Mobilfunkoffensive: Neue EU-Digitalkommissarin wirbt fĂŒr "5G First"
(Bild: dpa, Jens BĂŒttner)
EU-Komissarin Mariya Gabriel sieht im Ausbau des 5G-Netzes "die zentrale Frage" der Digitalisierung. Die EU dĂŒrfe sich hier nicht von asiatischen LĂ€ndern abhĂ€ngen lassen. Von einer europĂ€ischen Google-Alternative hĂ€lt sie nichts.
Mariya Gabriel, die in der EU-Kommission seit Juli [1] das Ressort fĂŒr digitale Wirtschaft und Gesellschaft leitet, drĂ€ngt auf eine konzertierte Offensive der Mitgliedsstaaten, um weltweit die FĂŒhrung beim kommenden Mobilfunkstandard 5G [2] einzunehmen. Die SchlĂŒsselfrage bei der Digitalisierung sei "der Ausbau des 5G-Netzes", erklĂ€rte [3] die Bulgarin gegenĂŒber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die EU dĂŒrfe sich hier nicht von LĂ€ndern wie Korea oder Japan abhĂ€ngen lassen, sondern mĂŒsse wie einst bei 3G (UMTS) wieder eine FĂŒhrungsrolle einnehmen. "Diesen Zug dĂŒrfen wir nicht verpassen", betonte die
Nachfolgerin des deutschen EU-Kommissars GĂŒnther Oettinger [4]. "Das Schicksal von Nokia
sollte uns ein warnendes Beispiel sein."
5G soll vor allem Bereiche mit hohem Anspruch an den Datenaustausch wie die Kommunikation zwischen Maschinen, das vernetzte Fahren oder digitale Dienste im Gesundheitswesen beflĂŒgeln. Oettinger hatte voriges Jahr vorgeschlagen, Auktionen der dafĂŒr benötigten Frequenzen zwischen den Mitgliedstaaten zeitlich aufeinander abzustimmen [5], um den 5G-Asubau gemeinsam vorantreiben zu können. Der EU-Rat will das einschlĂ€gige Spektrum den Netzbetreibern zwar auch in "vorhersehbarer" Weise zur VerfĂŒgung stellen, die Mitgliedsstaaten sollen dabei aber flexibel vorgehen dĂŒrfen [6]. Gabriel fordert dagegen: "Wir brauchen ein MindestmaĂ an Abstimmung". Frequenzen seien "die Kohle und der Stahl des 21. Jahrhunderts".
Nichts hĂ€lt die Digitalkommissarin davon, europĂ€ische Alternativen zu den US-InternetgröĂen von Apple ĂŒber Facebook bis Twitter aufzubauen. "Wir sollten unsere Energie nicht darauf verschwenden, den Erfolg anderer kopieren zu wollen", sagte sie der "FAZ". "Wir brauchen kein europĂ€isches Google, wir mĂŒssen uns auf unsere eigenen Idee und Innovationen konzentrieren." In Feldern wie der Nanorobotik, bei Sicherheitschips und der Digitalisierung des Automobils sei Europa Spitze, auch wenn das nicht immer so sichtbar sei.
Als zentralen Punkt erachtet die Konservative neben dem Kampf gegen Falschnachrichten und Hass in sozialen Netzwerken [7] sowie der StĂ€rkung der Cybersicherheit [8] die digitale Bildung. 44 Prozent der EuropĂ€er im Alter zwischen 16 und 74 Jahren seien digitale Analphabeten, warnt sie. Dabei gebe es aber groĂe Unterschiede innerhalb der EU. Nötig sei es jedenfalls, Programme zur digitalen Weiterbildung stĂ€rker zu fördern. Gabriel kĂŒndigte fĂŒr Ende des Jahres ein Praktikumsprogramm an, "das 6000 Studenten die Gelegenheit geben soll, Erfahrungen im Kampf gegen Cyberangriffe, bei der Datenanalyse oder mit KĂŒnstlicher Intelligenz zu sammeln".
(hps [9])
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[2] https://www.heise.de/news/Telekom-funkt-mit-ersten-5G-Antennen-in-Berlin-3859795.html
[3] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/mariya-gabriel-im-interview-kein-europaeisches-google-15266391.html
[4] https://www.heise.de/news/Neue-EU-Digitalkommissarin-Bulgarin-Gabriel-folgt-auf-Oettinger-3715128.html
[5] https://www.heise.de/news/Bericht-EU-Kommission-will-beim-Glasfaserausbau-Dampf-machen-3320002.html
[6] https://www.heise.de/news/Telecom-Markt-EU-Staaten-einigen-sich-auf-neue-Regeln-zum-Anbieterwechsel-3860703.html
[7] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-Hass-und-Hetze-sollen-schnellstmoeglich-aus-dem-Netz-3847382.html
[8] https://www.heise.de/news/Cybersecurity-EU-Kommission-plant-europaeisches-IT-Zertifizierungsverfahren-3829605.html
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