Infineon legt erste Boards mit kompostierbaren Platinen auf
Ein Infineon-Board zur Veranschaulichung des Naturfasermaterials, nach dem Eintauchen in heißes Wasser.
(Bild: Infineon)
PCBs aus Natur- statt Glasfaser sollen die Umwelt schonen. Infineon baut jetzt erste Demo- und Evaluierungsboards mit solchen Platinen.
Der deutsche Hersteller Infineon experimentiert mit kompostierbaren Platinen. Erste Demo- und Evaluierungsboards verwenden sogenannte Soluboards des britischen Start-ups Jiva Materials, die aus Naturfasern bestehen, vornehmlich Jute [1].
Jiva verklebt die Naturfasern mit einem halogenfreien Polymer. In heißem Wasser löst sich das Polymer auf; die Fasern springen auseinander und lassen sich anschließend kompostieren. Die verbleibende Lösung soll sich über normale Wasseranlagen aufbereiten lassen.
Durch das Auflösen einer Soluboard-Leiterplatte können laut Hersteller 90 Prozent der Komponenten zurückgewonnen [2] und dann entweder wiederverwendet oder recycelt werden. Elektrische Schaltkreise entstehen wie bei normalen PCBs, etwa durch Kupfersintern oder das Aufätzen von Kupferfolie.
(Bild: Infineon)
500 Boards hergestellt
Infineon spricht zwar von einem "wichtigen Schritt in Richtung grüner Zukunft" [3], allerdings hat die Umstellung im derzeitigen Maßstab kaum Auswirkungen auf die Bilanz: Die Firma hat bisher drei verschiedene Demo-Boards mit Soluboard-Platinen aufgelegt und davon gut 500 Stück produziert. Infineon prüft laut eigenen Aussagen aber auch die Möglichkeit, die Naturfaser-PCBs für alle Boards zu verwenden.
Abseits der Möglichkeit zum Recyclen sollen sich Naturfaser-PCBs umweltschonender herstellen lassen. Laut Jiva erzeugt die Produktion eines Quadratmeters Soluboard einen CO₂-Fußabdruck von 7,1 kg. Normale PCBs kämen auf 17,7 kg – das entspräche einer Reduktion von etwa 60 Prozent. Bisherige PCBs bestehen aus Glasfasern, die mit Epoxidharz verklebt werden. Dieser Verbund heißt FR-4. Die CO₂-Ersparnis entsteht laut Herstellerangabe maßgeblich durch eine Reduktion der Masse: Soluboard kommt auf 1,35 Gramm pro Kubikzentimeter, Glasfaser-PCBs auf 2 Gramm.
Eine öffentliche technische Dokumentation gibt es bislang nicht. In einer FAQ schreibt Jiva unter anderem, dass die eigenen Naturfaser-PCBs auch hoher Luftfeuchtigkeit standhalten sollen.
(mma [5])
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[1] https://www.heise.de/news/Jute-statt-FR4-Recyclingfaehiges-Platinenmaterial-6179518.html
[2] https://www.jivamaterials.com/technology/
[3] https://www.infineon.com/cms/de/about-infineon/press/market-news/2023/INFGIP202307-137.html
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