Mussawi twittert: "Ich bin bereit zum MĂ€rtyrertum"
Die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und SicherheitskrĂ€ften in Teheran spitzen sich zu, es wird geschossen, die Lage ist unĂŒbersichtlich.
Nicht nur in Teheran, sondern auch in anderen StĂ€dten wie in Isfahan, Ahwaz, Mashad oder Shiraz sind die Menschen trotz des Verbots und der AnkĂŒndigung, hart gegen die als illegal erklĂ€rten Demonstrationen vorzugehen, auch heute auf die StraĂe gegangen. Ebenso wie in Teheran scheint es auch in diesen StĂ€dten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen zu sein. Da das iranische Regime die Berichterstattung auslĂ€ndischer Medien weitgehend unterbunden hat, gleicht die Informationslage eher einer GerĂŒchtekĂŒche von einzelnen Berichten, die oft erst einmal nicht unabhĂ€ngig bestĂ€tigt werden können, und einigen Bildern und Videos, die trotz der EinschrĂ€nkung des Internet ins Ausland gelangen.
Wie eine Analyse [1] von Arbor zeigt, wurde kurz nach den PrĂ€sidentschaftswahlen der Kommunikations- und Informationsfluss ĂŒber das Internet massiv eingeschrĂ€nkt, auch wenn, anders als in Burma wĂ€hrend der Unruhen, das Internet nicht völlig gekappt wurde. Ab dem 13. Juni ist der gesamte Internetverkehr mit dem Ausland auf ein Drittel der normalen StĂ€rke durch Filter im iranischen Firewall geschrumpft, Videos kommen kaum mehr durch. Auch die Email-Kommunikation ist nur noch stark eingeschrĂ€nkt möglich. Interessant ist, dass bei den Anwendungen neben Flash und Bittorrent primĂ€r SSH, ein sicheres Internetprotokoll, gesperrt wurde.
Wie man den Blogs, Twitter-Accounts und Medienberichten entnehmen kann, haben sich die Proteste mittlerweile zu StraĂenkĂ€mpfen entwickelt. Es wird in Teheran geschossen, es gab erste Tote und Verwundete. Neben einem massiven Aufgebot von staatlichen SicherheitskrĂ€fte stehen die paramilitĂ€risch organisierten Basidsch-Milizen, religiöse Hardliner, an vorderster Front und versuchen die Menschen mit Gewalt einzuschĂŒchtern. Nach dem Bericht eines BBC-Korrespondenten hĂ€ngt schwarzer Rauch wegen zahlreicher Feuer ĂŒber dem Stadtzentrum und bilden sich auch groĂe ProtestzĂŒge, weil die Polizei nicht ĂŒberall sein könne.
Nach anderen Berichten sind an manchen Orten in Teheran die Protestierenden in der Lage gewesen, die SicherheitskrĂ€fte zurĂŒckzudrĂ€ngen. Allein am Revolutionsplatz sollen 20.000 SicherheitskrĂ€fte und Basidsch-Milizen aufmarschiert sein und 3.000 Demonstrierenden gegenĂŒber stehen. Auf Videos wie diesem [2] kann man chaotische Szenen auf den StraĂen Teherans sehen, es gibt Tumulte, SchĂŒsse sind zu hören. Menschen blockieren StraĂen und zĂŒnden Feuer an.
Der PrÀsidentschaftskandidat soll auch unterwegs gewesen sein und den Menschen gesagt haben, sie sollten die Arbeit niederlegen, wenn er festgenommen werden sollte. Auf einem ihm zugeschriebenen Twitter-Account [3] steht ebenfalls: "Ich bin bereit zum MÀrtyrertum. Beginnt mit einem Streik, wenn ich verhaftet werde."
Wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet [4], sind neben zahlreichen Oppositionellen bereits viele bekannte politische Persönlichkeiten in Haft genommen worden.
RÀtselhaft ist noch immer, wer hinter dem Selbstmordanschlag auf den Schrein des Ajotallah Chomeini steht, bei dem neben dem AttentÀter zwei Menschen getötet und acht weitere verletzt wurden.
Siehe dazu auch in Telepolis: GrĂŒne Revolution: Heute könnte im Iran der entscheidende Tag sein [5] (fr [6])
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Links in diesem Artikel:
[1] http://asert.arbornetworks.com/2009/06/a-deeper-look-at-the-iranian-firewall/
[2] http://www.youtube.com/user/sonyblack7
[3] http://twitter.com/mousavi1388
[4] http://www.hrw.org/en/news/2009/06/19/iran-halt-crackdown
[5] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30567/1.html
[6] mailto:fr@heise.de
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