US Supreme Court lÀsst WhatsApp-Klage wegen "Pegasus"-Spionagesoftware zu
(Bild: T. Schneider/Shutterstock.com)
Das israelische Unternehmen NSO Group Technologies soll WhatsApp-Server zur Installation von Spyware auf 1.400 GerÀten genutzt haben. Meta darf weiter klagen.
Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Montag eine Klage von Meta zugelassen, in der behauptet wird, dass das israelisches Unternehmen NSO Group Technologies unrechtmĂ€Ăig auf WhatsApp-Server zugegriffen hat, um Spionagesoftware auf den GerĂ€ten von Nutzern zu installieren.
Die Richter des Supreme Court wiesen die Berufung von NSO Group zurĂŒck, in der das Unternehmen argumentiert hatte, es sei immun gegen eine Klage, weil es bei der Installation der Spionagesoftware "Pegasus" als Agent fĂŒr nicht identifizierte auslĂ€ndische Regierungen gehandelt habe. Der Fall wird nun vor dem US-Bezirksgericht fĂŒr den nördlichen Bezirk von Kalifornien verhandelt.
Die Regierung von US-PrĂ€sident Joe Biden hatte die Richter aufgefordert, die Berufung von NSO abzulehnen, und darauf hingewiesen, dass das US-AuĂenministerium noch nie zuvor den Anspruch auf ImmunitĂ€t einer private Einrichtung anerkannt hat,die als Agent eines auslĂ€ndischen Staates handelt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters [1].
Meta begrĂŒĂte die Entscheidung des Gerichts. "Die Spionagesoftware von NSO hat Cyberangriffe auf Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Regierungsbeamte ermöglicht", hieĂ es in einer ErklĂ€rung. "Wir sind der festen Ăberzeugung, dass ihre Operationen gegen US-Recht verstoĂen und sie fĂŒr ihre rechtswidrigen Operationen zur Rechenschaft gezogen werden mĂŒssen."
NSO unter Anklage
In der im Oktober 2019 eingereichten Klage [2] wird NSO vorgeworfen, bei der Installation der Spionagesoftware "Pegasus" gegen verschiedene US-Gesetze verstoĂen zu haben, darunter das Bundesgesetz ĂŒber Computerbetrug und -missbrauch. Meta, die Muttergesellschaft von WhatsApp und Facebook behauptet, dass NSO Anfang 2019 unrechtmĂ€Ăig auf WhatsApp-Server zugegriffen hat und dadurch die Ăberwachung von 1.400 Personen, darunter Journalisten und Menschenrechtsaktivisten, ermöglichte.
NSO argumentierte, dass es im Auftrag nicht genannter auslĂ€ndischer Regierungen arbeitet, und dass die Pegasus-Software Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste bei der VerbrechensbekĂ€mpfung und dem Schutz der nationalen Sicherheit unterstĂŒtzt und dabei helfen soll, Terroristen, PĂ€dophile und Schwerverbrecher dingfest zu machen.
Im Jahr 2020 lehnte ein Gericht den Antrag von NSO auf eine Form der ImmunitÀt ab [3]. Kurz zuvor hatte die US-Regierung die NSO Group wegen GefÀhrdung der nationalen Sicherheit [4] auf eine Liste mit Unternehmen gesetzt, die Handelssanktionen unterliegen.
Ende 2021 verklagte auch Apple die NSO Group [5] wegen der Pegasus-Spionagesoftware. Der US-Konzern will den Spyware-Anbieter gerichtlich zwingen, seine Software von iPhones fernzuhalten. Zugleich lobt Apple Millionen fĂŒr Sicherheitsforscher aus.
Pegasus spioniert weltweit
Die israelische Spionagesoftware ist seit Jahren bei versuchten und erfolgreichen Hacks von Smartphones von Journalisten, Regierungsbeamten und Menschenrechtsaktivisten auf globaler Ebene im Einsatz. In Mexiko nutzten wÀhrend der Amtszeit von Enrique Peña Nieto (2012-2018) Regierungseinrichtungen die Malware zum AusspÀhen, wie Aktivistengruppen und Journalisten aufdeckten [6]. Und auch in der aktuellen Amtszeit des linken PrÀsidenten Andrés Manuel López Obrador sollen Aktivisten und Journalisten mit Pegasus ausgespÀt worden sein [7].
Neben Mexiko haben zahlreiche weitere LĂ€nder, wie Saudi-Arabien, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate die Pegasus-Spyware zur politischen Ăberwachung genutzt. Zuletzt war eine groĂangelegte Ăberwachungskampagne in Thailand aufgedeckt worden, bei der Pegasus eingesetzt wurde. Die Organisation Forensic Architecture dokumentiert auf einer interaktiven Plattform ĂŒber 60 FĂ€lle, in denen mit einer NSO-Spyware Aktivisten ausgespĂ€ht wurden [8] und "wie die NSO Group Staatsterror ermöglicht". Das Problem mit der Spionage durch Pegasus & Co. aber scheint noch gröĂer als bisher angenommen. Apple hat laut eigenen Angaben inzwischen Warnmeldungen an potenziell betroffene Nutzerinnern und Nutzer in 150 LĂ€ndern weltweit [9] verschickt.
Im Mai nahm der Untersuchungsausschuss des EU-Parlaments zum Einsatz von Pegasus [10] und vergleichbarer Spionagesoftware mit einer Anhörung von IT-Sicherheitsexperten seine inhaltliche Arbeit auf.
(akn [12])
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[1] https://www.reuters.com/legal/us-supreme-court-lets-metas-whatsapp-pursue-pegasus-spyware-suit-2023-01-09/
[2] https://www.heise.de/news/Facebook-verklagt-israelische-WhatsApp-Hacker-4571961.html
[3] https://www.heise.de/news/Spyware-Keine-Immunitaet-fuer-NSO-in-den-USA-WhatsApp-Klage-zulaessig-6261997.html
[4] https://www.heise.de/news/Spyware-Pegasus-USA-verhaengen-Sanktionen-gegen-NSO-Group-und-andere-6250364.html
[5] https://www.heise.de/news/Spyware-Pegasus-Apple-verklagt-NSO-Group-6275153.html
[6] https://www.heise.de/news/Mexiko-Bundestrojaner-gegen-Anwaelte-und-Korruptionsbekaempfer-3747827.html
[7] https://www.heise.de/news/Spionagesoftware-Pegasus-sorgt-in-Mexiko-erneut-fuer-Aerger-7282937.html
[8] https://www.heise.de/news/Digitale-Gewalt-Wie-die-NSO-Group-Staatsterror-ermoeglicht-6128257.html
[9] https://www.heise.de/news/Pegasus-Spyware-Apple-schickt-Warnungen-an-Menschen-in-150-Laendern-7185161.html
[10] https://www.heise.de/news/Pegasus-Ausschuss-Spyware-stiehlt-auf-Dauer-die-Identitaet-der-Opfer-7081231.html
[11] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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