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Gehacktem NSA-Hacker droht lange Haftstrafe

Daniel AJ Sokolov
Vergitterter Gang in einem GefĂ€ngnis, rechts ZellentĂŒren

(Bild: gemeinfrei)

Ein NSA-Hacker hatte Dokumente und Dateien mit nach Hause genommen. Dort wurde er selbst gehackt. Jetzt drohen ihm elf Jahre GefÀngnis.

Einem ehemaligen NSA-Hacker droht eine lange Haftstrafe in einem US-BundesgefÀngnis. Der 67-JÀhrige Nghia Hoang P. hat gestanden, jahrelang geheime Dateien und auch Papierdokumente mit nach Hause genommen zu haben. Die Geheimnisse offengelegt oder weitergegeben zu haben, wird ihm aber nicht angelastet. Vielmehr soll der Hacker selbst gehackt worden sein, wodurch die Dateien in falsche HÀnde gelangt sind.

Wappen US Department of Justice - National Security Division

Der Fachbereich fĂŒr Spionageabwehr der Abteilung Nationale Sicherheit des US-Justizministeriums leitet die Anklage.

Unter Berufung auf nicht genannt werden wollende US-Regierungsmitarbeiter berichtet die New York Times, dass P. zu Hause Antivirus-Software der russischen Firma Kaspersky installiert [1] hatte. Eine SicherheitslĂŒcke dieser Software soll den Hackern den Zugriff auf P.s Computer ermöglicht haben. Kaspersky stellt das in Abrede [2] und beschreibt den Tathergang anders.

Der Mann war im Geheimen verhaftet und wegen Willful Retention of National Defense Information (etwa: Willentlicher ZurĂŒckhaltung von Informationen der Nationalen Verteidigung) angeklagt worden. Der gesetzliche Strafrahmen dafĂŒr betrĂ€gt fĂŒr nicht Vorbestrafte bis zu 135 Monate Jahre Haft (elf Jahre und drei Monate) plus drei Jahre Überwachung im Anschluss, plus Geldstrafen.

Der Angeklagte war von 2006 bis 2016 bei der NSA-Spezialeinheit TAO (Tailored Access Operations) tÀtig. Zu deren Aufgaben gehört das Hacken auslÀndischer Computersysteme. Die Abteilung wurde inzwischen in Computer Network Operations umbenannt. P. hatte Zugriff auf Unterlagen der Geheimhaltungsstufe Top Secret und sogar Top Secret/SCI (Sensitive Compartmented Information).

Durch P.s GestĂ€ndnis entfĂ€llt das Gerichtsverfahren, bei dem Details an die Öffentlichkeit hĂ€tten dringen können. Im Gegenzug fĂŒr das GestĂ€ndnis wird die Anklage nicht auf die Höchststrafe von 135 Monaten sondern auf 78 bis 97 Monate (bis acht Jahre und ein Monat) Haft plĂ€dieren. Die UrteilsverkĂŒndung ist fĂŒr 6. April 2018 anberaumt. Bis dahin ist P. auf freiem Fuß. Das Strafverfahren heißt United States of America v. Nghia Hoang Pho und ist am Bundesbezirksgericht Marylands unter Az. 1:17-cr-00631 anhĂ€ngig.

Julian Assange

Wikileaks-Sprecher Julian Assange sorgte mit einem zweideutigen Kopfgeld-Tweet fĂŒr Aufregung.

(Bild: Cancillería del Ecuador CC BY SA 2.0 [5])

In zwei anderen FĂ€llen Angeklagte bleiben derweil in Untersuchungshaft. Harold M. soll 16 Jahre lang unbemerkt Dateien mit nach Hause genommen [6] haben. Er war fĂŒr verschiedene US-Einrichtungen tĂ€tig, ab 2009 ebenfalls fĂŒr NSA-TAO. Bei M. wurden große Datenmengen sichergestellt, doch auch er wird bislang nicht der Weitergabe beschuldigt. Möglicherweise hat sich der Mann anhand der Unterlagen zu Hause weiterbilden wollen.

Reality Winner wird beschuldigt, ein einzelnes Top-Secret-Dokument [7] an die US-Webseite The Intercept geschickt zu haben. Darin geht es um Russland zugeschriebene Spearphishing-Attacken auf US-Wahlbehörden [8]. Wikileaks beschuldigt einen namentlich genannten Journalisten des Mediums, die Quelle, Reality Winner, nicht ausreichend geschĂŒtzt zu haben. Wikileaks hat ein umstrittenes Kopfgeld [9] auf den Journalisten ausgesetzt. Ein Antrag der jungen Frau auf Entlassung auf Kaution wurde vom Gericht abgelehnt [10]. (ds [11])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3907450

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.nytimes.com/2017/12/01/us/politics/nsa-nghia-pho-classified-information-stolen-guilty.html
[2] https://www.heise.de/news/Kaspersky-Bericht-Backdoor-auf-Computer-eines-NSA-Mitarbeiters-entdeckt-3892378.html
[3] https://www.heise.de/downloads/18/2/3/2/9/3/6/6/pho_information_NSA.pdf
[4] https://www.heise.de/downloads/18/2/3/2/9/3/6/6/pho_plea_agreement_NSA.pdf
[5] https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en
[6] https://www.heise.de/news/Juengster-NSA-Leak-16-Jahre-Geheimnisse-mitgenommen-3355278.html
[7] https://www.heise.de/news/USA-Anklage-wegen-NSA-Leak-ueber-Wahl-Hacking-Russlands-3734142.html
[8] https://www.heise.de/news/Russischer-Geheimdienst-soll-US-Wahlbehoerden-angegriffen-haben-3734140.html
[9] https://www.heise.de/news/10-000-Dollar-fuer-termination-Wikileaks-setzt-Kopfgeld-auf-Journalisten-aus-3737531.html
[10] https://www.heise.de/news/NSA-Informantin-bleibt-in-Haft-3739408.html
[11] mailto:ds@heise.de