Kanzler vereinbart mit Sendern und Internet-Anbietern runden Tisch zu Gewaltdarstellung
Als Konsequenz aus der Bluttat von Erfurt beruft die Bundesregierung einen Runden Tisch zur Darstellung von Gewalt im Fernsehen und Internet ein.
Als Konsequenz aus der Bluttat von Erfurt beruft die Bundesregierung einen Runden Tisch zur Darstellung von Gewalt [1] im Fernsehen und Internet ein. Dies vereinbarte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Donnerstagabend bei einem Treffen mit Intendanten privater und öffentlich-rechtlicher Fernsehsender in Berlin. Die TV-Sender wollen zudem AufklÀrungs-Spots senden, in denen Gewalt als Konfliktlösungsmittel geÀchtet wird.
ZDF-Intendant Markus SchĂ€chter hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass der Runde Tisch eine Art Ehrenkodex zur Darstellung von Gewalt vereinbart. Zugleich soll das Gremium VorschlĂ€ge fĂŒr einen verbesserten Jugendschutz erarbeiten. Neben der Politik sollen Fernsehsender, Landesmedienanstalten sowie Internet-Anbieter vertreten sein.
Man mĂŒsse alles tun, damit sich durch AufklĂ€rung Erfurt nicht wiederholt, sagte Schröder. Der ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Fritz Pleitgen erklĂ€rte, die öffentlich-rechtlichen Sender hĂ€tten zwar ein funktionierendes Kontrollsystem, dennoch hĂ€tten nach Erfurt die Alarmglocken geschrillt. Besorgt Ă€uĂerte sich Pleitgen vor allem ĂŒber gewalttĂ€tige Videospiele im Internet [2].
Prominente Fernsehvertreter verwahrten sich dagegen, mit Blick auf Erfurt den Medien den Schwarzen Peter zuzuschieben. Sie rechtfertigten die Darstellung von Gewalt als Teil der RealitĂ€t. "Gewalt ist leider ein prĂ€gendes Element im menschlichen Miteinander. Die Medien haben sich damit auseinander zu setzen, real und fiktional", sagte Fritz Pleitgen. "Es gibt Gewaltszenen, die wehtun, die aber eine gesellschaftliche Wirkung erzielen, in dem sie aufrĂŒtteln und zur Aktion gegen Gewalt mahnen." RTL-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Gerhard Zeiler warnte davor, die Medien zum "SĂŒndenbock" zu machen.
Der GrĂŒnen-Rechtsexperte Volker Beck mahnte, die Darstellung von Gewalt im Fernsehen differenziert zu betrachten. "Gewaltanwendung ist ein gesellschaftliches PhĂ€nomen, das auch in Filmen und Berichterstattungen nicht tabuisiert werden kann. Es kann nicht angehen, dass kĂŒnftig im deutschen Fernsehen nur noch Heimat- und Tierfilme zu sehen sind!" Die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer, forderte, die Position der Jugendschutzbeauftragten der Fernsehsender zu stĂ€rken. (dpa) / (wst [3])
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