zurück zum Artikel

Meraki verÀrgert private WLAN-Betreiber [Update]

Sven-Olaf Suhl

Der Mesh-WLAN-AusrĂŒster verkauft seine Basisstationen kĂŒnftig in zwei Varianten zu deutlich unterschiedlichen Preisen an. Nach massiver Kritik von Kunden rĂ€umt das Unternehmen Kommunikationsfehler ein.

Der von Google mitfinanzierte [1] Mesh-WLAN [2]-Anbieter Meraki [3] erhöht die Preise. Zugleich will die Firma mittels einer "Community Messaging & Advertising Platform" Nachrichten und Reklame in Webseiten einschleusen, die ĂŒber das von seinen Hardware-Kunden aufgebaute öffentliche Funknetz aufgerufen werden. Nach dem Abschluss seiner Beta-Phase habe Meraki auf leisen Sohlen seine Angebotspalette verĂ€ndert, vor allem zum Nachteil von WLAN [4]-Betreibern, die bereits Hardware [5] erworben haben, lautet der Vorwurf in einem ausfĂŒhrlichen Beitrag [6] der WiFi Net News vom 7. Oktober.

Zur Marktreife aus Sicht von Meraki und seiner Investoren zĂ€hlt es, identische Hardware mit "Standard" beziehungsweise "Pro" getauften Kombinationen bestimmter Leistungsmerkmale anzubieten [7]. Der Meraki Mini getaufte Access Point [8] kostet in der Standardversion 49 US-Dollar, sein fĂŒr den Außeneinsatz geeignetes und PoE [9]-fĂ€higes Pendant Meraki Outdoor 99 US-Dollar. In der Pro-Version kosten die EndgerĂ€te, die jeweils ausschließlich im 2,4-GHz-Band gemĂ€ĂŸ IEEE 802.11b [10] und g [11] funken, gleich 100 US-Dollar mehr.

Die Unterschiede liegen in der Firmware: Nach der Übersicht [12] hat Meraki die Standard [13]-Variante fĂŒr Einzelpersonen und kleinere, nicht kommerzielle Anbieter konzipiert. Die Pro [14]-Variante fĂŒr Hotspot-Betreiber erlaubt zum Beispiel auch, ein Netz durch mehrere Administratoren verwalten zu lassen und bestimmten Nutzergruppen feste Bandbreiten zuzuordnen. Ferner ermöglicht sie Zugang per Kreditkarte, was Meraki zentral fĂŒr den Provider abrechnet. WĂ€hrend Standard-Kunden bei Fragen zu Netzbetrieb und -konfiguration auf die Website von Meraki angewiesen sind, betreut das Unternehmen die Pro-Kunden immerhin per E-Mail wĂ€hrend des ersten halben Jahres.

Ferner hat Meraki eine Carrier [15]-Lösung im Angebot, die bis zum Aufbau kompletter, großflĂ€chiger Netze reicht. Die dafĂŒr geltenden Hardware-Preise nennt das Unternehmen nicht. Carrier-Kunden können zum Beispiel Prepaid-Karten fĂŒr ihr WLAN-Angebot unter eigenem Namen vertreiben und bestehende Netzinfrastruktur, zum Beispiel RADIUS [16]-basierte Nutzerauthentifizierung integrieren.

Leidtragende der Merkmalsspreizung sind Bestandskunden, die fĂŒr die Hardware bisher Standard-Preise gezahlt, aber einen mit der Pro-Variante vergleichbaren Leistungsumfang erhalten haben, berichtet WiFi Net News am 7. Oktober. Um den geĂ€nderten Meraki-Konditionen zu entgehen, habe ein WLAN-Betreiber bereits seine Meraki-APs mit einer anderen Firmware versehen, heißt es weiter. Zwar erhalten Betreiber von Meraki-Netzen der ersten Stunde, "Legacy Networks" laut FAQ [17], ein kostenfreies Upgrade zur Pro-Variante, doch bekommen sie neue APs nur zum Pro-Preis. Im Meraki-Forum [18] bemĂ€ngeln Kunden, dass sie infolge der Preiserhöhung ihr Netz nicht wie beabsichtigt ausbauen können.

[Update]

Inzwischen hat Meraki auf die Kritik seiner Kunden reagiert: CEO und -MitbegrĂŒnder Sanjit Biswas rĂ€umte ein, dass sein Unternehmen sie ĂŒber die geĂ€nderte Angebotspalette vorab nicht ausreichend informiert habe. Zwar habe man 850 Meraki-Kunden vorab die neue "Community Messaging & Advertising Platform" vorgestellt. Weitere betroffene Netzbetreiber, die versehentlich nicht informiert worden seien, hĂ€tten sich hingegen vor vollendete Tatsachen gestellt gesehen, berichtet [19] WiFi Net News am 8. Oktober.

ZunĂ€chst falsch dargestellt habe sein Unternehmen zudem die Einblendung von Meraki-gesteuerter Werbung in Pro-Netze: Deren Betreiber hĂ€tten die Möglichkeit, diese Banner ĂŒber ihre Netze zu verbreiten, seien jedoch nicht dazu verpflichtet. FĂŒr die Zukunft stellte Biswas den Betreibern eine Beteiligung an den WerbeumsĂ€tzen in Aussicht.

Ferner habe Meraki unterschÀtzt, in welchem Umfang nicht-kommerzielle Netze, die auf Standard-Hardware basieren, auf Sponsoren angewiesen seien. Daher werde Meraki die Möglichkeiten in Standard-Netzen, auf lokale Sponsoren hinzuweisen, erweitern. Auch Betreibern von "Legacy Networks" will Biswas entgegenkommen. (ssu [20])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-182633

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Mesh-WLAN-Spezialist-Meraki-Networks-erhaelt-Finanzspritze-142914.html
[2] https://www.heise.de/ratgeber/Gemeinsamkeiten-und-Unterschiede-von-WLAN-und-Mesh-Netzen-1899930.html
[3] http://meraki.com/
[4] http://www.heise.de/glossar/entry/Wireless-Local-Area-Network-395526.html
[5] https://www.heise.de/news/Pfiffige-Basisstation-fuer-Googles-WLAN-125094.html
[6] http://wifinetnews.com/archives/007973.html
[7] https://store.meraki.com/store/browse
[8] http://www.heise.de/glossar/entry/Access-Point-395456.html
[9] http://www.heise.de/glossar/entry/Power-over-Ethernet-399497.html
[10] http://www.heise.de/glossar/entry/IEEE-802-11b-396015.html
[11] http://www.heise.de/glossar/entry/IEEE-802-11g-396023.html
[12] http://meraki.com/oursolution/editions/comparison/
[13] http://meraki.com/oursolution/editions/standard/
[14] http://meraki.com/oursolution/editions/pro/
[15] http://meraki.com/oursolution/editions/carrier/
[16] http://www.heise.de/glossar/entry/Remote-Authentication-Dial-In-User-Service-397539.html
[17] http://meraki.com/oursolution/editions/faq/#legacy
[18] http://forums.meraki.com/viewtopic.php?t=1841&postdays=0&postorder=asc&start=0
[19] http://wifinetnews.com/archives/007979.html
[20] mailto:ssu@ct.de