T-Online in der Warteschleife
Die TelekommunikationsmÀrkte befinden sich im Umbruch: Nicht mehr die Ausgliederung der Konzerntöchter ist gefragt, sondern ihre Reintegration. Die Telekom aber konnte die Dringlichkeit der Wiedereingliederung von T-Online nicht hinreichend belegen.
Telekom [1]-Chef Kai-Uwe Ricke muss sich in Geduld ĂŒben. Eigentlich hatte der Vorstandsvorsitzende des Telekommunikationskonzerns auf einen anderen Beschluss gehofft. Aber es kam, wie es sich bereits vor einigen Wochen abzeichnete: Das DarmstĂ€dter Landgericht sieht keinen Grund zur Eile [2] und wies den Antrag der Telekom auf eine schnelle Wiedereingliederung der T-Online International AG in den Mutterkonzern zurĂŒck. Damit hĂ€ngt die Tochterfirma, die im April 2000 mit groĂem Werberummel an die Börse gegangen war, weiter in der Warteschleife.
Bei der Telekom gibt man sich betont schmallippig: "Wir prĂŒfen jetzt die Entscheidung des Landgerichts", sagt ein Sprecher von T-Online. Dabei habe das Unternehmen die Möglichkeit, Rechtsmittel einzulegen. Zu weiteren Konsequenzen wollte sich die Telekom nicht Ă€uĂern. Dass sich der Bonner Konzern aber nicht so ohne weiteres mit der Entscheidung zufrieden geben wird, ist fĂŒr den Sprecher der Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW [3]), JĂŒrgen Kurz, so sicher wie das Amen in der Kirche. Denn eine endgĂŒltige Entscheidung im Hauptsacheverfahren kann sich nach seiner EinschĂ€tzung ĂŒber Jahre hinziehen bis zum Bundesgerichtshof. "Die Fusion ist in weite Ferne gerĂŒckt", meint der DSW-Sprecher und zeigt sich zufrieden mit der Nachricht aus Darmstadt. Denn mit ihr haben sich die Chancen der klagenden T-Online-AktionĂ€re verbessert. Kurz: "Jetzt gibt es keine normative Kraft des Faktischen durch einen Handelsregistereintrag".
Die DSW hĂ€lt wie zahlreiche andere KleinaktionĂ€re den Beschluss zur Verschmelzung fĂŒr nicht rechtens und hat Anfechtungsklage eingereicht. "T-Online braucht keine Verschmelzung mit der Telekom, um erfolgreich zu arbeiten", meint DSW-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ulrich Hocker. In dem Verschmelzungsvertrag werde nicht erlĂ€utert, warum T-Online im Alleingang schlechter da stehe als unter dem Dach der Telekom.
Ob Ricke will oder nicht â die Tochterfirma T-Online wird zunĂ€chst eine selbststĂ€ndig handelnde Aktiengesellschaft bleiben. Das passt so gar nicht in die strategischen PlĂ€ne des Unternehmens. Der Griff in die T-Online-Kasse, in der 4 Milliarden Euro stecken, ist der Telekom weiter verweigert. Dabei hatte fĂŒr das Vorstandsteam um Ricke alles so viel versprechend begonnen: Am 9. Oktober 2004 segnete der Aufsichtsrat den Vorstandsbeschluss zur Wiedereingliederung von T-Online ab. "Nur der Weg der Fusion ermöglicht fĂŒr T-Online und damit auch fĂŒr die Deutsche Telekom die nachhaltige ErschlieĂung des breitbandigen Massenmarktes", begrĂŒndete Ricke den Strategiewechsel. Nicht mehr die Ausgliederung der Konzerntöchter ist gefragt, sondern ihre Reintegration. So hatten es die groĂen der Branche wie France Telecom, Telefonica oder Telecom Italia bereits vorexerziert.
TatsĂ€chlich befinden sich die Telekom-MĂ€rkte national und international im Umbruch. Es geht um Konvergenz â das Zusammenwachsen von Festnetz, Mobilfunk, Internet. Das so genannte Triple Play [4] soll es richten (Telefonie, Daten, TV ĂŒber einen Anschluss, von einem Anbieter) und den Unternehmen zusĂ€tzliche GeschĂ€fte erschlieĂen. T-Online ist ein Baustein dazu. Doch vorerst hat ein Gericht die PlĂ€ne durchkreuzt. Wenn in den kommenden Wochen nicht noch ein Wunder geschieht, wird Ricke 2006 noch einmal als Vorsitzender des Aufsichtsrates von T-Online agieren mĂŒssen. Denn im Verschmelzungsvertrag steht geschrieben: Wird die bereits beschlossene Fusion nicht bis zum 31. Januar 2006 ins Handelsregister eingetragen, muss fĂŒr das abgelaufene GeschĂ€ftsjahr eine neue Schlussbilanz erstellt werden. Die Fusion verschiebt sich um ein Jahr. FĂŒr weitere Verzögerungen gelten die gleichen Fristen. (Peter Lessmann, dpa) / (jk [5])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-152849
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.telekom.de
[2] https://www.heise.de/news/Fusion-von-T-Online-und-Deutscher-Telekom-weiter-blockiert-2-Update-152724.html
[3] http://www.dsw-info.de/
[4] http://www.heise.de/glossar/entry/Triple-Play-397613.html
[5] mailto:jk@heise.de
Copyright © 2005 Heise Medien