Rundum glücklich?
Dank DVD-Laufwerk wird der PC zur Kinomaschine, und damit der Filmton standesgemäß im digitalen 5.1-Surround-Sound erklingen kann, benötigt man eine entsprechend ausgestattete Soundkarte. Auch die immer realitätsnäheren Bilder aktueller 3D-Shooter und anderer Actionspiele verlangen nach einer räumlichen Geräuschuntermalung - dafür reichen zwei Lautsprecher schon lange nicht mehr.
- Kai Schwirzke
- Christoph Laue
Die wesentlichen Neuerungen von Soundkarten, auf die es Spieler und DVD-Videogenießer heute gleichermaßen abgesehen haben, betreffen den ‘Raumklang’. Für DVD-Video sollte es schon Dolby Surround 5.1 sein, und bei Spielen steht EAX 2.0 derzeit am höchsten im Kurs.
Auf der sicheren Seite für den Mehrkanalton beim Videogenuss liegt man mit Karten, die einen Digitalausgang bieten. Diese Schnittstellen folgen in der Regel dem SPDIF-Standard, wie er einst von Sony und Philips definiert wurde (S/P-DIF, so die umständliche Abkürzung in der Urform, heißt nichts anderes als Sony/Philips Digital Interchange Format) und in unzähligen Consumer-HiFi-Geräten zu finden ist. Da die digitale Bearbeitung von Audiomaterial inzwischen nicht mehr allein den Studioprofis vorbehalten ist, kann man die Tendenz, selbst günstigste Karten entsprechend auszurüsten, nur begrüßen. Allerdings unterliegen vor allem preiswertere Modelle in der Regel einer ärgerlichen Einschränkung: Die Sample-Frequenz ist starr auf 48 kHz eingestellt. Überspielungen mit 44,1 kHz, etwa auf einen externen CD-Recorder, sind somit nicht möglich, es sei denn, der externe Recorder besitzt einen eingebauten Sample-Raten-Konverter.
Wenn es um 3D-Sound beim Spielen geht, ist hingegen nicht der Digitalausgang gefragt, sondern es müssen (mindestens) zwei analoge Stereoausgänge sein: Dies gestattet den Anschluss von vier (aktiven) Lautsprechern, wie sie viele 3D-Sound-Spezifikationen (siehe Kasten ‘Format-Gewirr’) verlangen. Wer großen Wert auf perfekten Sound beim Spielen legt, sollte bereits vor dem Kauf darauf achten, ob treiberseitig alle wesentlichen Standards bedacht sind. Das von Creative Labs entwickelte EAX genießt derzeit die umfassendste Unterstützung durch die Spielehersteller.
Anspruchsvoller als die klangliche Untermalung von Spielen ist die Wiedergabe digitalen 3D-Sounds von DVD. Die Tonspuren einer Video-DVD liegen nämlich nicht in Form von Audiodateien vor, sondern sind als AC-3- oder - bisher noch selten - DTS-Stream in die Filmdaten integriert. Dieser Datenstrom nimmt seinen Weg von der DVD über den SCSI- oder IDE-Bus und wird per Software in seine Audio- und Videobestandteile zerlegt (Demultiplexing). Erst dann stehen die AC-3-Daten als isolierte Sounddaten zur Verfügung. In diesem Zusammenhang schafft der auf einigen DVD-ROM-Laufwerken anzutreffende SPDIF-Ausgang regelmäßig Verwirrung, denn an ihm kann man eben - aus den genannten Gründen - nicht den AC-3-Datenstrom abgreifen. Nur wenn man eine schlichte Audio-CD ins DVD-Laufwerk legt und abspielt, kommt hier ein Signal, und zwar der klassische PCM-Stereo-Strom in 44,1 kHz Sample-Rate.
