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SCO vs. Linux: Koexistenz statt Emotionen

Cebit Detlef Borchers

Der Vorsitzende der dmmv-Fachgruppe Softwareindustrie Gregory Blepp plĂ€diert fĂŒr Diskussionen um Open Source ohne Emotionen.

Auf der Pressekonferenz der Fachgruppe Softwareindustrie im Deutschen Multimedia Verband (dmmv [1]) plĂ€dierte Gregory Blepp als neuer Vorsitzender fĂŒr Diskussionen um Open Source ohne Emotionen. Der VizeprĂ€sident SCOsources innerhalb der SCO Group referierte ĂŒber den Zustand der deutschen Softwareindustrie, die die Debatte genau verfolgt: "Die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit des dmmv/VSI ist direkt oder indirekt von der Diskussion betroffen. Wichtig ist die Diskussion, wie es die Open Source Gemeinde schafft, auch kleine und mittlere Unternehmen zu integrieren", erklĂ€rte Blepp, der im Verband die Interessen aller Marktteilnehmer ohne Diffamierungen wahrnehmen will. "Beide GeschĂ€ftsmodelle werden in Zukunft eine Koexistenz haben", resĂŒmierte Blepp die Position des dmmv/VSI.

Etwa 25 Prozent der eintausend Mitgliedsfirmen im dmmv rechnen sich der Fachgruppe Softwareindustrie zu, wobei die aktuellen Zahlen etwas unklar sind. Die Mitglieder des momentan in Auflösung befindlichen Verbandes der Softwareindustrie (VSI [2]) können derzeit kostenlos in den dmmv wechseln, ein Prozess, der nach Angaben vom dmmv-Sprecher Christoph Salzig noch nicht abgeschlossen ist.

In der aktuellen Befragung zum Zustand der Branche durfte jedes Mitglied mit einer Stimme das Betriebssystem angeben, das die Firma dominiert. 85 Prozent sind demnach im Bereich der Microsoft-Betriebssysteme tĂ€tig, acht Prozent haben Unix und fĂŒnf Prozent Linux im Visier, wĂ€hrend das Mac-Betriebssystem als Unix-Derivat mit zwei Prozent separat aufgefĂŒhrt wurde. Insgesamt konnten die befragten Firmen auf ein durchwachsenes 2003 zurĂŒckblicken, berichtete Blepp: 43 Prozent der Mitglieder verbuchten ein Wachstum (von durchschnittlich 15 Prozent), wĂ€hrend bei 46 Prozent das GeschĂ€ft rĂŒcklĂ€ufig war. FĂŒr 2004 wird hingegen eine Besserung erwartet [3]. Als Topthemen fĂŒr das angelaufene Jahr bezeichnete Blepp die Debatte um GeschĂ€ftsmodelle wie Open Source und die Auseinandersetzung um das Patentrecht.

Thomas Klimmer von der Firma Afontis IT & Services beklagte die verzerrte Wahrnehmung des Mittelstandes innerhalb der deutschen Softwareindustrie. WĂ€hrend der Definition nach Firmen mit 500 Mitarbeitern zum Mittelstand gehören, sei dies in der Softwarebranche anders. Die vom dmmv ins Leben gerufene Aktion "Pro Mittelstand 2004" soll sich dafĂŒr stark machen, dass Firmen mit 5 bis 249 Mitarbeiter zum Mittelstand gezĂ€hlt werden. Hans-Peter Bauer von Symantec stellte schließlich den neuen Vulnerability Report seiner Firma vor und zeichnete eine dĂŒstere Lage mit stĂ€ndig wachsenden Bedrohungen durch Viren, WĂŒrmer und DDOS-Attacken. Mit den Settop-Boxen und den 220.000 DSL-Neukunden pro Jahr in Deutschland sei in Zukunft der Privatanwender besonders betroffen. Auch die Open-Source-Gemeinde mĂŒsse sich bei zunehmender Beliebtheit und grĂ¶ĂŸerer Verbreitung von Betriebssystemen wie Linux auf Attacken gefasst machen. Der offene Code und "keine klaren Verantwortlichkeiten" mache es dabei den Angreifern besonders einfach, so Bauer.

Zu den Entwicklungen im Streit zwischen SCO, IBM und der Open-Source-Gemeinde siehe den Artikel auf c't aktuell (mit chronologischer Linkliste zu BeitrÀgen auf heise online und aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (anw [5])


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https://www.heise.de/-95499

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.dmmv.de
[2] http://www.vsi.de/
[3] https://www.heise.de/news/Softwarefirmen-erwarten-2004-Umsatzsteigerung-95463.html
[4] http://www.heise.de/ct/aktuell/meldung/44492
[5] mailto:anw@heise.de