Vorwurf des Jugend-Marketings: Vaping-Anbieter Juul zahlt 40 Millionen Dollar

Die E-Zigaretten-Firma Juul ändert ihr Marketing und kann einen Prozess beilegen. Über hundert US-Verfahren sind noch anhängig.

In Pocket speichern vorlesen Druckansicht 31 Kommentare lesen
E-Zigarette in offener Hand

Ein Juul-Gerät

(Bild: Mylesclark96 CC-BY-SA 4.0)

Lesezeit: 3 Min.
Von
Inhaltsverzeichnis

Der E-Zigarettenhersteller Juul zahlt 40 Millionen US-Dollar an den US-Bundesstaat North Carolina, und verpflichtet sich zu einer Reihe von Einschränkungen bei Marketing und Vertrieb. Damit entgeht Juul einem Prozess in dem US-Staat unter dem Vorwurf, E-Zigaretten gezielt an Jugendliche vermarktet zu haben.

Das geht aus dem gerichtlichen Vergleich hervor, den North Carolina am Montag veröffentlicht hat. Ein Schuldeingeständnis Juuls ist mit dem Vergleich nicht verbunden. Allerdings hat die Rechtsabteilung der Firma noch viel Arbeit vor sich. 13 weitere Staaten, der Hauptstadtbezirk District of Columbia, und um die hundert kleinere US-Gebietskörperschaften haben Juul mit vergleichbaren Vorwürfen verklagt. Der Vergleich mit North Carolina ist nur der Erste von vielen.

Der gerichtliche Vergleich sieht mehrere Marketing-Beschränkungen vor, darunter das Verbot zahlreicher Werbeformen in Sozialen Netzwerken, Influencer-Werbung, Außenwerbung in der Nähe von Schulen sowie Sponsoring von Sportveranstaltungen und Konzerten. Außerdem muss Juul es unterlassen, die gesundheitlichen Auswirkungen des Vaping mit jenen des Rauchens zu vergleichen.

Beim Vertrieb muss Juul darauf achten, dass nur Erwachsene kaufen können, und das durch heimliche Testkäufe laufend überprüfen. Gleichzeitig darf Juul ohne Genehmigung der US-Arzneibehörde FDA (Food and Drug Administration) keine neuen Geschmacksrichtungen in North Carolina feilbieten. Viele dieser Einschränkungen hatte Juul bereits zuvor von sich aus umgesetzt. Hinzu kommt, dass Juul in die Veröffentlichung interner Dokumente für Forschungszwecke Mitte 2022 eingewilligt hat.

Der ermittelnde Generalstaatsanwalt Josh Stein sagte, er habe mit der Untersuchung begonnen, nachdem er von Freunden gehört hatte, welch verheerende Auswirkungen E-Zigaretten auf das Leben von Kindern haben: "Sucht, Depressionen, schlechte Noten, Schulwechsel, medizinische Behandlung und mehr." Auch E-Zigaretten können Lungenkrebs verursachen.

Laut Stein zahlt Juul die 40 Millionen US-Dollar in den nächsten sechs Jahren. Der Ostküstenstaat werde das Geld in Forschung über E-Zigaretten stecken, und Programme finanzieren, die jungen Menschen helfen, von E-Zigaretten wegzukommen. Das Verfahren heißt State of North Carolina v. Juul Labs und war an der Superiour Court Division des General Court of Justice des US-Bundesstaates North Carolina unter dem Az. 19-CVS-2885 anhängig.

Die Vereinbarung des Bundesstaates mit dem Unternehmen hat eine nationale Dimension: Stein hat die FDA aufgefordert, alle Nicht-Tabak-Aromen, einschließlich Menthol, in E-Zigaretten zu verbieten, den Nikotingehalt in E-Zigarettenprodukten zu begrenzen sowie Marketingbeschränkungen aufzuerlegen. Das soll die Attraktivität für Jugendliche mindern.

Juuls E-Zigaretten ähneln USB-Sticks. Sie verdampfen eine mit Nikotin versetzte Flüssigkeit. In seiner 2019 eingereichten Klage behauptet North Carolina, das Unternehmen spiele den potenziellen Schaden seiner Produkte herunter und heize eine "Epidemie" des Rauchens unter Minderjährigen an.

Juul steht im Zentrum der E-Zigaretten-Kontroverse, seit das Dampfen unter Jugendlichen ab 2017 stark angestiegen ist. Das hat die FDA und Anti-Rauch-Kämpfer auf den Plan gerufen. Im Herbst 2019 hat das Unternehmen unter dem Druck der Aufsichtsbehörden den Verkauf aromatisierter Vaping Pods außer Tabak und Menthol eingestellt. Nun warten Juul und andere E-Zigarettenfirmen auf eine Entscheidung der FDA darüber, ob ihre Produkte auf dem Markt bleiben dürfen.

(ds)