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Freihandelsabkommen TTIP: Verbraucherminister drÀngen auf hohe Schutzstandards

Stefan Krempl

Die Verbraucherschutzminister von Bund und LĂ€ndern wollen ein transatlantisches Freihandelsabkommen nur in engen Grenzen. Providern soll die mehr oder weniger unlautere Werbung mit dem Begriff Flatrate untersagt werden.

Zum Abschluss der Konferenz [1] der Verbraucherschutzminister [2] in Rostock waren sich am Freitag alle Teilnehmer einig, dass mit der geplanten "Handelspartnerschaft" TTIP [3] zwischen EU und USA hiesige Standards nicht abgesenken dĂŒrfe. Das besprochene Freihandelsabkommen biete wirtschaftliche Chancen und sei daher prinzipiell zu begrĂŒĂŸen, erklĂ€rte Heiko Maas, Bundesminister fĂŒr Justiz und Verbraucherschutz. Der von ihm vertretene Sektor und der Datenschutz dĂŒrften aber "keine Verhandlungsmasse" sein, betonte der SPD-Politiker.

Hiesige Schutzvorgaben dĂŒrften fĂŒr den Vertrag nicht "geopfert" werden, ergĂ€nzte der Verbraucherschutzminister Mecklenburg-Vorpommerns, Till Backhaus (SPD). Ferner mĂŒsse eine ausreichende Beteiligung der LĂ€nder ĂŒber den Bundesrat gewĂ€hrleistet werden. Die Konferenz möchte so noch ein Signal setzen fĂŒr die fĂŒnfte Verhandlungsrunde, die am Montag in der NĂ€he Washingtons startet. Dabei soll es vor allem um eine AnnĂ€herung bei Vorschriften, Regulierungen und Standards in den Bereichen Dienstleistungen, Urheberrecht, Telekommunikation und Umwelt gehen.

Die EU-Kommission hat im Vorfeld Positionspapiere veröffentlicht [4]. Diese beschĂ€ftigen sich aber mit anderen Industriesektoren wie Chemie, Kosmetik, Fahrzeuge, Pharma und Textil. Das gesamte Verhandlungsmandat hĂ€lt BrĂŒssel trotz vieler besorgter BĂŒrger weiter geheim. Selbst ausgewĂ€hlte Vertreter der Mitgliedsstaaten und des EU-Parlaments dĂŒrfen den Text nur in abgeschirmten LeserĂ€umen einsehen. Gegen TTIP demonstrierten am Donnerstag zahlreiche Aktivisten in der belgischen Hauptstadt nach einem Aufruf mehrerer zivilgesellschaftlicher Organisationen, wobei es zum Einsatz von Wasserwerfern und hunderten Verhaftungen gekommen sein soll [5].

Die Verbraucherminister wollen auch gegen einen Missbrauch des Begriffs "Flatrate" durch Telekommunikationsfirmen vorgehen. VertrĂ€ge fĂŒr Telefon oder Internet, bei denen zusĂ€tzlichen Kosten entstehen oder die eine Zeit- und Volumenbegrenzung beinhalten, sollen Provider kĂŒnftig nicht mehr mit dem Werberschlagwort vermarkten dĂŒrfen. Um den Einsatz des Begriffs gibt es immer wieder gerichtliche und andere juristische ScharmĂŒtzel [6].

Die Deutsche Telekom strich [7] Ende vergangenen Jahres den Zusatz "Internet Flat" aus einem ihrer LTE-Tarife, nachdem VerbraucherschĂŒtzer den Konzern abgemahnt hatten [8]. Gegen Vodafone ist eine Klage noch anhĂ€ngig [9]. (axk [10])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2192195

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.verbraucherschutzministerkonferenz.de/
[2] https://www.verbraucherschutzministerkonferenz.de/
[3] https://www.heise.de/news/re-publica-Ueber-das-Chlorhuehnchen-hinausdenken-2184177.html
[4] http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/12367_de.htm
[5] http://www.sven-giegold.de/2014/massenverhaftung-anti-ttip-demo-bruesse%3Cbr%3El-riskiert-ruf-als-ort-der-europaeischen-demokratie/
[6] https://www.heise.de/news/DSL-Drossel-Verbraucherschuetzer-wollen-auch-gegen-andere-Drossel-Flatrates-vorgehen-2036811.html
[7] https://www.heise.de/news/Telekom-streicht-Internet-Flat-aus-LTE-Tarif-2061549.html
[8] https://www.heise.de/news/Verbraucherschuetzer-mahnen-Telekom-wegen-LTE-Drossel-ab-2060221.html
[9] https://www.heise.de/news/Verbraucherzentrale-Sachsen-verklagt-Vodafone-wegen-LTE-Drossel-2089695.html
[10] mailto:axk@heise.de