HD(MI)-Schaltzentralen
Bereits seit längerer Zeit ist die Weitergabe der neuen Tonformate Dolby Digital Plus, Dolby True HD oder DTS-HD als Bitstreams über HDMI im Gespräch. In Berlin wird gleich eine ganze Reihe von Heimkinoverstärkern gezeigt, die mit diesen Datenströmen etwas Sinnvolles anfangen können.
Geht es lediglich um die Weitergabe von hochaufgelösten Videobildern, benötigen auch Besitzer mehrerer moderner Zuspieler wie HD-Disc-Player oder HDTV-Receiver eigentlich keinen separaten Heimkinoverstärker mit HDMI-Ein- und -Ausgängen. Schließlich verfügen aktuelle Flachbildfernseher selbst über zwei oder drei dieser kopiergeschützten Audio/Video-Schnittstellen. Doch mit Blu-ray Disc und HD DVD kamen auch neue Raumklangformate wie Dolby Digital Plus, Dolby True HD oder DTS-HD - letzteres wiederum als verlustbehaftet komprimiertes „DTS-HD High Resolution Audio“ (DTS-HD HR) oder als verlustfrei komprimiertes „DTS-HD Master Audio“ (DTS-HD MA).
Diese wollen natürlich dekodiert und verstärkt werden, wofür es bislang nur einen Weg mit zwei „Abzweigungen“ gab: Der HD-Disc-Player musste einen passenden eingebauten Surround-Decoder mitbringen, die Datenströme von der Disc selbst umwandeln und dann entweder analog (über einen 5.1- oder 7.1-Ausgang in Cinch-Form) oder digital via HDMI zur Verstärkung an einen Audio/Video-Receiver weitergeben. Bei der letzteren Variante erlebte der gute alte PCM-Ton eine Renaissance, wenngleich eben mit bis zu acht Kanälen statt der von CD gewohnten zwei Kanäle.
HDMI 1.3a macht mit dieser Verrenkung Schluss: Die aktuelle Fassung des Standards ermöglicht es, die neuen Surround-Formate auch ohne vorherige Wandlung über die HDMI-Verbindung zu schicken und die Dekodierung dem Audio/Video-Receiver zu überlassen. So blieb nur ein kleines Problem: Entsprechende Verstärker kamen mit einiger Verspätung auf den Markt.
Am schnellsten war Onkyo - und kann somit auf der IFA bereits eine ganze Riege neuer Modelle präsentieren, darunter das bereits im Juni erschienene Einsteigermodell TX-SR605 für rund 600 Euro mit einer Verstärkerleistung von 7 x 140 Watt, zwei HDMI-Eingängen nach dem Standard 1.3a und einer Upscaling-Funktion auf HD-Auflösung. Das 7.1-Modell TX-SR705 für rund 900 Euro ist bereits THX-Select-zertifiziert, hat 150 Watt Verstärkerleistung pro Kanal und besitzt einen dritten HDMI-Eingang. Nach oben hin runden bislang die THX-Ultra2-zertifizierten Modelle TX-SR805 für 1200 und TX-SR875 für 1500 Euro mit 7 x 180 beziehungsweise 200 Watt und drei beziehungsweise vier HDMI-Eingängen die Reihe ab. Zur IFA präsentiert Onkyo nun noch den TX-NR905 mit 7 x 220 Watt, gleich zwei HDMI-1.3a-Ausgängen und integriertem HQV-Reon-VX-Chipsatz für Upscaling von Videosignalen bis zur Vollbildauflösung 1080p mit 1920 x 1080 Bildpunkten. Alle neuen Receiver können Dolby Digital Plus, TrueHD und DTS-HD bis hin zu Master Audio verarbeiten.
Offen fĂĽr alles
Als „Schaltzentralen der Zukunft“ bezeichnet Pioneer seine neuen A/V-Receiver, die ebenfalls über die eben genannte Decoder-Vollausstattung verfügen. Hierfür besitzen alle Modelle das THX-Select-2-Logo, erlauben den Anschluss von Speichersticks und Festplatten über USB und können Digitalfotos von Apples iPod Photo auf den Fernseher bringen. Zudem verfügen alle Geräte dieser VSX-LX-Reihe über eine Lip-Sync-Funktion, die per Audio-Delay den Ton zum Bild synchronisieren.
