Greenpeace taucht zu Nord Stream 1 ab: Explosion kam wohl nicht von innen
Die zerstörte Gaspipeline Nord Stream 1 mit einer Friedensfahne von Greenpeace
(Bild: Greenpeace)
Die Umweltorganisation Greenpeace hat mit einem Tauchroboter die zerstörte Gaspipeline Nord Stream 1 untersucht. Dabei gab es eine AuffÀlligkeit.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat auf eigene Faust die SchĂ€den an der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 nahe der dĂ€nischen Insel Bornholm untersucht. Mit einem Tauchroboter inspizierten Meeresbiologen und Aktivisten die SchĂ€den in knapp 80 Metern Tiefe und nahmen Boden- sowie Wasserproben. Die Expedition wurde damit begrĂŒndet, dass auch Monate nach der Explosion der Erdgasverbindung zwischen Russland und Deutschland nur sehr wenige Informationen ĂŒber Ursache und Auswirkungen bekannt sind. Greenpeace geht es vor allem um die Umweltfolgen.
Nahe den vier Schadstellen der beiden Pipelines Nord Stream 1 und 2 befinden sich laut Greenpeace Tausende Tonnen Giftgas und MunitionsrĂŒckstĂ€nde aus dem Zweiten Weltkrieg, die durch die Wucht der Explosion aufgewirbelt sein könnten. Ein Reporter des SĂŒdwestrundfunks begleitete die mehrtĂ€gige Expedition [1]. Die Untersuchungsergebnisse der 40 Proben sollen in zwei bis drei Wochen vorliegen. Sie werden im toxikologischen Institut der UniversitĂ€t Kiel und von einer auf chemische Kampfstoffe und Gefahrstoffe spezialisierten Firma in Visselhövede in Augenschein genommen.
Auffallend wenige TrĂŒmmerteile
Die Greenpeace-Untersuchung könnte auch Aufschluss ĂŒber die Explosionen und die Ursache geben. Die fĂŒr die GewĂ€sser zustĂ€ndigen Ermittlungsbehörden in DĂ€nemark und Schweden haben bislang nur sehr wenig bekannt gegeben [2], auĂer dass sie von grober Sabotage ausgehen und im Falle Schwedens auch RĂŒckstĂ€nde von Sprengstoff gesichert hĂ€tten. VerdĂ€chtige wurden bislang nicht genannt. AuffĂ€llig ist nach Angaben von Greenpeace, dass trotz der immensen SchĂ€den auf 250 Metern LĂ€nge nicht so viele TrĂŒmmerteile wie erwartet gefunden wurden. Vor Greenpeace waren die SchĂ€den nach den Ermittlern schon von einem schwedischen Fernsehsender [3] und der Betreibergesellschaft von Nord Stream vor Ort angesehen worden.
Sprengstoffexperten gehen nach Sichtung der Aufnahmen von Greenpeace nicht davon aus, dass die Pipeline von innen gesprengt wurde. Alles deute auf den Gebrauch von Sprengstoff von auĂen hin. Aufgrund der wenigen öffentlichen verfĂŒgbaren Informationen gibt es viele Spekulationen. Eine lautet, dass Russland angeblich schon beim Bau in oder an der Pipeline deponierte SprengsĂ€tze zur Explosion gebracht habe. Die Unterwasserbilder zeigen die zerstörte Röhre, aus der Stahlteile herausragen sowie die beschĂ€digte Betonummantelung.
Friedensflagge hinterlassen
Am Ende der mehrtĂ€gigen Fahrt, nach der das Aktionsschiff Beluga II nach Deutschland zurĂŒckkehrte, setzten die Aktivisten mit dem Tauchroboter eine Friedensflagge in die zerstörte Röhre ab.
(mki [5])
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[1] https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/nord-stream1-explosion-101.html
[2] https://www.heise.de/news/Nord-Stream-1-und-2-Explosionen-mit-der-Sprengkraft-hunderter-Kilo-TNT-7281846.html
[3] https://www.heise.de/news/Nord-Stream-1-Unterwasserbilder-zeigen-erstmals-Ausmass-der-Explosion-7311906.html
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