NachzĂĽgler

Nvidia dominiert zwar derzeit den Markt der Athlon-64-Chipsätze, doch hat der Grafikspezialist ausgerechnet das Segment der Onboard-Grafik bisher ATI, SiS und VIA überlassen. Die GeForce-6100-Familie soll die Lücke im Angebot nun schließen.

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Von
  • Thorsten Leemhuis

In den zwei Jahren seit der Vorstellung des Athlon 64 hat Nvidia mit dem nForce3 und dem sehr erfolgreichen nForce4 ausschließlich Chipsätze ohne Grafikkern angeboten. Die im unteren und mittleren Preissegment häufig anzutreffenden PCs mit auf dem Mainboard integriertem Grafikprozessor nutzten daher nur die Chipsätze von ATI, SiS und VIA.

Die GeForce-6100-Familie schließt diese Lücke im Angebot des mit grafiktauglichen Chipsätzen in den Markt für Mainboardchipsätze eingestiegenen Unternehmens. Anders als beim nForce4 für AMD-Prozessoren besteht der neue Chipsatz nicht aus einem einzelnen Chip, sondern wie bei Intels 945G oder dem nForce4 für Intels Pentium 4 aus zweien: Der Integrierte Grafik Prozessor (IGP) bindet den AMD-Prozessor im Sockel 754 oder 939 an und enthält sowohl das PCI-Express-Interface als auch den Grafikkern. Der Media Communication Prozessor (MCP) ist über den IGP angebunden und zeigt sich unter anderem für SATA, PATA, PCI und Audio verantwortlich.

Die beiden zur Auswahl stehenden IGPs nennt Nvidia GeForce 6100 und GeForce 6150. Beide können einen PEG-Slot für eine zusteckbare Grafikkarte anbinden. Der 6100 kann zudem ein, der 6150 zwei zusätzliche PCIe-Geräte ansprechen. Der Grafikkern der beiden basiert auf dem des GeForce 6200 (NV44). Er unterstützt DirectX 9.0, Pixel Shader 3.0 und kann Auflösungen bis 1920 x 1440 bei 75 Hertz darstellen. Beide zwacken für die Grafikdaten bis zu 128 MByte vom Hauptspeicher ab. Nur der 6150 bietet Dual-Head, DVI und einen TV-Ausgang, der HD-Video (720p/1080i) ausgeben kann - allerdings ohne HDCP zu unterstützen.

Als passende MCPs präsentiert Nvidia den nForce 410 und den nForce 430. Vom Funktionsumfang ähneln sie dem nForce4. Neu hinzugekommen ist HD-Audio-Unterstützung. Der 410 kann zwei, der 430 vier SATA-II-Ports mit NCQ und Datenübertragungsraten von bis zu 300 MByte/s anbinden. Gigabit-LAN und die „Active Armor Firewall“, die einige Filteraufgaben vom Chipsatz erledigen lässt und so den Prozessor entlastet, bleiben dem 430 vorbehalten.

Aus den vier möglichen Kombinationen aus IGP und MCP kommen nur drei zum Einsatz: GeForce 6100 + nForce 410, GeForce 6100 + nForce 430 und GeForce 6150 + nForce 430. IGPs für Intel-Prozessoren gibt es vorerst genauso wenig wie stromsparende Varianten für Notebooks mit AMD-Prozessor - laut Gerüchten plant Nvidia jedoch beides.

Dreizehn Mainboard- und Barebone-Hersteller haben Produkte mit den neuen Chipsätzen angekündigt. Damit ist die GeForce-6100-Familie von Start weg erfolgreicher als manch etablierte Chipsätze: ATIs Radeon Xpress 200 und SiS 760 und 761 etwa kommen auch Monate nach deren Vorstellung nur auf wenigen Mainboards zum Einsatz. VIAs K8M800 hingegen trifft man noch häufiger auf älteren Sockel-754-Platinen - er bringt jedoch weder PCI-Express, NCQ, HD-Audio noch SATA-II mit.

