"Ich gebe nichts auf, sondern wende mich Neuem zu"
Seit etwa einem viertel Jahrhundert ist er in der IT-Branche unterwegs: Dr. Jürgen Rakow, promovierter Naturwissenschaftler (physikalische Chemie) und vor allem durch die Handelskette Vobis und den Distributor Adam Riesig bekannt. Der 60-jährige passionierte Segler kaufte 2007 die Chip Set GmbH in Berlin. Heise resale fragte nach den Höhen und Tiefen eines Lebens in der ITK-Welt.
Seit etwa einem viertel Jahrhundert ist er in der IT-Branche unterwegs: Dr. Jürgen Rakow, promovierter Naturwissenschaftler (physikalische Chemie) und vor allem durch die Handelskette Vobis und den Distributor Adam Riesig bekannt. Der 60-jährige passionierte Segler kaufte 2007 die Chip Set GmbH in Berlin. Heise resale fragte nach den Höhen und Tiefen eines Lebens in der ITK-Welt.
Herr Rakow, Stichwort Ist-Situation. Was machen Sie heute?
Jürgen Rakow: Ich bin geschäftsführender Gesellschafter der ChipSet GmbH in Berlin, einem Fachhändler und Servicedienstleister für Managed Print Services und Document-Lifecycle-Management. Das Unternehmen bietet alles rund ums Dokument von der Vermietung und dem Verkauf von Druckern und Kopierern über die Installation, die laufende Betreuung und den Service inklusive Toner- und Papierlogistik bis zu Accounting-Anwendungen und Verteilung sowie Archivierung von Dokumenten.
Zu ChipSet gehören die spezialisierten Portale buerotechnikmarkt.de, ein B-to-B-Shop für ingenieurtechnische Bürosysteme, kopierer-total.de, plotter-in-berlin.de sowie Kooperationen mit spezialisierten Fachhändlern. Zudem bin ich an weiteren Unternehmen beteiligt, die ich strategisch begleite, und habe verschiedene Aufsichtsratsmandate.
Stichwort GrĂĽnde. Was hatte Sie dazu bewogen, Ihre frĂĽhere Position aufzugeben?
Rakow: Ich bin Unternehmer und Marketing-Stratege. Daher richte ich mich und meine beruflichen Aktivitäten immer frühzeitig auf neue, attraktive Märkte, Zielgruppen und Branchensegmente aus. Ich gebe nicht etwas auf, sondern wende mich Neuem zu. Mit meinen Ideen bin ich zwar manchmal der Zeit voraus, aber das macht den Reiz aus, mich neuen Herausforderungen zu widmen. Und mit meiner Orientierung hin zu Managed Print Services und Document Lifecycle-Anwendungen habe ich bislang richtig gelegen. ChipSet betreut bereits nach knapp drei Jahren über 5.000 Druck- und Kopiersysteme bei namhaften mittelständischen und größeren Unternehmen.
Stichwort Übergang. Wie schwer fällt der Wechsel von einem Projekt, von einem Unternehmen, zum anderen?
Rakow: Ich bin gewohnt, mir klare Ziele zu setzen und Maßnahmen für deren Umsetzung zu planen. Gemeinsam mit einem Team, dem ich vertraue, mache ich mich dann an die Arbeit – ohne wehmütige Blicke zurück. Und ich verfolge meine Ideen konsequent mit hohem persönlichem und finanziellem Einsatz.
Stichwort Rückblick: Was – wenn überhaupt – würden Sie heute beruflich anders machen?
Rakow: Ich hätte mich noch früher mit dem Thema Internet beschäftigt. Denn das Internet bietet gerade in den Segmenten, in denen ich tätig war und bin, enorme Potenziale. Das gilt sowohl für die Akquisition und Bindung von Kunden als auch für die Steuerung von Mitarbeitern. Dafür setze ich jetzt besonders viel Energie und Geld in diesen Kanal.
Stichwort Distanz: Wie hat sich in den zurückliegenden Jahren die ITK-Branche verändert, vor allem in dem Bereich, in dem Sie tätig waren?
Rakow: Die ITK-Branche hat sich weg von der breiten Versorgung und hin zur Spezialisierung entwickelt. Konnte früher ein Unternehmen noch alle seine IT- und TK-Bedürfnisse bei einem oder wenigen Dienstleistern befriedigen, bedarf es heute mehrerer Spezialisten. Das erhöht aber die Komplexität und vermindert zugleich die Transparenz – sowohl für die Kunden als auch die Anbieter.
Stichwort Prognose. Wie wird sich die ITK-Branche entwickeln?
Rakow: In Zukunft werden die gewinnen und letztlich überleben, die Spezialisierung bieten. Aber mit hoher Qualität. Und mit Qualität meine ich nicht nur die Produktqualität, sondern vor allem auch die Qualität der Kunden-Dienstleister-Beziehung. Mit reinen Preiskämpfen macht sich die Branche selbst kaputt. Wer Expertentum mit hoher Qualität bringt, wird in dieser Branche gewinnen.
Zum Schluss. Was wĂĽnschen Sie sich beruflich fĂĽrs kommende Jahr?
Rakow: Dass die Hersteller fairer werden. Was oft als Partnerschaft verkauft wird, ist bei genauem Hinsehen oft eine Abzocke. So spielen die Hersteller die Händler kaputt – und damit auch ihre Endkunden. (map)