Zahlreiche Pannen wegen Einsatz elektronischer Wahlmaschinen
In einem Wahlkreis in Ohio wurden bei der US-PrÀsidentschaftswahl nahezu 4000 Stimmen George W. Bush zugerechnet, obwohl lediglich 638 WÀhler ihre Stimme abgaben.
Die diesjĂ€hrigen PrĂ€sidentschaftswahlen in den USA [1] sind kaum gelaufen, und schon hĂ€ufen sich die Berichte ĂŒber UnregelmĂ€Ăigkeiten [2] durch die Verwendung von E-Voting-Machines. In einem Wahlkreis in der NĂ€he von Ohios Hauptstadt Columbus beispielsweise sollen nahezu 4000 Stimmen dem Gewinner George W. Bush zugerechnet worden sein, obwohl lediglich 638 WĂ€hler ihre Stimme abgaben. In North Carolina gingen mehr als 4500 Stimmen verloren, weil Wahlhelfer die SpeicherkapazitĂ€t eines Computers falsch eingeschĂ€tzt hatten.
In San Francisco, wo parallel zur PrĂ€sidentenwahl Kommunalwahlen stattfanden, versagte die elektronische AuszĂ€hlung eines neuen Wahlsystems wegen eines Software-Fehlers komplett. Um spĂ€tere Stichwahlen zu vermeiden, hatten die WĂ€hler hier die Möglichkeit, Rangfolgen von prĂ€ferierten Politikern zu bilden. Die auf normalen Stimmzetteln abgegebenen Voten wurden eingescannt und sollten von einem Programm des Wahl-Software-Spezialisten ES&S [3] ausgewertet werden. Hatte kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, sollte die Software ĂŒber Zweit- oder Dritt-PrĂ€ferenzen trotzdem einen Gewinner ausweisen.
Wie der San Francisco Chronicle [4] berichtet, informierte ES&S die Wahlleitung am Mittwoch selbst darĂŒber, dass das Programm die Daten nicht wie vorgesehen tabellarisch ordnete und kombinierte. Bei einem Testlauf habe sich herausgestellt, dass Stimmen aus bisher unbekannten GrĂŒnden nicht gezĂ€hlt wurden. Zwar gingen wegen der Verwendung normaler Wahlzettel keine Stimmen verloren, doch mussten in insgesamt vier Bezirken, wo keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichte, die Stimmen parallel per Hand ausgezĂ€hlt werden.
Die Wahlbeobachtungskommission der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat in ihrem Bericht zur US-PrĂ€sidentschaftswahl [5] unterdessen das Fehlen verbindlicher und einheitlicher Zulassungsstandards fĂŒr den Einsatz elektronischer Wahlmaschinen bemĂ€ngelt. Insgesamt seien die Stimmabgabe und die AuszĂ€hlung der Stimmen aber ordnungsgemÀà abgelaufen -- obwohl die Beobachter aufgrund fehlender bundes- oder einzelstaatlicher Regelungen nicht in allen Bundesstaaten Zugang zu den Wahllokalen hatten. (pmz [6])
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[3] http://www.essvote.com/HTML/home.html
[4] http://www.sfgate.com/
[5] https://www.heise.de/news/OSZE-legt-Bericht-zur-US-Praesidentschaftswahl-vor-113230.html
[6] mailto:pmz@ct.de
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