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Islamischer Staat: EU-Strafverfolger kicken Terror-Propaganda aus dem Netz

Stefan Krempl
IS-Video

Europol hat nach eigenen Angaben zusammen mit anderen europĂ€ischen Ermittlungsbehörden ĂŒber 26.000 EintrĂ€ge von IS-UnterstĂŒtzern aus dem Web befördern lassen.

EuropĂ€ischen Ermittlern ist nach eigenem Bekunden ein schwerer Schlag gegen Webseiten, Profile in sozialen Netzwerken und Messenger-Konten gelungen, ĂŒber die der Islamische Staat (IS) Terror-Propaganda verbreitete sowie AnhĂ€nger mobilisierte. Die zwischen dem 21. und dem 24. November durchgefĂŒhrte Aktion fĂŒhrte laut den Ermittlern zu Löschanforderungen von insgesamt ĂŒber 26.000 EintrĂ€gen rund um Inhalte zur UnterstĂŒtzung des IS an Diensteanbieter.

Die Aktion koordinierte [1] die Internet Referral Unit [2] (EU IRU) von Europol, wie die Polizeibehörde erlĂ€uterte. Diese sammelt Löschgesuche der Mitgliedsstaaten ĂŒber die gemeinsame "Internet Referral Management Application" (Irma), an die seit Kurzem etwa auch das Bundeskriminalamt (BKA) angeschlossen ist [3]. Im Anschluss reicht die Einheit einschlĂ€gige URLs oder Accounts an die zustĂ€ndigen Betreiber weiter. Diese mĂŒssen die Hinweise auf einen potenziellen Verstoß ihrer GeschĂ€ftsbedingungen prĂŒfen und bei gegebenenfalls einzuleitenden Maßnahmen dafĂŒr sorgen, dass dabei die Rechtsstaatlichkeit gewahrt und die Meinungsfreiheit geschĂŒtzt wird.

Ein Schwerpunkt der Operation, an dem neben der europÀischen Justizbehörde Eurojust Institutionen aus 12 EU-LÀndern sowie neun Provider beteiligt waren, richtete sich gegen IS-Propaganda-KanÀle auf Telegram [4]. Der Anbieter löschte daraufhin nach eigener Aussage am 22. November exakt 2096 sowie am Folgetag 2959 "terroristische Konten und Bots". Durchschnittlich seien es tÀglich 200 bis 300.

"Soweit wir wissen, ist der IS nicht mehr im Internet prĂ€sent", erklĂ€rte der Sprecher der federfĂŒhrenden belgischen Staatsanwaltschaft, Eric Van Der Sypt, laut Agenturberichten. Man werde sehen, wie schnell sich die Miliz davon erholen könne. Auch von einer "Cyberattacke" auf Server des IS-Sprachrohrs Amak ist die Rede [5]. Europol reagierte bislang nicht auf eine Anfrage von heise online, ob und auf welcher Rechtsgrundlage tatsĂ€chlich ein Internetangriff etwa auf Server erfolgte.

Der Terrorgruppe sei es mit ihren Online-Auftritten gelungen, "Menschen zu mobilisieren, um ihr zu folgen und tödliche AnschlĂ€ge im Namen des IS auszufĂŒhren", begrĂŒndete Europol-Chefin Catherine De Bolle die Operation. In Spanien habe die Guardia Civil einen VerdĂ€chtigen verhaftet, dem vorgeworfen werde, zum Kern der Verbreiter von Terror-Propaganda im Netz zu gehören.

Laut der EU-Polizeibehörde gelang es Strafverfolgern seit August 2016, die Online-Kommunikationsmöglichkeiten des Islamischen Staats immer weiter zu beschneiden. Damals sei ein erster Schlag gegen die App- und Web-Infrastruktur von Amak gefĂŒhrt worden. Im Juni sei es der spanischen Polizei gelungen, mehrere IS-Server zu beschlagnahmen. Im April habe eine andere internationale Operation dazu gefĂŒhrt, dass sich die Terrormiliz bereits weitgehend aus dem Web habe zurĂŒckziehen mĂŒssen. Dies habe es im jetzigen Nachgang erlaubt, einen Schwerpunkt auf deren verbliebene Social-Media-AktivitĂ€ten zu legen. (jk [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4597023

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.europol.europa.eu/newsroom/news/eu-law-enforcement-and-judicial-authorities-join-forces-to-disrupt-terrorist-propaganda-online
[2] https://www.heise.de/news/EU-Parlament-weitet-Europol-Befugnisse-im-Anti-Terror-Kampf-deutlich-aus-3204547.html
[3] https://www.heise.de/news/Terrorbekaempfung-BKA-beteiligt-sich-an-EU-Pilotprojekt-zu-Upload-Filtern-4340403.html
[4] https://www.europol.europa.eu/newsroom/news/europol-and-telegram-take-terrorist-propaganda-online
[5] https://www.spiegel.de/politik/ausland/islamischer-staat-ermittler-fahren-cyberattacke-gegen-sprachrohr-der-terrormiliz-a-1298198.html
[6] mailto:jk@heise.de