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MSN nimmt chinesisches Weblog vom Netz

Andreas Wilkens

Microsofts Online-Dienst hat die EintrÀge des chinesischen Webloggers Zhao Jing unzugÀnglich gemacht.

Microsofts Online-Dienst MSN [1] hat die EintrĂ€ge des in seiner Heimatregion bekannten chinesischen Webloggers Zhao Jing vom Netz genommen. Das berichtet die New York Times, die Zhao zu ihren freien Mitarbeitern zĂ€hlt. MSN sei eingeschritten, nachdem der unter dem Online-Pseudonym "Michael Anti" bloggende Chinese ĂŒber einen Streik bei der chinesischen Tageszeitung The Beijing News berichtet hatte. Etwa 100 Mitarbeiter der Zeitung waren Ende vorigen Jahres in den Ausstand getreten, um gegen die Entlassung ihres Chefredakteurs und seiner beiden Stellvertreter zu protestieren.

MSN war im Juni vorigen Jahres in die Kritik geraten, nachdem bekannt wurde, dass der Dienst in China Internet-TagebĂŒcher zensiert [2], indem Überschriften von Blog [3]-EintrĂ€gen im kostenlosen Dienst MSN Spaces, die Begriffe wie "Freiheit", "Demokratie", "Menschenrechte" und "Taiwans UnabhĂ€ngigkeit" und "Demonstration" enthalten, gefiltert werden. Die New York Times zitiert nun die MSN-Managerin Brooke Richardson, die meint, dies sei ein komplexes und schwieriges Thema. Es sei besser, in China vertreten zu sein.

Ähnlich argumentierte [4] voriges Jahr auch Yahoo-Chef Terry Semel, der nach massiver Kritik von Menschenrechtlern das Engagement seiner Firma in China verteidigte. Yahoo hatte chinesischen Ermittlern bei der Suche nach einem missliebigen Journalisten geholfen [5]. Semel meint, ein Unternehmen mĂŒsse sich an die Gesetze in China halten, auch wenn es nicht mit ihnen einverstanden sei, oder sich zurĂŒckziehen. Ein RĂŒckzug, also eine Verringerung des "westlichen Einflusses", sei aber nicht der richtige Weg, um die Gesetze zu verĂ€ndern. Der chinesische Dissident Liu Xiaobo zum Beispiel meint hingegen [6], große auslĂ€ndische Firmen wĂŒrden der chinesischen Regierung dabei helfen, die Redefreiheit im Internet zu beschrĂ€nken.

Zhao schreibt laut dem chinesischen Ableger der Nachrichtenagentur Interfax [7], sein Blog sei offline genommen worden, nachdem Microsoft von chinesischen Behörden aufgefordert wurde. Einige von Zhaos EintrĂ€gen, die tĂ€glich 15.000 Besucher angelockt haben sollen, sind noch ĂŒber den Google-Cache [8] einsehbar. Der Chinese veröffentlicht seine EintrĂ€ge weiter ĂŒber den Dienst Blog-City [9], der vermutlich fĂŒr chinesische Webnutzer blockiert wird. Zhao gehörte vergangenes Jahr der Jury [10] der Deutschen Welle fĂŒr die Vergabe der Weblog-Awards [11] an. (anw [12])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-163579

Links in diesem Artikel:
[1] http://spaces.msn.com/?mkt=zh-cn
[2] https://www.heise.de/news/MSN-China-wird-zensiert-109197.html
[3] https://www.heise.de/glossar/entry/Weblog-399483.html
[4] https://www.heise.de/news/Yahoo-Chef-will-sich-nicht-aus-China-zurueckziehen-136010.html
[5] https://www.heise.de/news/Reporter-ohne-Grenzen-Yahoo-hilft-chinesischen-Strafverfolgern-128507.html
[6] https://www.heise.de/news/Chinesischer-Dissident-wirft-Yahoo-Verrat-vor-138796.html
[7] http://www.interfax.cn/showfeature.asp?aid=9004&slug=BLOG
[8] http://216.239.51.104/search?q=cache:OkXM2_PzNTgJ:spaces.msn.com/members/mranti/+&hl=en
[9] http://anti.blog-city.com/
[10] http://www.thebobs.de/thebobs05/bob.php?site=info_jury
[11] https://www.heise.de/news/Weblog-Award-der-Deutschen-Welle-fuer-argentinischen-Schriftsteller-150292.html
[12] mailto:anw@heise.de