Internes Apple-Dokument zum iPhone: "Wir haben nicht, was die Kunden wollen"
In einer geheimen PrĂ€sentation schreiben Manager des Konzerns, warum die Firma dringend ein gröĂeres iPhone auf den Markt bringen muss. Das Papier tauchte im aktuellen Patentprozess gegen Samsung auf.
Apple ist sich bewusst, dass dem Konzern ein konkurrenzfĂ€higes iPhone mit groĂem Bildschirm fehlt. Das geht aus einer im Rahmen des zweiten Patentprozesses [1] gegen Samsung veröffentlichten [2] internen PrĂ€sentation hervor. Manager des Konzerns schreiben dort ohne AusflĂŒchte, dass die Kunden etwas wollten, "was wir nicht haben". Demnach wachse der Smartphone-Markt vor allem in zwei Bereichen: dem GeschĂ€ft mit GerĂ€ten ĂŒber 4-Zoll und ab 300 US-Dollar sowie, noch stĂ€rker, im Markt der Telefone unter 300 US-Dollar. Auf einer zweiten Folie ist nachzulesen, dass Kunden billigere Smartphones mit gröĂeren Bildschirmen "am stĂ€rksten" nachfragten.
Probleme sieht Apple auch bei den Mobilfunkanbietern. Diese hĂ€tten ein "starkes Interesse" daran, das iPhone-GeschĂ€ft zu beschneiden. Die GerĂ€te hĂ€tten bereits eine hohen Marktanteil, kosteten an Subventionen mehr und Apple habe fĂŒr die Carrier "unfreundliche" Regelungen. Die Wettbewerber im Android-Segment hĂ€tten zudem ihre Hardware "drastisch verbessert" sowie "in manchen FĂ€llen" auch ihr Ăkosystem. Konkurrenten, womit Apple vermutlich Samsung mit seinem riesigen Werbeetat meint, steckten zudem "obszöne" Geldmengen in Reklame sowie in die Beziehungen zu VertriebskanĂ€len und Mobilfunkanbietern.
(Bild:Â Apple / Gerichtsunterlagen)
Die PrĂ€sentation, die vom US-Tech-Blog Recode als erstes veröffentlicht wurde, soll aus dem April 2013 stammen und die Planung fĂŒr 2014 enthalten. Sie verweist auch auf das deutlich zurĂŒckgegangene Wachstum im iPhone-Segment. Apple-Marketingchef Phil Schiller sagte vor Gericht am Freitag allerdings, dass das Dokument "nicht ganz" seiner Meinung entspreche. Es reprĂ€sentiere nicht die "offizielle" Position des Konzerns.
Ebenfalls bekannt [3] wurde, dass Apple sich ĂŒber Samsungs aggressive Werbekampagnen [4] fĂŒr die Galaxy-GerĂ€te Sorgen gemacht hat. Marketingchef Schiller soll sogar erwogen haben, der langjĂ€hrigen Apple-Werbeagentur TBWA/Chiat/Day [5] zu kĂŒndigen. Sie habe keine guten neuen iPhone-Anzeigen hervorgebracht, stattdessen Apple als "im Belagerungszustand" kritisiert. Apple-Chef Tim Cook soll Schiller geantwortet haben, dass er sich einen Wechsel durchaus vorstellen kann. "Wenn wir das tun mĂŒssen, sollten wir loslegen." (bsc [6])
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[1] https://www.heise.de/news/Apple-vs-Samsung-2-Runde-Samsung-gibt-sich-angriffslustig-2160055.html
[2] http://recode.net/2014/04/05/the-six-juiciest-documents-from-the-apple-samsung-trial-this-week/
[3] http://www.bloomberg.com/news/2014-04-04/apple-s-advertising-dilemma-aired-at-2-billion-trial.html
[4] https://www.heise.de/news/Oscar-Selfie-Samsung-zahlte-18-Millionen-Dollar-und-spendet-nun-2134754.html
[5] https://en.wikipedia.org/wiki/TBWA%5CChiat%5CDay
[6] mailto:bsc@heise.de
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