Unix/Linux-Desktop GNOME 2.16 freigegeben

Die neue Version der Desktop-Umgebung bringt zahlreiche Detailverbesserungen und einige neue Programme wie tomboy, gnome-power-manager oder alacarte. Zum ersten Mal sind Anwendungen auf Basis von Mono enthalten.

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Von
  • Thorsten Leemhuis

Die Entwickler des GNOME-Projekts haben dem üblichen halbjährlichen Release-Zyklus folgend nun die Version 2.16 der Desktopumgebung für Linux und Unix-Derivate vorgestellt. Als GUI-Toolkit kommt das im Juli vorgestellte GTK+ 2.10 zum Einsatz, das unter anderem mit verbesserter Druckunterstützung sowie Detailverbesserungen am vielkritisierten "Datei öffnen"-Dialog aufwartet.

Zu den größten Neuerungen bei GNOME 2.16 zählt die Aufnahme neuer Software: So wurde Mono nach Jahren der Debatten um die Integration nun als Bestandteil des GNOME-Desktop akzeptiert. Mono ist eine freie Implementierung von Microsofts .NET-API, ihre Aufnahme ermöglicht die Integration von einiger auf Mono aufsetzender Software in GNOME. Dazu zählen die GTK#-Bindungen und das Notiz-Verwaltungsanwendung tomboy.

GNOME 2.16 mit Tomboy und Deskbar-Applet (klicken für vergrößerte Ansicht)

Zahlreiche weitere Programme sind erstmals offiziell Bestandteil von GNOME: Der gnome-power-manager soll den Einsatz von Power-Management-Features ermöglichen und mit den Anwendungen via DBUS koordinieren. Er kommt bereits bei den aktuellen Versionen der Distributionen von Fedora, Suse und Ubuntu zum Einsatz. Neu dabei ist auch der Menü-Editor alacarte; für Menschen mit eingeschränkten Sehfähigkeiten ersetzt Orca den Screenreader gnopernicus. Das Programm baobab soll helfen, einen Überblick über die Belegung von Datenträgern zu gewinnen.

Der bekannte Window-Manager Metacity arbeitet nun auf Wunsch auch als Compositing-Manager und ermöglicht zusammen mit Novells Xgl oder der von Red Hat vorangetriebenen und in Xorg 7.1 aufgenommenen Aiglx-Erweiterung ansprechende 3D-Effekte auf dem Desktop. Er tritt damit in Konkurrenz zum von Novell zusammen mit Xgl neu entwickelten Compiz. Für Version 2.18 versprechen die GNOME-Entwickler weitere 3D-Effekte für Metacity – ob diese Erwartungshaltung aufgeht, muss sich noch zeigen, denn die 3D-Erweiterungen für Metacity wurde maßgeblich von Red Hat beigesteuert. Das Unternehmen hat bei der Entwicklung von Fedora Core jedoch vor einigen Wochen durchblicken lassen, dass Compiz in Zukunft der Compositing-Manager der Wahl sein soll – in der nächsten Version der Distribution liegt Compiz daher zusätzlich zu Metacity bei. Bei letzterem sollen die 3D-Effekte wohl deaktiviert werden.

Die anderen Verbesserungen bei den existierenden Anwendungen in GNOME sind wieder zahlreich, finden sich zumeist aber erst bei genauerer Betrachtung der Desktopumgebung. Einen guten Überblick über alle Neuerungen mit zahlreichen Screenshots und Erklärungen zu den neuen Programmen bieten die ausführlichen, unter anderem in Englisch und Deutsch erhältlichen Release-Notes.

Zahlreiche in den nächsten Wochen erwartete Distributionen wie Fedora Core 6 und Ubuntu 6.10 wollen die neue Version der Desktop-Umgebung integrieren; die Programmierer der beiden Distributionen importierten das neue GNOME bereits in die aktuellen Entwicklerversionen ("development" aka "rawhide" beziehungsweise "Edgy Eft"). (thl)