Waffenhandel im "Darknet": Zweieinhalb Jahre Haft fĂĽr Werkzeugmacher
Ein Werkzeugmacher aus Böblingen hatte Schreckschusswaffen zu scharfen Waffen umgebaut und dann im Darknet verkauft. Dafür muss er nun ins Gefängnis.
(Bild: dpa, Alexander Heinl)
Wegen illegalen Waffenhandels im Netz ist ein 25 Jahre alter Werkzeugmacher aus dem Kreis Böblingen zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Stuttgart sprach ihn am Donnerstag wegen etlicher Verstöße gegen das Waffengesetz schuldig. Lieferungen diverser Kriegswaffen an eine Adresse in Paris hingegen konnten dem Mann im Laufe des Prozesses nicht nachgewiesen werden.
Verurteilt wurde er, weil er Schreckschusswaffen in scharfe Waffen umgebaut und diese im sogenannten Darknet – also dem durch Anonymisierungsdienste erreichbaren Teil des Internets – verkauft hat. Er hatte ein Geständnis abgelegt – ebenso wie sein 28 Jahre alter Cousin, der als Mittäter zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde (Az. 18 KLs 242 Js 121202/15).
Die beiden Männer waren nach den Terroranschlägen von Paris im November 2015 aufgeflogen. Bei Durchsuchungen der Wohnung des heute 25-Jährigen bei Sindelfingen wurden 16 Schusswaffen gefunden. Zunächst wurde vermutet, die Männer hätten auch Kriegswaffen an eine Adresse in Paris verkauft. Rasch war aber klar, dass es keine Anhaltspunkte dafür gab, dass die Waffen je in Paris ankamen oder bei den Terroranschlägen am 13. November 2015 mit 130 Toten verwendet wurden. Die Verteidiger der Angeklagten plädierten jeweils auf Bewährungsstrafen.
AmokschĂĽtze von MĂĽnchen kaufte auch im Darknet
Laut dem jĂĽngsten "Bundeslagebild Cybercrime" des Bundeskriminalamts werden in vielen EU-Staaten erlaubnisfrei verfĂĽgbare "Dekorations- und Salutwaffen" von Spezialisten bearbeitet und als scharfe Waffen im Darknet angeboten. Aktuell soll es 85 Verfahren zum Waffenhandel dieser Art geben.
Eine solche scharf gemachte Dekorationswaffe hatte sich der Amokschütze von München besorgt und damit am 22. Juli neun Mensch und anschließend sich selbst getötet. Dabei hatte er offenbar im Darknet über ein Jahr nach exakt dem Modell gesucht, das der norwegische Rechtsterrorist Breivik bei seinem Massenmord benutzte. Bei einem zweiten Händler kaufte er sich Munition und ließ sich die Waren an eine Packstation liefern.
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(axk)