Teilnahmebedingung für unseren Test war, dass alle vorgestellten Soundkarten den von vielen DVDs bereitgestellten AC-3-Stream über den Digitalausgang an einen externen Decoder weiterleiten können; man muss dann lediglich dem Software-DVD-Player mitteilen, dass die Soundausgabe über den SPDIF-Ausgang erfolgen soll. Dazu müssen die Treiber der Karte dem System allerdings einen SPDIF-Ausgang melden - was bei beliebigen Modellen aber nicht unbedingt funktionieren muss. Die für den professionellen Musikerbereich konzipierte RME Project Hammerfall besitzt beispielsweise Digitalschnittstellen, die aber die gängigen Software-DVD-Player nicht erkennen, sodass sich die Daten nicht übertragen lassen - obwohl sich die Hammerfall im ‘Non Audio’-Modus befindet. Die Bereitstellung eines solchen Modus ist eine weitere Bedingung für das ‘Durchreichen’ des AC-3-Streams, der keinerlei Ähnlichkeit mit dem Stereo-PCM-Stream hat und auch keine explizite Samplerate kennt.
Variante zwei des Rundum-Kinotons: Software-DVD-Player oder Soundkarten-Software (zum Beispiel bei den Soundblaster-Live!-5.1-Modellen) dekodieren den AC-3-Stream und geben ihn analog über die Einzelausgänge der Soundkarte aus. In diesem Fall benötigt man keinen externen AC-3-Decoder mehr, sondern lediglich ein 5.1-Lautsprechersystem und entsprechend viele Verstärkerkanäle. Diese Variante bleibt den Karten vorbehalten, die tatsächlich sechs analoge Audiokanäle wiedergeben, etwa die Soundblaster Live! 5.1 oder die VideoLogic Sonic Fury.
Etwas einfacher geht es, wenn man auf Dolby-Digital-Sound verzichten kann und lediglich Filme mit Dolby-Surround-Prologic-Ton wiedergeben möchte. Dieses Vierkanal-Format ist stereokompatibel und kann daher einfach über nur einen regulären Stereo-Line-Out der Soundkarte ausgegeben werden. Allerdings ist auch dann ein externer Dolby-Surround-Decoder erforderlich. Alternativ übernimmt der Software-DVD-Player das Dekodieren, dann braucht er aber vier separate Kanäle, also ein Front- und Rear-Out auf der Karte. Zu bedenken ist allerdings, dass es sich bei den vier Dolby-Surround-Kanälen nicht um ‘vorne links/rechts’ und ‘hinten links/rechts’ handelt, sondern um vorne links/rechts, Center und Surround - sprich, die hinteren Surround-Boxen erhalten monophon das identische Signal.
Hürdenlauf
Um die Audioqualität zu ermitteln, unterzogen wir die Soundkarten verschiedenen Messungen in unserem Testlabor. Ihre Installationseigenschaften und Kompatibilität mussten die Probanden in drei verschiedenen Computersystemen mit Athlon- und Intel-Prozessoren beweisen. Dazu installierten wir jede Karte in einem Asus-A7V-Board mit VIA-KT133-Chipsatz und 800-MHz-Athlon-Prozessor sowie in einem Asus CUSL2 mit Intel-i815E-Chipsatz und 733-MHz-Pentium-III-CPU jeweils unter Windows 98 SE und 2000. Geprüft wurde ferner, ob und in welchem Umfang sich die Karten unter Linux nutzen lassen. Im Praxistest haben wir schließlich nicht nur alle Karten einem Hörtest unterzogen, sondern auch mit verschiedenen Recording-Programmen den Routing-Möglichkeiten und der allgemeinen Handhabung auf den Zahn gefühlt. Außerdem untersuchten wir den Digitalausgang mit Hilfe eines externen RME DAM-1 (Digital Audio Monitor). Schließlich sollten alle Modelle ihre Heimkino-Tauglichkeit zeigen. Dazu bemühten wir die Software-DVD-Player WinDVD 2.3 und PowerDVD 3.0 und ein Surround-System mit eingebautem Dolby-Digital-5.1-Decoder. (chl)