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LĂ€nder wollen Meldegesetz korrigieren

Stefan Krempl

Der Bundesrat will das umstrittene neue Melderecht zum Fall fĂŒr den Vermittlungsausschuss mit dem Bundestag machen. Dies wurde in einer Sitzung des Innenausschusses der LĂ€nderkammer deutlich.

Der Bundesrat [1] will das umstrittene neue Melderecht [2] zum Fall fĂŒr den Vermittlungsausschuss [3] mit dem Bundestag [4] machen und dort auf Nachbesserungen drĂ€ngen. Dies wurde in einer Sitzung des Innenausschusses der LĂ€nderkammer am Donnerstag in Berlin deutlich. DafĂŒr hĂ€tten alle 16 LĂ€nder gestimmt, sagte der Ausschussvorsitzende, Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner (SPD), der dpa. MeldeĂ€mter sollen AuskĂŒnfte ĂŒber Namen, akademische Grade sowie gegenwĂ€rtige Anschriften fĂŒr Werbung und Adresshandel nur noch herausgeben dĂŒrfen, wenn die Betroffenen ausdrĂŒcklich eingewilligt haben.

Noch unklar ist, wie weit die Forderungen des Bundesrats letztlich gehen werden. Die Freistaaten Sachsen, Bayern und ThĂŒringen sowie die LĂ€nder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, in denen die CDU oder die CSU den Ton angeben, wollen laut einem heise online vorliegenden Antrag allein zurĂŒck zur Bestimmung im ursprĂŒnglichen Gesetzentwurf der Bundesregierung [5]. Dieser sah eine "Opt-in"-Regelung vor. Der Bundestag ersetzte diese in der entscheidenden Abstimmung wĂ€hrend des EM-Halbfinalspiels Deutschland gegen Italien Ende Juli durch eine "Opt-out"-Klausel. Demnach mĂŒssten BĂŒrger gegen eine Datenweitergabe an Adressbroker oder Werber widersprechen. Widerspruch solle nicht möglich sein, wenn bestehende DatenstĂ€nde ĂŒberprĂŒft werden sollen.

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Baden-WĂŒrttemberg wollen umfangreichere Korrekturen. Neben der Einwilligungslösung wollen diese sogenannten A-LĂ€nder, in denen die SPD oder die GrĂŒnen an der Macht sind, allgemein eine "gewerbliche Nutzung" von Meldedaten durch die Auskunft verlangende Person oder Stelle ausschließen und VerstĂ¶ĂŸe mit Bußgeld belegen. Auch wollen die A-LĂ€nder schĂ€rfer ahnden, wenn eine Einwilligung von Betroffenen vorgespiegelt wurde.

DafĂŒr mĂŒsste der gewerbliche Charakter einer Anfrage fĂŒr eine sogenannte einfache Melderegisterauskunft erkennbar sein. Die Meldebehörde habe daher darauf zu achten, dass in der Anfrage der Zweck möglichst konkret angegeben wird, heißt es in dem Antrag. Anders als etwa dabei, die Rechte als GlĂ€ubiger wahrzunehmen oder um kreditbetrĂŒgerische Absichten zu verhindern, mĂŒsse der Wunsch nach Daten fĂŒr Direktmarketing generell hinter dem informationellen Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen zurĂŒcktreten. Parallel wollen Sozialdemokraten und GrĂŒne durchsetzen, dass Unternehmen auch dann die aus einer Melderegisterauskunft gewonnenen Adressdaten spĂ€ter nicht mehr fĂŒr AdressauskĂŒnfte heranziehen dĂŒrfen, wenn sie ihre Datenbanken fĂŒr eigene GeschĂ€ftszwecke aktualisieren wollen.

Über die beiden AntrĂ€ge soll das Plenum des Bundesrats am 21. September entscheiden. Vor der Sitzung des Innenausschusses hatte das BĂŒndnis "Meine Daten sind keine Ware [6]" planmĂ€ĂŸig [7] ĂŒber 190.000 Unterschriften gegen das neue Meldegesetz an LĂ€nderpolitiker ĂŒbergeben. Das Netzwerk wird getragen von der Kampagnenseite Campact, dem FoeBud, dem Bundesverband der Verbraucherzentralen und der Deutschen Vereinigung fĂŒr Datenschutz. Die Unterzeichner setzen sich fĂŒr die "Opt-in"-Variante ein. Symbolisch verschlossen die Aktivisten wĂ€hrend der Kundgebung daher "Meldeakten" mit stabilen VorhĂ€ngeschlössern. Die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der LĂ€nder hatten Ende August zudem deutlich weiter gehende Änderungen angemahnt [8]. Sie wollen unter anderem auch die Hotelmeldepflicht und Mitwirkungsauflage des Wohnungsgebers bei der Anmeldung des Mieters zu Fall bringen. (anw [9])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1701771

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.bundesrat.de/
[2] https://www.heise.de/news/Schwarz-Gelb-beschneidet-Opt-in-zur-Datenweitergabe-in-Meldegesetz-1628786.html
[3] http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse17/vermittlung/index.html
[4] http://www.bundestag.de/
[5] https://www.heise.de/news/Bundesregierung-beschliesst-Gesetzentwurf-zur-Reform-des-Meldewesens-1336146.html
[6] https://www.campact.de/melderecht/appell/
[7] https://www.heise.de/news/190-000-Unterschriften-gegen-das-Meldegesetz-1698521.html
[8] https://www.heise.de/news/Datenschuetzer-machen-gegen-neues-Melderecht-mobil-1674932.html
[9] mailto:anw@heise.de