Kurswechsel: USA wollen Kubanern ins Internet helfen
(Bild: White House)
Gut 50 Jahre Blockadepolitik haben ein Ende, die USA und Kuba nehmen diplomatische Beziehungen auf, ExportbeschrÀnkungen sollen gelockert werden. Dadurch sollen auch mehr Kubaner einen Internetanschluss bekommen.
Die USA und Kuba nehmen nach gut 50 Jahren ihre diplomatischen Beziehungen offiziell wieder auf. In Havanna soll in den nĂ€chsten Monaten wieder eine US-Botschaft eröffnet, einige BeschrĂ€nkungen bei Handel und FinanzgeschĂ€ften sollen aufgehoben werden. Das gaben US-PrĂ€sident Barack Obama und sein kubanischer Amtskollege RaĂșl Castro am Mittwoch in Fernsehansprachen bekannt. Am Dienstag hatten beide erstmals miteinander telefoniert.
Durch die Lockerungen sollen die Kubaner kĂŒnftig auch besser mit Telekommunikationstechnik ausgerĂŒstet werden. Etwa fĂŒnf Prozent der Kubaner hĂ€tten einen Internetanschluss, heiĂt es in einer Mitteilung aus dem WeiĂen Haus [1]. Zudem seien die Kosten fĂŒr Telekommunikation auĂerordentlich hoch, wĂ€hrend die Technik sehr bescheiden sei.
Das soll sich Ă€ndern, indem auch hier die ExportbeschrĂ€nkungen aufgehoben werden. KĂŒnftig soll Hardware und Software fĂŒr Telekommunikation nach Kuba exportiert werden können. Auch sollen US-Unternehmen in Kuba die nötige Infrastruktur aufbauen dĂŒrfen. Dadurch soll die Kommunikation zwischen den USA und Kuba verbessert werden.
Franziskus hat vermittelt
Die USA hatten den Karibikstaat nach der MachtĂŒbernahme Fidel Castros mit einem scharfen Wirtschafts- und Handelsembargo ĂŒberzogen, unter anderem weil Kuba das Eigentum von US-Unternehmen auf der Insel verstaatlichte und sich dem Kommunismus zuwandte. 1961 versuchte eine Söldnertruppe von Exilkubanern mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA, das Regime zu stĂŒrzen. Kubas Revolutionsarmee schlug die Invasion in der Schweinebucht zurĂŒck.
1962 fĂŒhrte die Kuba-Krise die Welt an den Rand eines Atomkrieges. Wegen der Stationierung sowjetischer Raketen auf der Insel verhĂ€ngte US-PrĂ€sident John F. Kennedy eine Seeblockade. Kremlchef Nikita Chruschtschow lenkte daraufhin ein und zog die Raketen wieder ab.
"Wir können die Geschichte zwischen uns niemals ausradieren", sagte Obama, doch das Erbe der Kolonisierung und des Kommunismus mĂŒsse nun ĂŒberwunden werden. Die bisherige Haltung gegenĂŒber Kuba habe nicht gefruchtet, es sei sinnlos, sie beizubehalten. Castro dankte insbesondere Papst Franziskus fĂŒr seine Vermittlung der GesprĂ€che, ebenso wie der Regierung Kanadas. Dort fanden seit Sommer 2013 mehrere Treffen beider Seiten statt.
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Der Vatikan bestÀtigte, dass der Papst die historische AnnÀherung vermittelt hat. Franziskus habe Obama und Castro in einem Brief aufgefordert, "humanitÀre Probleme von gemeinsamem Interesse zu lösen, darunter die Lage von gewissen Gefangenen, um eine neue Phase in den Beziehungen beider Seiten einzuleiten".
Komplett aufgehoben sind das seit 1962 geltende scharfe Wirtschafts- und Handelsembargo gegen den Inselstaat sowie bestehende ReisebeschrĂ€nkungen mit den nun angekĂŒndigten Schritten nicht. Das kann nur der US-Kongress in die Wege leiten. Da dies in der nĂ€chsten Zeit jedoch nicht absehbar sei, habe Obama entschieden, in dem ihm möglichen Rahmen allein zu handeln, sagte ein US-Regierungsbeamter. Castro forderte die USA erneut zu einem Ende des Embargos auf. (mit Material der dpa) / (anw [3])
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