Literatur für die Ohren: Hörbücher gibt es verstärkt als Download

Hörbuch auf CDs nehmen teilweise fast so viel Platz ein wie ihre gedruckten Pendants -- und sind oft umständlich zu handhaben. Da kommt es gerade recht, dass die Audio-Literatur zunehmend zum Herunterladen erhältlich ist.

vorlesen Druckansicht 65 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Sven Appel
  • dpa

Frank Schätzings Roman "Der Schwarm" umfasst als Hörbuch zehn CDs. Das bedeutet, dass die vertonte Fassung des Bestsellers im Regal ebenso viel Platz einnimmt wie das gedruckte Werk. Manche Hörbuch-Sammler dürften es daher zu schätzen wissen, dass die Audio-Literatur zunehmend zum Herunterladen erhältlich ist. Entsprechende Angebote werden auf der Frankfurter Buchmesse, die noch bis zum 23.10. dauert, von mehreren Unternehmen präsentiert.

Mit Beginn der Messe hat das "Hörportal" claudio.de seinen Dienst angetreten. Neben Klassikern von Goethe oder Schiller finden sich auf der Seite auch Hörbücher zeitgenössischer Autoren wie Karen Duve, oder Henning Mankell. Auch Libri.de bietet Hörbücher jetzt zum Download an -- ganz ohne DRM, nur mit Watermarking-Technik geschützt. Hörbuch-CDs vertreibt der Buchgroßhändler schon seit Jahren, erklärt Geschäftsführer Per Dalheimer. Der Download hat für den Kunden nicht nur den Vorteil der Platzersparnis: "Die Preise liegen rund 25 Prozent unter denen für Hörbuch-CDs."

Eines fällt beim Surfen auf den verschiedenen Hörbuch-Websites auf — das Angebot ist gemessen am Buch- und Hörbuch-CD-Markt gering. Laut Dalheimer gibt es derzeit rund 10.000 Hörbücher auf CD. Davon lasse sich momentan nur ein Zehntel auch zum Download bereitstellen — vor allem aus rechtlichen Gründen. Deshalb finden sich neben einigen aktuellen Bestsellern wie Dan Browns "Sakrileg" vor allem Klassiker im herunterladbaren Sortiment.

Allerdings deckt sich die Nachfrage nach Hörbuch-CDs und nach Hörbuch-Downloads sowieso nicht: "CDs werden zu 70 Prozent von Frauen gekauft, bei den Downloads sind es zu 75 Prozent Männer", erklärt Matthias Morgenroth, Geschäftsführer des auf Reisetitel spezialisierten Hörbuchverlages Geophon auf der Messe. "Beim Download sind Sachtitel aus den Bereichen Wirtschaft und Ratgeber viel stärker gefragt als etwa Romane", sagt Arik Meyer, Geschäftsführer des Hörbuchportals audible.de. Das Herunterladen von Hörbüchern auf den Computer ist für Meyer nur eine vorübergehende Erscheinung. "Dieser Umweg über den Rechner wird bald wegfallen."

Audible.de hat hier mit Beginn der Buchmesse einen ersten Schritt getan und bietet Beiträge aus verschiedenen Zeitungen und Magazinen wie "Die Zeit" oder "Brand eins" zum Download auf das Handy an. Auch ein Abonnement ist möglich. Technology Review aus dem Heise Zeitschriften Verlag kooperiert ebenfalls mit Audible.de für eine Audio-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins. "Dabei geht es um Kommentare und Hintergründe. Bei aktuellen Nachrichten ist das Radio schneller", erklärt Meyer. Ein ähnliches Angebot macht claudio.de — das Portal gehört mehrheitlich zum Focus Magazin Verlag.

Zwischen den Hörbuch-Download-Anbietern gibt es einen — auf den ersten Blick nicht ersichtlichen und dennoch wichtigen — Unterschied: Sie versuchen auf unterschiedliche Weise, sich gegen die unerlaubte Weiterverbreitung ihrer Ware zu schützen. "Wir setzen auf das Wasserzeichen", sagt Per Dalheimer von Libri.de. Dabei wird dem Hörbuch vor dem Download ein für den Nutzer nicht hörbares Signal hinzugefügt. Das verhindert zwar keine Raubkopie; taucht das Hörbuch aber in einer illegalen Online-Tauschbörse auf, lässt sich mit Hilfe des Wasserzeichens herausfinden, welchem Käufer diese Fassung gehört. Er könnte dann theoretisch belangt werden.

Die zweite Variante ist das Digital Rights Management (DRM), das nur eine bestimmte Anzahl von Sicherheitskopien zulässt. Der Nachteil für den Kunden: DRM-Dateien können anders als die mit Wasserzeichen versehenen Hörbücher nicht auf jedem MP3-Player wiedergegeben werden. Audible.de setzt dennoch auf DRM. Geschäftsführer Meyer glaubt, dass viele Titel von den Verlagen nicht als Download bereitgestellt werden, wenn es keinen Kopierschutz wie DRM gibt. (Sven Appel, dpa) / (jk)