ReactOS 0.4.15: Windows-XP-Alternative mit vielen Korrekturen
ReactOS ist in Version 0.4.15 erschienen. Das als Alternative zu Windows XP entwickelte Betriebssystem bringt viele Korrekturen mit.

ReactOS 0.4.15 liefert eine an Windows XP angelehnte Optik.
(Bild: Screenshot / dmk)
Das ReactOS-Projekt hat Version 0.4.15 der Windows-XP-Alternative offiziell veröffentlicht. Diverse Fehlerkorrekturen und Verbesserungen sind darin eingezogen, erklären die Entwickler.
In der Versionsankündigung erklären die ReactOS-Maintainer, dass die neue Version "Plug-and-Play-Fixes, Audio-Korrekturen, Speicherverwaltungskorrekturen, Registry-Heilung, Verbesserungen im Zubehör und den Systemtools einschließlich Notepad, Paint, RAPPS (ein kleines ReactOS-Tool zum Herunterladen, Installieren und Aktualisieren einiger Apps), dem Eingabemethodeneditor und Shell-Verbesserungen" enthalte. Es handelt sich um das bislang größte Release, erklären die Entwickler weiter, und enthalte mehr als achtmal mehr Commits (Code-Änderungen) als die Version 0.4.14 – die im Jahr 2020, also vor mehr als vier Jahren, als eigener Branch veröffentlicht wurde.
ReactOS: Diverse Verbesserungen
Etwa durch Änderungen am Plug-and-Play-Manager im ReactOS-Kernel funktionieren nun mehr Treiber von Drittherstellern. Außerdem klappt jetzt das Booten von USB-Geräten, und das auf Geräten mit EHCI-, OHCI und UHCI-USB-Controllern. Einen Bug konnten die Entwickler ausbügeln, der USB-Treiber in eine Endlosschleife schicken konnte, sofern ein USB-Gerät nicht den "Ready"-Status erreicht hat.
Mit ReactOS 0.4.15 gibt es zudem was auf die Ohren. Es unterstützt mehr Audioformate, Loop-Playback von Wave-Dateien, höhere Sample-Raten und mehr Ausgabekanäle. Der AC'97-Treiber aus dem Windows Driver Kit (WDK) wurde in ReactOS importiert, was Tonausgabe etwa in Virtualbox mit eingestelltem ICH AC'97-Audio-Controller sowie auf alten Mainboards aus 2004 und früher ermöglicht.
Einen lange bestehenden Fehler haben die Entwickler im Memory Manager und Cache Controller korrigiert. Er fĂĽhrte dazu, dass sich Apps aus Remote-Laufwerken nicht starten lieĂźen. Durch die Korrekturen klappte zudem der Import des Microsoft-FAT-Treibers aus dem WDK, der stabiler und schneller ist als der zuvor genutzte Treiber. Ganz nebenbei lassen sich externe Laufwerke mit FAT-Dateisystem durch den neuen Treiber nun sauber auswerfen.
Der Umgang mit der Windows-Registry ist robuster geworden. Bislang fehlende grundlegende Mechanismen wie Registry-Healing, -Flushing und -Caching haben Programmierer jetzt beigesteuert. Das soll zu stabileren Systemen führen, insbesondere nach unerwarteten Stromaussetzern oder Abstürzen. Healing korrigiert eine defekte Registry, Flushing schreibt regelmäßig Änderungen an der Registry aufs Laufwerk. Caching beschleunigt die Registry-Zugriffe hingegen.
Kein Vollzugriff fĂĽr alle mehr
Das Security-Subsystem (Se) des Kernels erlaubt nicht mehr jedem Zugriff auf alle System-Objekte, sondern nimmt ZugriffsprĂĽfungen vor und unterbindet nicht autorisierten Zugriff. "Im Ergebnis funktioniert der Windows-Kernel mit der groĂźen Mehrheit der Module von ReactOS", schreiben die Entwickler dazu.
Systemzubehör wie Paint oder Eingabemethodeneditor (IME) haben unter anderem Performanceverbesserungen und einige neue Funktionen erfahren. Die ReactOS-Shell unterstützt große Taskbar-Icons und kann nativ mit ZIP-Dateien umgehen. Kleinere Korrekturen führen zur korrekten Anzeige von Icons etwa in Microsoft Office 2000 oder Visual Basic 6. Auf dem Desktop findet sich standardmäßig ein Internet-Browser-Icon, allerdings noch ohne hinterlegten Webbrowser.
Die Entwickler geben auch einen Ausblick auf die weitere Entwicklung. Vor rund sechs Monaten wurde der 0.4.15-Branch gestartet. Der Master-Entwicklerzweig hat seitdem bereits neue Funktionen fĂĽr den UEFI-Support, symmetrisches Multiprocessing (SMP), einen neuen grafischen Installer, einen neuen NTFS-Treiber, Power-Management und neueren App-Support erhalten. Es geht also mit mehr Tempo weiter in der ReactOS-Entwicklung.
ReactOS 0.4.15 lässt sich auf der Projektseite herunterladen. Etwa das ZIP des derzeitigen Live-Images löst jedoch Fehlalarme einiger Virenscanner aus, ebenso das entpackte ISO. Die Antivirenhersteller dürften ihre Signaturen in Kürze korrigieren. Ein offizielles ausführliches Changelog steht noch aus, es gibt jedoch ein Community-Changelog mit detaillierten, kleinteiligen Änderungen.
Vor rund anderthalb Jahren hatten sich die ReactOS-Entwickler mit einem Zwischenstand gemeldet. Im November 2023 haben sie einige Entwicklungsfortschritte dokumentiert – etwa die UEFI-Unterstützung oder bei DirectX.
Siehe auch:
- ReactOS bei heise Download
(dmk)