiten.

Melden Sie sich zum KI-Update an Melden Sie sich zum KI-Update an [3]

(agr [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9637651

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Social-Media-Algorithmen-verstaerken-Echokammern-nicht-9229423.html
[2] https://www.nature.com/articles/s41598-023-50591-6
[3] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[4] mailto:agr@heise.de