Unter den angekündigten Boards mit den neuen Nvidia-Chipsätzen finden sich sowohl welche mit Sockel 754 als auch mit Sockel 939. Die in günstigen PC-Systemen zu findende Kombination aus Mainboard mit integrierter Grafik und AMD-Low-Cost-Prozessorbaureihe Sempron gelingt derzeit nur mit Sockel 754; solche Prozessoren fertigt AMD zwar bereits, der Prozessorhersteller liefert sie jedoch ausschließlich direkt an größere PC-Hersteller aus.

Mit dem T-Force 6100-939 fand ein erstes Micro-ATX-Mainboard von Biostar mit Sockel 939, GeForce 6100 und nForce 410 den Weg ins c't-Labor. Es soll in Kürze für unter achtzig Euro in den Handel gelangen. Die Chips auf dem T-Force und den meisten anderen angekündigter Mainboards zieren passive Kühlkörper - die meisten Platinen mit nForce4 verwenden einen Chipsatzkühler mit Lüftern. Die Benchmarkergebnisse lagen auf dem Niveau des direkten Konkurrenten Radeon Xpress 200 - mit dem um 50 MHz höher getakteten Grafikkern dürfte der 6150 hier noch etwas schneller sein. Leicht übertrumpft wurden der 6100 und der ATI-Chipsatz von einem Mainboard mit Intel 945G und einem vergleichbaren Pentium-4-Prozessor. Quake 3 lässt sich mit allen auch bei 1024 x 768 noch spielen, aktuelle 3D-Shooter überfordern jedoch all diese Chipsätze gleichermaßen - Doom 3 etwa läuft selbst in geringer Auflösung nicht flüssig. Strategiespiele wie Sims 2 hingegen laufen akzeptabel, ab Auflösungen jenseits der 1024 x 768 muss man für flüssige Darstellung jedoch die Grafikdetails reduzieren. Bei normalem Desktop-Betrieb braucht man mit den integrierten Chipsätzen im Vergleich zu denen mit zugesteckter Grafikkarte keine nennenswerten Einschränkungen bei der Geschwindigkeit hinzunehmen.

Neben Nvidia hofft vor allem AMD auf den Erfolg der neuen Chipsatz-Familie, denn der Nvidia-Chipsatz und die breite Unterstützung durch die Mainboardhersteller könnte dem Prozessorhersteller den Weg vom Low-Cost-PC-Markt in den gehobeneren für solide Büro-PCs und einfache Heim-PCs öffnen. Bisher dominieren hier Intel Chipsätze mit integrierter Grafik wie der 865G, 915G und 945G so stark, dass das Unternehmen es zum Weltmarktführer bei Grafikchips geschafft hat, obwohl Intel im Unterschied zu ATI und Nvidia gar keine separaten Grafikchips vertreibt.

Über die Geschwindigkeit des integrierten Grafik mag der 3D-Gamer zwar nur milde lächeln, für Büro-PCs oder den einfachen Anwender, der nur Solitär, Tetris und Sims spielt und ab und zu die Löwenzahn-CD für die Kinder ins Laufwerk legt, reicht sie allemal.

Nvidia Chipsätze mit integrierter Grafik für AMD64-Prozessoren
IGP/MCP GeForce 6100/nForce 410 GeForce 6100/nForce 430 GeForce 6150/nForce 430
Takt Grafikkern 425 MHz 425 MHz 475 MHz
PCIe-Lanes 1 x 16, 1 x 1 1 x1 6, 1 x 2 1 x 16, 1 x 2
Composite - - +
S-Video - - +
HD-Video - - +
DVI - - +
SATA-Ports 2 4 4
PATA-Kanäle 2 2 2
RAID 0, 1 0, 1, 0 + 1, 5 0, 1, 0 + 1, 5
Active Armor - + +
LAN 100 MBit/s 1000 MBit/s 1000 MBit/s
USB 8 8 8

(thl)