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Neue Generation von DRE-Wahlcomputern soll kontrollierbarer werden

Peter-Michael Ziegler

Die U.S. Elections Assistance Commission will Richtlinien verabschieden, nach denen neue Wahlcomputer mit Direct Record Electronic (DRE) unabhĂ€ngige Kontrollfunktionen zur ÜberprĂŒfung des registrierten Abstimmungsergebnisses enthalten mĂŒssen.

Die Chancen, dass in den USA eines Tages nur noch Wahlcomputer eingesetzt werden dĂŒrfen, die von der GerĂ€te-Software unabhĂ€ngige Kontrollfunktionen zur ÜberprĂŒfung des registrierten Abstimmungsergebnisses enthalten, steigen. Das Technical Guidelines Development Committee (TGDC) der U.S. Elections Assistance Commission (EAC [1]) verabschiedete jetzt einstimmig eine Resolution, in der das Security and Transparency Subcommittee der EAC angewiesen wird, Richtlinien fĂŒr entsprechende Wahlcomputer-Anforderungen aufzusetzen. In der Kritik stehen insbesondere sogenannte DRE-GerĂ€te (Direct Record Electronic) – etwa Touchscreen-Wahlcomputer der Hersteller Diebold Election Systems oder ES&S – die keine Möglichkeit bieten, die Korrektheit der von den Maschinen erfassten Voten zu ĂŒberprĂŒfen.

Der von TGDC-Mitglied und Turing-PreistrĂ€ger Ronald Rivest eingebrachte Resolutionsvorschlag bezieht sich allerdings nur auf neue Generationen von Wahlcomputern, die voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2010 eingefĂŒhrt werden. Nicht durchsetzen konnte sich der MIT-Professor mit der Forderung, die bereits im Einsatz befindlichen DRE-GerĂ€te um zusĂ€tzliche Kontrollmechanismen zu erweitern, etwa die Ausgabe von Papierausdrucken (Voter-Verified Paper Audit Trail) zur unabhĂ€ngigen ÜberprĂŒfung der WĂ€hlerstimmenzĂ€hlung. Rund 30 Prozent aller in den USA eingesetzten Wahlcomputer sind derzeit DRE-GerĂ€te. Das National Institute of Standards and Technology (NIST) hatte zuletzt erklĂ€rt [2], dass ein einziger Programmierer mit Manipulationsvorsatz ausreiche, um das Ergebnis einer mit DRE-GerĂ€ten durchgefĂŒhrten Wahl auf den Kopf zu stellen.

"Vertrauen in einen Wahlausgang hĂ€ngt im Wesentlichen davon ab, dass die eingesetzte Software verlĂ€sslich funktioniert und nicht manipuliert wurde", hielt das NIST in einem Draft-Paper fĂŒr das TGDC fest. DRE-GerĂ€te ohne PrĂŒfmöglichkeit seien eine schlechte Lösung fĂŒr eine Welt, in der das Aufdecken von Fehlern und von Betrug eine wichtige Rolle spiele. Verloren ist das Vertrauen unter anderem bereits in Sarasota County (Florida). Bei den Wahlen zum US-ReprĂ€sentantenhaus Anfang November hatten die eingesetzten DRE-GerĂ€te offenbar mehr als 18.000 der insgesamt 141.000 in dem Landkreis abgegebenen Stimmen nicht gezĂ€hlt [3]. Floridas Wahlbehörde ordnete deshalb eine Inspektion der Wahlcomputer an, die bislang aber keine Hinweise auf Manipulationen oder gravierende Fehler der GerĂ€te brachte.

Der Politikwissenschaftler Michael Herron hat unterdessen eine andere ErklĂ€rung, warum in Sarasota so viele Stimmen fehlen. Schuld könnte das Layout der virtuellen Stimmzettel gewesen sein. WĂ€hrend WĂ€hler in anderen Bezirken Floridas ihre Stimmen fĂŒr die parallel abgehaltenen Senats- und Gouverneurs-Wahlen in unterschiedlichen Display-Fenstern abgeben mussten, bekamen die WĂ€hler in Sarasota nur ein Fenster mit Eingabe-Feldern fĂŒr beide WahlgĂ€nge angezeigt. Nach Herrons Ansicht könnten deshalb bis zu 15.000 WĂ€hler in Sarasota versĂ€umt haben, ihre Stimme fĂŒr das ReprĂ€sentantenhaus abzugeben. Der Wissenschaftler rĂ€umt aber ein, dass es sich bei den Ergebnissen um "rein statistische Zahlen" handelt. Über die Klage [4] der demokratischen Kandidatin Christine Jennings gegen die Ernennung von Vern Buchanan als Vertreter des Florida U.S. House District 13 soll erstmals am 15. Dezember vor Gericht verhandelt werden. (pmz [5])


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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.eac.gov/
[2] https://www.heise.de/news/US-Behoerde-will-Wahlcomputer-ohne-externe-Kontrollfunktionen-verbannen-123090.html
[3] https://www.heise.de/news/Wahlcomputer-in-Florida-unterschlagen-jede-achte-Stimme-118754.html
[4] https://www.heise.de/news/Demokraten-fechten-Wahlergebnis-in-Sarasota-Florida-an-119772.html
[5] mailto:pmz@ct.de