Medienwirtschaft macht Dampf gegen Urheberrechtsnovelle
Der Deutsche Multimedia Verband hĂ€lt den gegenwĂ€rtigen Gesetzesentwurf fĂŒr eine "BankrotterklĂ€rung" und wirft kurz vor der ersten Lesung im Bundestag erneut die Lobbying-Maschine an.
Der Deutsche Multimedia Verband (dmmv [1]) dringt kurz vor der ersten Lesung der umstrittenen Urheberrechtsnovelle [2] im Bundestag am Donnerstag auf VerschĂ€rfungen des Gesetzesentwurfs. "Das Vorhaben trĂ€gt in seiner jetzigen Form zu einer weiteren SchwĂ€chung des Medienstandorts bei", erklĂ€rte dmmv-Sprecher Christoph Huneke gegenĂŒber heise online. Besonders empört ist der Verband ĂŒber die Skepsis der Bundesregierung [3] gegenĂŒber dem von der Branche angestrebten Verbot von Privatkopien aus illegalen Quellen, wozu die Medienwirtschaft vor allem Online-Tauschbörsen zĂ€hlt.
Das Justizministerium ist der Ansicht, dass sich die RechtmĂ€Ăigkeit einer im Netz gefundenen Kopiervorlage kaum beurteilen lasse. Doch diese EinschĂ€tzung hĂ€lt Christoph Dressel, Mitglied im dmmv-Arbeitskreis Medienpolitik, fĂŒr eine "BankrotterklĂ€rung". "Das wĂ€re genauso, als ob das Finanzamt erklĂ€ren wĂŒrde, dass Steuerhinterziehung im Einzelfall nur noch schwer zu belegen sei und daher nicht mehr sanktioniert wĂŒrde", veranschaulichte der Rechtsexperte im Bereich E-Security beim Pay-TV-Sender Premiere den Fall gegenĂŒber heise online. Einen weiteren Konstruktionsfehler des Regierungsentwurfs sieht er darin, dass bei UrheberrechtsverstöĂen zwischen privaten und gewerblichen Handlungen unterschieden und die vermeintlichen "SpaĂhacker" so davon kommen wĂŒrden.
Schwer im Magen liegt dem dmmv auch die sich fĂŒr eine StĂ€rkung der Nutzerrechte einsetzende Initiative privatkopie.net [4]. Auf der Einstiegsseite der von zahlreichen NetzverbĂ€nden getragenen Unterschriftensammlung wĂŒrden "unlautere Angaben" gemacht, so Dressel. Stein des AnstoĂes ist die Formulierung, dass das Recht des Verbrauchers, eine begrenzte Anzahl von VervielfĂ€ltigungen fĂŒr den Eigenbedarf zu erstellen, vor dem Aus stehe. "Dabei ist im Entwurf doch das Privileg fĂŒr das Anlegen von Privatarchiven enthalten", Ă€rgert sich Dressel, der eine solche Regelung als weiteres "Einfallstor fĂŒr VervielfĂ€ltigungsumtriebe" ablehnt.
Der dmmv hofft nun, die Entscheider im Justizministerium und Medienpolitiker in einem fĂŒr den morgigen Mittwoch in Berlin anberaumten "Last-Minute-Lobbying-GesprĂ€ch" von seiner Sicht der Dinge zu ĂŒberzeugen. Doch bislang hat sich der Verband mit seinen frĂŒheren VorstöĂen nur bedingt Gehör verschaffen können: Sowohl die politische Tour [5] durch die Hauptstadt im Mai, in deren Rahmen der dmmv hauptsĂ€chlich fĂŒr einen "effektiveren Schutz digitaler GĂŒter" plĂ€dierte, als auch ein im Herbst vorgelegtes Technik- und Rechtsgutachten [6] zum Kampf gegen Raubkopierer verpufften weitgehend in Berlin oder wurden von Politikern dezidiert als Scharfmacherei abgelehnt [7]. (Stefan Krempl) / (anw [8])
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[2] https://www.heise.de/news/Urheberrechts-Novelle-bleibt-heftig-umstritten-67068.html
[3] https://www.heise.de/news/Regierung-will-vorerst-an-Pauschalverguetung-bei-Privatkopien-festhalten-70013.html
[4] https://www.heise.de/news/Petition-zur-Rettung-der-Privatkopie-64940.html
[5] https://www.heise.de/news/Die-Digitale-Wirtschaft-auf-Parteien-Tournee-59737.html
[6] https://www.heise.de/news/Medienverbaende-stellen-Strategie-gegen-Raubkopierer-vor-61152.html
[7] https://www.heise.de/news/Politiker-gegen-weitere-Verschaerfung-des-Urheberrechts-61349.html
[8] mailto:anw@heise.de
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