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Lohnendes WeltraumgeschÀft: Der rasante Aufstieg der Firma OHB

Lohnendes WeltraumgeschÀft: Der rasante Aufstieg der Firma OHB

(Bild: OHB)

Von einem Betrieb mit fĂŒnf BeschĂ€ftigten zu einem der bedeutendsten europĂ€ischen Raumfahrtunternehmen – die Bremer Firma OHB hat genau das geschafft. Den Grundstein legte eine Frau, die eine neue berufliche Herausforderung suchte.

Wenn eines Tages die ersten EuropĂ€er auf dem Mars landen, möchte das Bremer Unternehmen OHB dabei sein. "Die Raumfahrt wird in den nĂ€chsten Jahrzehnten noch unglaubliche Fortschritte erzielen", sagt OHB-Chef Marco Fuchs. Sein Unternehmen wolle dabei eine wichtige Rolle spielen. "Es geht um die Vision, dass Raumfahrt nĂŒtzlich fĂŒr die Menschheit ist und das Leben auf der Erde erleichtert", erklĂ€rt der 54-jĂ€hrige Vorstandsvorsitzende der Firma, die unter anderem Satelliten fĂŒr das europĂ€ische Navigationssystem Galileo gebaut hat.

Von der NĂŒtzlichkeit der Raumfahrt ist auch die Bundesregierung ĂŒberzeugt. "Unser tĂ€gliches Leben ist ohne die Raumfahrt kaum vorstellbar", schreibt sie auf ihrer Internetseite zum Thema Raumfahrt [1]. "Beim Wetterbericht sind die Satellitenaufnahmen fĂŒr uns heute so selbstverstĂ€ndlich, dass wir nicht mehr darĂŒber nachdenken." Das Familienunternehmen OHB hat von dieser Bewertung profitiert – bei vielen AuftrĂ€gen zahlt der Bund einen großen Beitrag.

Die Entwicklung von OHB ist erstaunlich. Sie begann 1981 als der heutige Chef Marco Fuchs und seine Schwester das Elternhaus verlassen hatten und ihre Mutter Christa Fuchs eine neue berufliche Herausforderung suchte. ZufĂ€llig hörte die gelernte Kauffrau davon, dass die Inhaber des 1958 gegrĂŒndeten Hydraulik-Betriebs OHB einen Nachfolger suchten. Die Bremer Firma hatte fĂŒnf Mitarbeiter und baute elektrische und hydraulische Schiffssysteme fĂŒr die Bundeswehr.

Christa Fuchs stieg zunĂ€chst als Teilhaberin ein und ĂŒbernahm kurze Zeit spĂ€ter die unternehmerische FĂŒhrung. 1985 kam ihr Mann Manfred Fuchs dazu, der bis dahin als Manager in der Raumfahrtbranche gearbeitet hatte. "Er sah Nischen, die er mit einer kleineren und flexibleren Firma besetzen konnte", heißt es in einem Artikel der OHB-Mitarbeiterzeitung.

Der Plan ging auf: "OHB ist es innerhalb der letzten vier Jahrzehnte gelungen, sich als eines der fĂŒhrenden Unternehmen in der europĂ€ischen Raumfahrt durchzusetzen und damit auch gegen deutlich grĂ¶ĂŸere Unternehmen wirtschaftlich zu behaupten", teilt ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums mit. Er nennt OHB einen "verlĂ€sslichen Partner der Bundeswehr".
Inzwischen beschĂ€ftigt der Konzern rund 2300 Mitarbeiter. An der Börse ist OHB seit 2001. Rund 70 Prozent der Aktien sind im Familienbesitz, grĂ¶ĂŸter Anteilseigner ist Marco Fuchs.

"Das ist eine Bremer Erfolgsstory", sagt der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der IG Metall Bremen, Volker Stahmann. Es sei bemerkenswert, wie stark die Mitarbeiterzahl gewachsen ist. "Es ist eine Multikulti-Belegschaft, die ich als Ă€ußerst erfrischend empfinde." Kritisch sieht der Gewerkschafter, dass OHB keinen Tarifvertrag hat. "Es gibt seit langem Tarifdiskussionen", berichtet er. Bislang gebe es in der Belegschaft aber keine große Bewegung, die sich dafĂŒr einsetze. Außerdem geriet das Unternehmen 2011 in den Sog von Wikileaks-Veröffentlichungen, die den damaligen Aufsichtsratschef seinen Job kosteten [2].

Zu den wichtigsten OHB-Projekten gehören das radargestĂŒtzte AufklĂ€rungssystem SAR-Lupe und das Nachfolgesystem SARah fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland, die 22 Galileo-Satelliten [3] und die Satellitenplattform SmallGEO. [4] "Damit sind wir jetzt in der großen Klasse", sagt Fuchs, der als Anwalt in New York und Frankfurt arbeitete, bevor er 1995 ins Unternehmen seiner Eltern wechselte. "Der SmallGEO als Dreitonnenklasse ist die Königsdisziplin im Satellitenbau. Wenn Sie geostationĂ€re Satelliten gut bauen können, beherrschen Sie die ganze Produktpalette."

Der erste Satellit der neuen SmallGEO-Baureihe flog Ende Januar ins All [5]- er wurde unter FederfĂŒhrung von OHB im Rahmen eines Programms der EuropĂ€ischen Weltraumorganisation ESA entwickelt. Das Deutsche Zentrum fĂŒr Luft- und Raumfahrt (DLR) nannte den Start einen wichtigen Meilenstein. "Mit SmallGEO erreichen wir eine neue SystemfĂ€higkeit in Deutschland", sagte Gerd Gruppe, Vorstand des DLR-Raumfahrtmanagements damals. Nach rund 25 Jahren sei Deutschland wieder in der Lage ganze Kommunikationssatelliten zu bauen.

FĂŒr OHB sind Satelliten ein gutes GeschĂ€ft. 2015 lag der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) bei 40,2 Millionen Euro. Die neuen Zahlen sollen am Dienstag bekannt gegeben werden. FĂŒr Marco Fuchs sind die Zahlen nicht das Wichtigste. Seine Ambitionen sind grĂ¶ĂŸer. "Wir wollen eine Firma sein, die relevant ist", sagt er. "Wenn es weiter geht Richtung Mond und Mars wollen wir vorne mit dabei sein." (mho [6])


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https://www.heise.de/-3660441

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/WissenschafftWohlstand/2008-10-01-hightech-serie-raumfahrt-hauptartikel.html?nn=393092
[2] https://www.heise.de/news/Chef-des-Satellitenbauers-OHB-stolpert-ueber-Wikileaks-Veroeffentlichungen-1171330.html
[3] https://www.heise.de/news/Bremer-OHB-baut-acht-Galileo-Satelliten-884420.html
[4] https://www.heise.de/news/Deutschland-baut-ersten-TK-Satelliten-seit-mehr-als-25-Jahren-1755387.html
[5] https://www.heise.de/news/SmallGEO-Satellit-aus-Deutschland-im-Weltraum-angekommen-3609987.html
[6] mailto:mho@heise.de