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Studie untersucht Auswirkung von Gewaltspielen auf das Gehirn

Die emotionale Reaktionen von jungen MÀnnern, die seit mindestens zwei Jahren mehr als vier Stunden tÀglich "Ego-Shooter" spielen, sollen mit Reaktionen einer Kontrollgruppe verglichen werden.

Machen "Killerspiele" am PC auch in der realen Welt gewalttĂ€tig? Sind exzessive Spieler gar potenzielle AmoklĂ€ufer? Eine Pilotstudie zu den Auswirkungen so genannter "Ego-Shooter" auf das Gehirn [1] könnte einen Beitrag zur politischen Debatte ĂŒber ein mögliches Verbot von Gewalt-Spielen leisten. "Bisher konnte der Zusammenhang zwischen virtueller Gewalt und dem Entstehen von realer Gewalt wissenschaftlich nicht eindeutig nachgewiesen, aber auch nicht widerlegt werden", sagte der Psychiater Bert te Wildt [2], Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Unter seiner Leitung startete jetzt eine Studie, bei der emotionale Reaktionen von jungen MĂ€nnern, die seit mindestens zwei Jahren mehr als vier Stunden tĂ€glich "Ego-Shooter" spielen, mit Reaktionen einer Kontrollgruppe verglichen werden. ZunĂ€chst fĂŒllten die Teilnehmer psychologische Fragebögen aus. Nun werden ihnen Bilder und Filme prĂ€sentiert, die indirekt mit AggressivitĂ€t zu tun haben, wĂ€hrend sie im Kernspin-Tomographen liegen. Dabei wird ihre HirnaktivitĂ€t in den Bereichen gemessen, die bestimmte emotionale Reaktionen verarbeiten.

Die leidenschaftlichen Computerspieler seien erstaunlich aufgeschlossen fĂŒr die Untersuchung, sagte te Wildt. Viele fĂŒhlen sich von den BefĂŒrwortern eines generellen Verbots der Spiele als potenzielle AmoklĂ€ufer verunglimpft. Sie gehen nicht davon aus, dass ihr Hobby sie in der realen Welt aggressiv oder gar gewalttĂ€tig machen könnte.

Neben der Gruppe der 18- bis 30-JĂ€hrigen soll auch eine Gruppe von 16 bis 18 Jahre alten Jugendlichen untersucht werden, fĂŒr die noch exzessive Spieler gesucht werden. "Das Gehirn von Kindern und Jugendlichen ist in seiner Formbarkeit Ă€ußerst anfĂ€llig fĂŒr wiederholte negative Reize", sagte te Wildt. Aufgrund der aktuellen Forschungslage spreche einiges dafĂŒr, dass brutale Computerspiele die Persönlichkeitsentwicklung von Heranwachsenden nachhaltig beeinflussen könne, besonders, wenn frĂŒh damit begonnen werde. "Bestimmte VerknĂŒpfungen von Nervenfasern im Gehirn sind dann kaum noch rĂŒckgĂ€ngig zu machen."

Allein Computerspiele machten jedoch niemanden zum AmoklĂ€ufer, betonte der Forscher: "Wie bei psychischen Erkrankungen kommen fĂŒr eine solche extreme Fehlentwicklung mehrere Faktoren zusammen. Ohnehin ist davon auszugehen, dass alle jugendlichen AmoklĂ€ufer psychisch krank sind, ebenso depressiv wie aggressiv."

Siehe dazu auch den Online-Artikel in c't-Hintergrund zur bisherigen Berichterstattung ĂŒber die Diskussion um das Jugendmedienschutzrecht, Gewaltspiele, Verbotsforderungen und BeschrĂ€nkungen fĂŒr Jugendliche bei Spielen:

(dpa)/ (axv [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-207146

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.mh-hannover.de/medialegewalt.html
[2] http://www.mh-hannover.de/tewildt.html
[3] http://www.heise.de/ct/hintergrund/meldung/89731
[4] mailto:axv@ct.de