Beim VSX-LX60 und VSX-LX70 sind zusätzlich Prozessoren integriert, die Videos bis zur Vollbildauflösung 1080p hochrechnen. Mit 7 x 180 Watt und fünf beziehungsweise vier HDMI-Anschlüssen haben die Geräte, die ab Oktober zu noch ungenannten Preisen erhältlich sein sollen, auch ordentlich Power. Das kleinere Modell VSX-LX50 mit 7 x 150 Watt und drei HDMI-Ports ist bereits zum Listenpreis von rund 1200 Euro auf dem deutschen Markt.
Denon kontert mit dem AVR-4308 für rund 2500 EUR und dem AVR-3808 für circa 1600 Euro. Beide Modelle verfügen über einen Dock-Control-Anschluss für den iPod (mit optionaler Docking-Station der ASD-Serie) und zwei USB-Eingänge. Darüber hinaus können die Geräte über das Heimnetzwerk Kontakt zu Multimedia-PCs aufnehmen - via Ethernet oder im Falle des AVR-4308 auch über WLAN, wobei die Sicherheit der Verbindung mittels WPA und WPA2 gewahrt werden kann. Der AVR-4308 unterscheidet sich vom AVR-3808 weiterhin durch einen integrierten DAB-Tuner, der UKW/MW-Tuner ist für beide obligatorisch. AVR-4308 und AVR-3808 beherbergen jeweils eine 7-Kanal-Endstufe mit 170 respektive 160 Watt pro Kanal.
Hakelig ist die ganze Geschichte nun allerdings derzeit noch bei den passenden Zuspielern mit HDMI-Ausgang in der Fassung 1.3(a). So befinden sich zwei der angesprochenen Onkyo-Receiver bereits seit einigen Tagen in der c't-Redaktion, zusammen mit verschiedenen HD-Testscheiben, auf denen die neuen Tonformate zu finden sind - darunter „Der Geist von Mae Nak“ mit DTS-HD Master Audio 7.1. Dieser Soundtrack lässt sich trotz HDMI-1.3-Schnittstelle aber auch mit Toshibas HD-DVD-Player HD-XE1 bislang nicht als Bitstream ausgeben; vielmehr ist beim DTS-Kern von DTS-HD Schluss.
Entgegen früheren Angaben will Toshiba für das Gerät nun aber im Oktober ein Firmware-Update anbieten, mit dem sich diese Fähigkeit nachrüsten lässt. Eine Einschränkung gibt es dabei allerdings: Weitergegeben wird über HDMI bei Bitstream-Ausgabe nur die Haupttonspur des Films, nicht hingegen Quittungstöne (beispielsweise bei Betätigung von Knöpfen) oder sogenannte „Secondary Streams“. Letztere sind beispielsweise die Tonspuren zu den Videokommentaren, die sich bei HD DVDs mit U-Control im laufenden Film einblenden lassen.
Die Ausgabe des kompletten DTS-HD-Tons inklusive aller Nebenströme als Bitstream über HDMI soll angeblich das gerade von Toshiba in den USA angekündigte Playermodell HD-A35 beherrschen; hierfür müsste das Gerät die einzelnen Datenströme aber zunächst dekodieren, dann neu mischen und erneut kodieren.
Auf ein Firmware-Update, das die Bitstream-Ausgabe für alle neuen Surround-Formate ermöglicht, warten übrigens ebenso die Eigentümer der Blu-ray-fähigen Playstation 3. Somit sind die Fans beider konkurrierender HD-Disc-Lager an dieser Stelle wieder vereint. Immerhin können sie ja schon einmal an den Knöpfen ihrer neuen A/V-Receiver spielen.
Denon Halle 1.2, Stand 102
Onkyo Halle 1.2, Stand 109
Pioneer Halle 1.2, Stand 101
Sony Halle 7.2a, Stand 101
Toshiba Halle 21a, Stand 101
(nij)