Intel fordert 593 Millionen Euro Zinsen von der EU
(Bild: Alexander Tolstykh/Shutterstock.com)
Nach der Aufhebung einer Milliarden-Kartellstrafe verlangt der US-Chiphersteller Intel von der EU 593 Millionen Euro an Zinsen. Der Streit schwelt seit Jahren.
Der US-Chiphersteller Intel fordert 593 Millionen Euro an Zinsen von der EuropĂ€ischen Kommission, nachdem das Gericht der EuropĂ€ischen Union (EuG) eine vor zwölf Jahren von der EU-Kommission gegen Intel verhĂ€ngte Kartellstrafe in Höhe von 1,06 Milliarden Euro fĂŒr nichtig erklĂ€rt hat.
Der Konzern hatte die Geldstrafe vorlĂ€ufig gezahlt und im Februar dieses Jahres zurĂŒckerhalten. Nun fordert er Verzugszinsen auf den Betrag. Das meldete die Nachrichtenagentur Reuters [1] am Montag. Europas oberstes Gericht ebnete den Weg fĂŒr derartige Schadensersatzforderungen im vergangenen Jahr in einem Grundsatzurteil. Dieses verpflichtet die EU-Exekutive zur Zahlung von Verzugszinsen auf erstattete GeldbuĂen in annullierten Kartellverfahren. Die Richter erklĂ€rten, dass bei verspĂ€teter Zahlung von Zinsen auch Zinsen fĂ€llig werden.
Streit mit Vorgeschichte
Die Auseinandersetzung hat eine lange Vorgeschichte. Im Mai 2009 verhĂ€ngte die EU-Kommission die damals historisch hohe Strafe von mehr als einer Milliarde Euro. Die EU-Kommission warf Intel vor, den Computerherstellern Dell, Hewlett-Packard und Lenovo Rabatte gewĂ€hrt zu haben, um dadurch den Rivalen Advanced Micro Devices zu behindern. Weil die Kommission EinwĂ€nde des Unternehmens nicht ausreichend geprĂŒft habe, erklĂ€rte das EU-Gericht im Januar die Wettbewerbsstrafe zulasten von Intel nach 12 Jahren fĂŒr nichtig [2].
In der damaligen Entscheidung hĂ€tten die EU-WettbewerbshĂŒter nicht ausreichend dargelegt, wie sich Intels Rabatte fĂŒr Hardwarehersteller oder -hĂ€ndler negativ auf den Wettbewerb auswirkten, teilte das EuG mit. Anstatt lediglich davon auszugehen, hĂ€tte die Kommission solche Effekte nachweisen mĂŒssen (Fall Nr. T-286/09P RENV, Intel/EU-Kommission). Die Kommission erstatte Intel nach der Niederlage vor Gericht die Miliardenstrafsumme zurĂŒck. Anfang April erklĂ€rte dann ein EU-Sprecher, dass die Kommission beschlossen habe, beim EuropĂ€ischen Gerichtshof (EuGH) gegen das EuG-Urteil Berufung einzulegen [3].
Intel hatte in der JahreshĂ€lfte Aufsehen erregt, als es den Bau einer Halbleiterfabrik fĂŒr 17 Milliarden Euro in Magdeburg [4] bekanntgab. FĂŒr den sogenannten Megafab zur Herstellung von Halbleiterbauelementen erhĂ€lt der US-Chiphersteller 6,8 Milliarden Euro Zuschuss [5] vom Bund und der EU. Die steuern bis Ende 2024 damit rund 40 Prozent zu Intels neuen Halbleiterwerken in Magdeburg bei. Schon in diesem Jahr steht ein Milliardenbetrag an.
(akn [7])
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[1] https://www.reuters.com/technology/intel-seeks-624-mln-interest-eu-after-antitrust-fine-win-2022-06-20/
[2] https://www.heise.de/news/Nach-12-Jahren-EuGH-erklaert-EU-Milliardenstrafe-fuer-Intel-fuer-nichtig-6339140.html
[3] https://www.heise.de/news/Milliardenstrafe-EU-Kommission-eskaliert-Intel-Fall-zum-EU-Gerichtshof-6666245.html
[4] https://www.heise.de/news/Intel-baut-eine-Halbleiterfabrik-fuer-17-Milliarden-Euro-in-Magdeburg-6593971.html
[5] https://www.heise.de/news/Madgeburg-Megafab-Intel-bekommt-6-8-Milliarden-Euro-Zuschuss-7133834.html
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