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Spanien verankert Websperren im Kampf gegen illegale Downloads

Stefan Krempl

Die neue spanische Regierung hat die noch fehlende Verordnung zur Umsetzung des umstrittenen "Sinde"-Gesetzes verabschiedet, das eine Blockade von "Piraterie-Seiten" vorsieht. Die Bestimmungen sollen Anfang MĂ€rz in Kraft treten.

Die neue, von der konservativen Volkspartei gestellte spanische Regierung will möglichst bald das umstrittene und bislang auf Eis liegende "Sinde"-Gesetz [1] umsetzen. Eine der ersten Amtshandlungen von MinisterprĂ€sident Mariano Rajoy war die AnkĂŒndigung der dafĂŒr notwendigen "Königliche Verordnung [2]" (PDF-Datei). Damit können die von dem Normenwerk vorgesehenen Sperren von Webseiten, die illegale Downloads urheberrechtlich geschĂŒtzter Werke verhindern sollen, laut einem Bericht [3] der Zeitung El Pais Anfang MĂ€rz in Kraft treten.

Im Wesentlichen orientiert sich das Dekret an den PlĂ€nen der sozialistischen VorgĂ€ngerregierung. Demnach soll in einem zweistufigen Verfahren ĂŒber die Blockade von Angeboten, die Copyright-VerstĂ¶ĂŸe begĂŒnstigen, entschieden werden. Beschwerden betroffener KĂŒnstler oder Unternehmen wird eine neu einzurichtende Kommission fĂŒr den Schutz der Rechte an immateriellen GĂŒtern im Kulturministerium entgegennehmen und prĂŒfen. Die Institution soll dann die Schließung beziehungsweise Sperrung einer einschlĂ€gigen Seite bei einem Gericht beantragen.

Die angerufenen Richter sind gehalten, im Schnellverfahren binnen weniger Stunden ĂŒber die Eingaben zu entscheiden, fĂŒhrt das Blatt El Mundo aus [4]. Die EmpfĂ€nger entsprechender Gerichtsanordnungen – in aller Regel Zugangs- oder Hostprovider – mĂŒssen die inkriminierten Inhalte innerhalb von 72 Stunden löschen oder den Zugang dazu erschweren. Über eine mögliche Berufung soll demnach ebenfalls innerhalb weniger Tage entschieden werden. Beobachter rechnen damit, dass anberaumte Blockaden so spĂ€testens nach rund einer Woche greifen dĂŒrften.

VerknĂŒpft werden soll das Verfahren mit einer allgemeinen EntschĂ€digungspauschale, die fĂŒrs private Kopieren erhoben wird. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine hierzulande debattierte Kulturflatrate [5], da VervielfĂ€ltigungen geschĂŒtzter Werke aus Tauschbörsen fĂŒr den Eigenbedarf gerade nicht freigegeben werden sollen.

Das ursprĂŒngliche Gesetz geht auf die frĂŒhere Kulturministerin Ángeles GonzĂĄlez-Sinde zurĂŒck, die vormals bereits als Lobbyistin der Filmindustrie beschĂ€ftigt war. Nach heftigen Protesten und Wikileaks-EnthĂŒllungen [6], wonach die US-Regierung immer wieder Druck zur Verabschiedung strengerer Copyright-Bestimmungen auf der iberischen Halbinsel machte, schreckte die ehemalige Regierung unter JosĂ© Luis RodrĂ­guez Zapatero vor dem Beschluss der Umsetzungsverordnung und dem Einberufen der als "Zensurbehörde" kritisierten Kommission in den eigenen Reihen zurĂŒck [7].

Mehrere spanische Gerichte vertreten allerdings die Ansicht [8], dass die Filesharing-Technik ein Transportmedium darstellt, das an sich nicht gegen das nationale Urheberrechtsgesetz verstĂ¶ĂŸt. Den auch in Berufungsverfahren bestĂ€tigten [9] Entscheidungen zufolge stellen Filesharing-Links keine Rechtsverletzung dar. Zuletzt sprach ein Madrider Richter den Entwickler des auch als MP2P bekannten Filesharing-Protokolls Manolito von VorwĂŒrfen frei [10], Nutzer zu Copyright-Verletzungen angeleitet zu haben.

Die Umsetzung des Sinde-Gesetzes dĂŒrfte daher zunĂ€chst ebenfalls die spanische Justiz beschĂ€ftigen. Derzeit kursieren in einem Wiki erste Boykottaufrufe [11] gegen ĂŒber 50 spanische Film- und Musikschaffende sowie Buchautoren, die einem hĂ€rteren Vorgehen gegen die "Internet-Piraterie" bislang ihre UnterstĂŒtzung zusicherten. (hob [12])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1402998

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Spanien-will-Internetquellen-fuer-illegale-Downloads-sperren-900079.html
[2] http://www.elpais.com/elpaismedia/ultimahora/media/201201/02/cultura/20%20120102elpepucul_1_Pes_PDF.pdf
[3] http://www.elpais.com/articulo/cultura/ley/Sinde/aprobada/PP/entrara/vig%20or/marzo/elpepucul/20120102elpepucul_3/Tes
[4] http://www.elmundo.es/elmundo/2011/12/30/navegante/1325253506.html?cid=G NEW970103
[5] https://www.heise.de/news/Medienforscher-plaediert-fuer-Praxistest-der-Kulturflatrate-1360369.html
[6] http://www.heise.de/tp/blogs/8/148862
[7] http://www.heise.de/tp/artikel/33/33916/1.html
[8] https://www.heise.de/news/Spanisches-Gericht-weist-Klage-gegen-Filesharing-Links-ab-956374.html
[9] https://www.heise.de/news/Spanisches-Berufungsgericht-sieht-in-Filesharing-Links-keine-Urheberrechtsverletzung-1319964.html
[10] https://www.heise.de/news/Spanischer-P2P-Entwickler-freigesprochen-1400256.html
[11] http://wiki.nolesvotes.org/wiki/Boicot
[12] mailto:hob@ct.de