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Nord Stream 1: So sieht es am Boden der Ostsee aus

Malte Kirchner

(Bild: Swedish Coast Guard)

WĂ€hrend sich die Ermittler in Schweden und DĂ€nemark zu Nord Stream weiterhin bedeckt halten, hat eine schwedische Zeitung eine Unterwasserdrohne losgeschickt.

Unterwasseraufnahmen einer Drohne zeigen erstmals das Ausmaß der Zerstörung an der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 in schwedischen GewĂ€ssern nahe der dĂ€nischen Insel Bornholm. WĂ€hrend die Ermittlungsbehörden in Schweden und DĂ€nemark ihre Bilder bislang zurĂŒckhalten, hat die schwedische Boulevardzeitung Expressen eine norwegische Firma damit beauftragt, die Schadstelle im Meer zu filmen. UnabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft worden sind die Bilder allerdings nicht.

Die Aufnahmen der Firma Blueeye Robotics in 80 Metern Tiefe zeigen erhebliche SchÀden an der Gasleitung [1]. Auf einer LÀnge von mindestens 50 Metern ist das Rohr vollstÀndig zerstört. Verbogenes Metall, offene RohreingÀnge und Krater auf dem Meeresboden zeugen von der gewaltigen Detonation, die sich dort ereignet haben muss.

Weiterhin ist unklar, wer oder was dafĂŒr verantwortlich ist. Die Wucht der Explosion Ende September hatte kleine Beben ausgelöst, die von Erdbebenwarten aufgezeichnet wurden. Die Ermittler gehen von Sabotage aus.

Die schwedischen Sicherheitsbehörden hatten den Tatort nach Abschluss ihrer Ermittlungen freigegeben. Dabei wurden auch mögliche Beweise gesichert, hieß es. In den vergangenen Tagen herrschte Verwirrung darĂŒber, ob Schweden noch an einer gemeinsamen Ermittlung mit Deutschland und DĂ€nemark interessiert ist [2], die ursprĂŒnglich geplant war.

Inzwischen haben sich auch dĂ€nische Ermittler geĂ€ußert. Sie kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass die Löcher in dĂ€nischen GewĂ€ssern von schweren Explosionen verursacht wurden [3]. Der dĂ€nische Geheimdienst PET und die Kopenhagener Polizei haben laut einer Mitteilung [4] eine gemeinsame Ermittlungsgruppe eingerichtet. Wie Schweden, hĂŒllen sich auch die dĂ€nischen Behörden in Schweigen ĂŒber weitere Details. Ob es eine Zusammenarbeit mit Deutschland geben wird, lassen sie ebenso offen.

Die rund 1200 Kilometer langen Gaspipelines Nord Stream 1 und 2, die durch die Ostsee von Russland nach Lubmin in Deutschland fĂŒhren, wurde an drei RohrstrĂ€ngen massiv beschĂ€digt. Insgesamt wurden vier Lecks entdeckt. Die Lieferungen ĂŒber Nord Stream 1 waren zuvor schon von Russland eingestellt worden, Nord Stream 2 wurde zwar fertiggestellt und aus betrieblichen GrĂŒnden mit Gas befĂŒllt, aber niemals in Betrieb genommen. Aus den Lecks strömte tagelang Gas [5].

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(mki [7])


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https://www.heise.de/-7311906

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[1] https://www.expressen.se/nyheter/forsta-bilderna-fran-sprangda-gasroret-pa-ostersjons-botten/
[2] https://www.heise.de/news/Nord-Stream-1-und-2-Schweden-behaelt-Untersuchungsergebnisse-fuer-sich-7309466.html
[3] https://www.heise.de/news/Nord-Stream-1-und-2-Explosionen-mit-der-Sprengkraft-hunderter-Kilo-TNT-7281846.html
[4] https://politi.dk/koebenhavns-politi/nyhedsliste/pet-og-k%C3%B8benhavns-politi-neds%C3%A6tter-f%C3%A6lles-efterforskningsgruppe-i-sagen-om-gasl%C3%A6kager-i-%C3%B8sters%C3%B8en/2022/10/18
[5] https://www.heise.de/news/Defekte-Gas-Pipelines-Nord-Stream-1-2-Sabotage-nicht-ausgeschlossen-7277358.html
[6] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[7] mailto:mki@heise.de