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Verkehrsministerium startet Sofortprogramm zum Einhalten der Klimaziele

Florian Pillau

Mehr Lademöglichkeiten sollen den Absatz von Elektroautos ankurbeln und damit die Kohlenstoffemissionen im Verkehrssektor senken. Das ist fĂŒr ein Sofortprogramm recht langfristig gedacht, insbesondere bei der aktuellen Knappheit an E-Autos.

(Bild: Clemens Gleich)

Das Verkehrsministerium will Fortschritte bei den Klimazielen. Dazu zÀhlen der Ausbau von Ladeinfrastruktur und Radverkehr, aber auch die Förderung von E-Fuels.

Mithilfe verstĂ€rkter Anstrengungen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur fĂŒr Elektroautos und einer StĂ€rkung des Radverkehrs will Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) die Klimaziele im Bereich Verkehr erreichen. Dazu legte sein Ministerium ein Sofortprogramm gemĂ€ĂŸ § 8 Absatz 1 Bundes-Klimaschutzgesetz [1] vor. Es rechnet mit zusĂ€tzlichen Ausgaben von etwa acht Milliarden Euro.

Anlass ist das Überschreiten der vom Klimaschutzgesetz fĂŒr den Verkehrssektor vorgesehenen Grenze fĂŒr die CO₂-Jahresemission um etwa drei Millionen Tonnen im vergangenen Jahr. Dieser Betrag soll vollstĂ€ndig kompensiert werden, sagte der Minister.

Vorerst beschrĂ€nkt sich das Zusatzprogramm auf mehr Maßnahmen fĂŒr das Ladenetz [2], eine bessere Förderung elektrisch angetriebener Lkw (hier insbesondere der elektrischen Trailer) und einen zusĂ€tzlichen Ausbau des Rad- und Fußverkehrs. FĂŒr letztere sieht es einen "Mehrbedarf in Höhe von ca. 250 Mio. Euro bis 2030" vor. Änderungen an den PlĂ€nen fĂŒr eine KrĂ€ftigung des öffentlichen Personennahverkehrs hingegen sollen erst nach einer Auswertung des 9-Euro-Tickets [3] ab Ende August weiterverfolgt werden.

Ein flĂ€chendeckendes Tempolimit fĂŒr Autobahnen, wie heute einmal mehr von der Deutschen Umwelthilfe gefordert, lehnt Wissing mit Hinweis auf mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz ab.

Ein weiterer Punkt ist die Erhöhung der bestehenden Treibhausgas-Minderungsquote etwa ĂŒber strombasierte Kraftstoffe oder fortschrittliche Biokraftstoffe. Um den Anreiz zur Verwendung solcher Alternativen als Reinkraftstoff zu erhöhen, sollen solche Treibstoffe (wie bereits das Bio-Ethanol im Jahr 2010) in die 10. BImSchV (Verordnung ĂŒber die Beschaffenheit und die Auszeichnung der QualitĂ€ten von Kraft- und Brennstoffen) aufgenommen werden.

Der Koalitionspartner die GrĂŒnen forderte effektivere Maßnahmen in das Sofortprogramm zu nehmen, etwa den Abbau klimaschĂ€dlicher Subventionen, des Dienstwagenprivilegs und einen Umbau der Kfz-Steuer. Greenpeace nennt Wissings Förderzusagen "nebulös" und der Verkehrsclub Deutschland findet, "die vorgelegten Maßnahmen lediglich eine Minimal-Lösung, um die KlimalĂŒcke zu schließen, die sich im Verkehr letztes Jahr aufgetan hat. Und das soll sogar auf mehrere Jahre verteilt geschehen." Er bezieht sich damit auf das EingestĂ€ndnis von Minister Wissing, "Ein Großteil dieser Maßnahmen wird aber erst nach und nach greifen, beispielsweise aufgrund der langen Realisierungszeiten fĂŒr Infrastrukturprojekte."

(fpi [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-7178562

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/K/presse/051-wissing-sofortprogramm-zur-einhaltung-der-klimaziele-im-verkehrssektor-anlage-2.pdf?__blob=publicationFile
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Elektroautos-Ladeinfrastruktur-wird-zu-langsam-ausgebaut-7157678.html
[3] https://www.heise.de/news/Neun-Euro-Ticket-Zugreisen-haben-deutlich-zugenommen-7165210.html
[4] mailto:fpi@heise.de