Reduced to the Max: Pebble-Ring fĂŒr Sprachnotizen hat nur einen Knopf
In kÀlteren Gefilden machen Handschuhe dem Pebble Index 01 den Garaus.
(Bild: Core Devices)
Ein Mikrofon am Zeigefinger springt nur an, wenn der Daumen den Knopf drĂŒckt. Der Pebble Index 01 dient zunĂ€chst fĂŒr Sprachnotizen und Musiksteuerung.
Pebble [1]-GrĂŒnder Eric Migicovsky hat eine neue Kategorie tragbarer GerĂ€te ersonnen: Ein am Zeigefinger getragener Ring, der in erster Linie der Aufnahme kurzer Sprachnotizen dient. Der Kanadier legt dabei Wert auf den Schutz der PrivatsphĂ€re. âDas ist nicht eines dieser AI Friend Dinger, die immer aufnehmenâ, betont Migicovsky. Kernidee sind Notizen von wenigen Sekunden LĂ€nge, insbesondere um einen flĂŒchtigen Gedanken zu haschen, doch wer möchte, soll auch den KI-Assistenten seiner Wahl steuern können.
Der Ring namens Pebble Index 01 [2] besteht aus Stahl und ist auf das Maximum reduziert: Er hat nur einen einzigen Knopf, weder Lautsprecher noch Vibrator, und benötigt auch keine Internetverbindung. Der Knopf wird mit dem Daumen gedrĂŒckt und aktiviert das Mikrofon, solange der Knopf gedrĂŒckt gehalten wird. In der Regel ist der Ring mittels Bluetooth mit einem Handy verbunden und transferiert die Tonaufnahme dorthin.
(Bild:Â Core Devices)
Auf dem Handy ĂŒbernimmt die Pebble-App. Ein lokal laufendes Large Language Model (LLM) versucht, die aufgenommene Sprache in Text umzusetzen, was explizit offline erfolgt. Auch das Smartphone benötigt keine Internetverbindung. Wer eine Pebble-Smartwatch hat, kann den erkannten Text auch dort einsehen. Die Tonaufnahme selbst bleibt am Handy erhalten und kann dort abgespielt werden.
Ist das Smartphone gerade nicht in Reichweite, speichert der Ring die Aufnahme zwischen (bis zu fĂŒnf Minuten Ton), bis die Verbindung mit dem Handy wieder steht. Nicht nur die App, sondern auch das LLM sind Open Source. Laufende GebĂŒhren fallen nicht an. Optional wird es Online-Backup sowie RĂŒckgriff auf ein cloudbasiertes LLM mit âgeringfĂŒgigâ besserer Spracherkennungsquote geben, was nicht gebĂŒhrenfrei sein wird.
Kein LadegerÀt
Der Strom fĂŒr den Ring kommt aus einer eingebauten Silveroxid-Zink-Batterie. Damit soll der Pebble Index 01 "bis zu jahrelang" laufen. Laut den Angaben können zwei Jahre lang tĂ€glich zehn bis zwanzig Aufnahmen von drei bis sechs Sekunden LĂ€nge gemacht werden. Ist die Batterie leer, muss der Ring ersetzt werden, denn eine Ladebuchse gibt es bewusst nicht. "Sie wĂŒrden das LadegerĂ€t wahrscheinlich verlieren, bevor es Zeit fĂŒr eine Wiederaufladung wĂ€re", meint Migicovsky, der ein Recyclingprogramm in Aussicht stellt.
Vor allem aber hĂ€tten Ladebuchse und -elektronik das GerĂ€t klobig gemacht. So ist es 2,95 Millimeter dickt und 6,6 Millimeter breit. Es wird in acht RinggröĂen und drei Farben angeboten. Bei mittlerer RinggröĂe betrĂ€gt das Gewicht 4,7 Gramm. Wasserfest ist der Pebble Index 01 bis einen Meter, also HĂ€ndewaschen und Duschen sind drin, TauchgĂ€nge nicht.
Auslieferung ab MĂ€rz
Vorbestellungen sind ab sofort zum Preis von 75 US-Dollar möglich, die Auslieferung soll ab MĂ€rz von Asien aus erfolgen. Die Angabe der RinggröĂe ist bei der Vorbestellung noch nicht notwendig; wer möchte, kann sich Mockups mittels 3D-Drucker selbst herstellen, um die passende GröĂe zu bestimmen. Die Herstellerfirma Core Devices setzt den spĂ€teren Listenpreis mit 99 US-Dollar fest und verspricht 30 Tage Garantie.
Weitere Funktionen sind bereits in Vorbereitung, aber deren Umsetzung ist nicht garantiert. Mittels Knopfdruck oder doppeltem Knopfdruck sollen beliebig definierbare Funktionen via Bluetooth ausgelöst werden können, beispielsweise Fotoaufnahmen, TĂŒren aufsperren, Licht abdrehen, Videos auslösen oder den KI-Assistenten des geringsten Misstrauens ansprechen. Womöglich werden Nutzer mittels Model Context Protocol (MCP) auch selbst einen Kontext fĂŒr das Spracherkennungs-LLM definieren können. Das kann unter anderem die Erkennungsrate fĂŒr Fachsprachen verbessern.
Die frĂŒhere Firma Migicovskys, die Pebble Technology Corporation, hat von 2013 bis 2016 mehr als zwei Millionen Smartwatches mit ePaper-Bildschirmchen verkauft, schlitterte Ende 2016 aber in die ZahlungsunfĂ€higkeit. Mitbewerber Fitbit kaufte ImmaterialgĂŒterrechte aus Pebbles Konkursmasse [3], wurde aber spĂ€ter selbst von Google geschluckt. Der Konzern hat das Betriebssystem PebbleOS als Open Source veröffentlicht, weshalb Migicovsky neue Firma Core Devices wieder Pebble-GerĂ€te verkaufen kann. Seit Juli liefert sie zwei neue Pebble-Smartwatches [4] aus.
(ds [6])
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[2] https://repebble.com/blog/meet-pebble-index-01-external-memory-for-your-brain#design
[3] https://www.heise.de/news/Fitbit-filetiert-Startup-Pebble-Keine-neuen-Pebble-Smartwatches-mehr-3564927.html
[4] https://www.heise.de/news/Zwei-neue-Pebble-Smartwatches-koennen-bestellt-werden-10320445.html
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