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Open-Source-Software Asterisk wirbelt Telefonmarkt durcheinander

Stefan Krempl

Die frei verfĂŒgbare Telekommunikations-Applikation macht den Herstellern proprietĂ€rer Telefonanlagen verstĂ€rkt Konkurrenz und kann mit Innovationen wie einem verbesserten Datentransport oder Funktionen zur Umgebungserkennung aufwarten.

Die frei verfĂŒgbare Telekommunikations-Software Asterisk [1] setzt den Herstellern proprietĂ€rer Telefonanlagen verstĂ€rkt zu. "Den VerkĂ€ufern von Telefonsystemen verschafft Asterisk viele ungewohnte Freiheiten und Raum fĂŒr Eigenentwicklungen", erklĂ€rte Marc Spencer von Digium [2] am gestrigen Samstag auf dem Free and Open Source Software Developers' European Meeting (FOSDEM) [3] in BrĂŒssel. Das US-Unternehmen agiert als ProjekttrĂ€ger der Programm-Suite. So könnten Systemintegratoren etwa bei der grafischen Nutzerschnittstelle oder bei der verwendeten Hardware eigene Wege gehen, sagte Spencer. Gleichzeitig beschleunige Asterisk die Geschwindigkeit im Markt und erlaube es kleinen Firmen, einfacher dort Fuß zu fassen.

Asterisk ist eine Telefonanlagen-Software [4] und eine Plattform fĂŒr die Anpassung gĂ€ngiger Telefon-Applikationen an spezielle BedĂŒrfnisse. Sie bringt zum einen gĂ€ngige digitale Anruf-Funktionen wie das Management zahlreicher Nebenstellen, Weiterschaltung, Warteschleife oder Nummernerkennung mit sich. Dabei beherrscht sie zum einen gĂ€ngige "klassische" Protokolle wie T1 oder Loopstar, zum anderen neue wie die zunehmende Zahl an VoIP-Protokollen (Voice over IP). Spencer bezeichnete Asterisk, das unter der GNU GPL sowie ĂŒber eine kommerzielle Lizenz Ă€hnlich der von MySQL erhĂ€ltlich ist, als "Apache fĂŒr die Telefonie". Insgesamt gehe es dabei aber nicht nur um den Aufeinanderprall von Open-Source und proprietĂ€rer Software. Vielmehr stehe Asterisk auch im Zentrum des allgemeinen Umbruchs des Telefonmarktes weg von analogen hin zu digitalen Lösungen, vom leitungsgebundenen Schalten zur Internet-Telefonie, von einem zentralisierten Ansatz zu Peer-2-Peer sowie von der reinen DatenĂŒbertragung zum Transfer konvergierender Medienströme.

Die Architektur von Asterisk macht es kommerziellen Anwendern der Software laut Spencer einfach, etwa mit dem Aufbau von VoIP-Gateways, dem eigenen IAX-Protokoll [5], ĂŒber Webserver mit Funktionen fĂŒr Anrufbeantworter, Konferenzschaltungen oder Kontaktcentern mit proprietĂ€ren Systemen zu konkurrieren. Die Asterisk-Platformen seien zudem mit eigenen ZusĂ€tzen schier beliebig zu erweitern. Einer der Entwickler der freien Telefonsoftware habe sich etwa eine Routine eingerichtet, die jeden Anruf der Ex-Freundin automatisch an den Anrufbeantworter schickt.

Den oft vorgebrachten Vorwurf, dass freie Software allein Features bereits bestehender proprietĂ€rer Programme nachahme, wollte der Digium-PrĂ€sident nicht gelten lassen. So kann das Asterisk-Protokoll seinen Angaben nach Daten effizienter transportieren als herkömmliche Systeme. Pro Megabyte seien etwa dreimal so viele Anrufe ĂŒbertragbar, schĂ€tzt Spencer. Zudem warte die Software mit dem "ersten echten" Service zum automatischen Erkennen von Umgebungen via Bluetooth auf, könne also zum Beispiel die Serviceleistungen ohne Eingriff des Nutzers von der Heim- auf die BĂŒroumgebung umschalten.

Generell rechnet Spencer mit einem weiteren raschen Wachstum bei der Verbreitung von Asterisk. "Wir mĂŒssen ja auch im Telekom-Markt kein Monopol bekĂ€mpfen wie im Fall von Linux auf dem Desktop", begrĂŒndete er seinen rosigen Blick in die Zukunft. Ernsthafte Hindernisse durch Patentstreitigkeiten erwartet er nicht: Einzelne Klageversuche [6] gegen Asterisk-Nutzer durch die E-Fax-Firma j2 Global Communications [7] bezeichnete er als lĂ€cherlich. Es gebe ausreichend Nachweise dafĂŒr, dass die entsprechenden Verfahren der Weiterleitung eines Fax an einen E-Mail-Server schon deutlich Ă€lter seien als die beanspruchte "Erfindung" von j2. Gegen Digium selbst habe es zudem noch keine Klagen oder Drohbriefe gegeben. (Stefan Krempl) / (ad [8])


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https://www.heise.de/-106654

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.asterisk.org
[2] http://www.digium.com
[3] http://www.fosdem.org
[4] https://www.heise.de/news/Telefonanlagen-Software-Asterisk-1-2-freigegeben-149820.html
[5] https://www.heise.de/news/Asterisk-e-V-propagiert-offenes-Protokoll-fuer-Telefonanlagen-148107.html
[6] https://www.heise.de/news/E-Fax-Firma-verklagt-Konkurrenten-wegen-Patentverletzungen-durch-Asterisk-122310.html
[7] http://www.j2global.com
[8] mailto:ad@ct.de