Fragen & Antworten: IPv6
Mit etwas Wissen kann man mithilfe von IPv6 etwa alle PCs im (W)LAN von drauĂen fernwarten. Das geht sehr komfortabel, wenn jeder PC einen eigenen DynDNS-Namen bekommt.
Was ist IPv6?
Was ist dieses IPv6, das mir der Router neuerdings anbietet?
Das Internet Protocol (IP) ist die Grundlage aller Internetanwendungen. Darauf setzen andere Protokolle auf, meist TCP (Transmission Control Protocol) und UDP (User Datagram Protocol). Diese transportieren wiederum die bekannteren Dienste wie HTTP(S) fĂŒr Webseiten und Cloudanwendungen, SMTP, POP, IMAP fĂŒr E-Mail oder DNS fĂŒr die Namensauflösung.
IPv6 löst allmĂ€hlich das veraltete Transportprotokoll IPv4 ab, weil dessen vergleichsweise kleiner Raum von gerade mal rund 4 Milliarden Adressen (232) â also weltweit erreichbarer GerĂ€te â lĂ€ngst erschöpft ist. Die in Routern bei IPv4 eingesetzte Network Address Translation (NAT) kaschiert das Problem nur, indem sie alle Stationen eines (W)LANs in Richtung Internet hinter einer IPv4-Adresse verbirgt. IPv6 blĂ€st den Adressraum auf enorme 340 Sextillionen (2128) auf, was auch bei mehrfachen Adressen pro GerĂ€t und riesigen zugeteilten Bereichen fĂŒrs lokale Netz fĂŒr die absehbare Zukunft reichen sollte.
Viele Ă€ltere GerĂ€te, die nur IPv4 sprechen, oft etwa Drucker mit (W)LAN-Port, werden aber noch lange in Netzwerken laufen. Deshalb dĂŒrfte es geraume Zeit dauern, bis das alte Protokoll verzichtbar wird. Solange werden IPv4 und IPv6 vielerorts parallel laufen (Dual-Stack-Betrieb).
IPv6 nĂŒtzt
Mit IPv4 geht doch alles. Warum sollte ich IPv6 ĂŒberhaupt einschalten?
Fragen Sie mal einen Freund, dessen Heimnetz ĂŒbers TV-Kabel am Internet hĂ€ngt, wie er von drauĂen auf seinen heimischen PC oder den Netzwerkspeicher zugreift. Meist kommt die Antwort âgar nichtâ, weil viele Nutzer unterwegs nur per IPv4 ins Internet gelangen können. Aus IPv4-Netzen heraus fĂŒhrt kein Weg zu PCs an TV-Kabel-AnschlĂŒssen, weil der dortige Router keine öffentliche IPv4-Adresse bekommt.
Wenn Netze aber IPv6 haben, gibt es noch weitere Vorteile: So können mehrere Server im LAN parallel die gleichen Dienste (Cloud, Mail) anbieten, nicht nur der eine, auf den die IPv4-Portweiterleitung zeigt. Das nĂŒtzt etwa einem Betreiber kleiner Mailserver fĂŒr mehrere Domains.
Ebenso kann ein Familien-Admin jeden Host im LAN per RDP oder VNC fernwarten, ohne sich zig verschiedene Portweiterleitungen merken zu mĂŒssen. Denn jedes IPv6-erreichbare GerĂ€t kann einen eigenen DynDNS-Namen erhalten, beispielsweise von Anbietern wie DuiaDNS oder Dynv6.
Berichtigung: Ăberlange IPv6-Adressen und Adresstypen
Der vorletzte Block der Beispieladresse in der obigen Infografik ist versehentlich doppelt aufgefĂŒhrt. Eine IPv6-Adresse besteht aus 8 Blöcken zu 16 Bit, nicht aus 9.
Die IPv6-Adresstypen sind zudem ungenau dargestellt: Die Link-Local-Adressen (fe80::/10, RFC 4291) von IPv6 entsprechen eher den AutoIP-Adressen (169.254.0.0/16, RFC 3927, frĂŒher APIPA) bei IPv4, die sich Betriebssysteme in Netzen setzen, wenn kein Router vorhanden ist. Verkehr darĂŒber wird nicht ins Internet geroutet. Bei IPv6 sind die Unique Local Addresses (fc00::/7, RFC 4193, ULA) das Pendant zu den lokalen IPv4-Adressen (RFC 1918) von IPv4. Auch deren Verkehr leitet der Router nicht ins Internet -- anders als bei IPv4, wo die NetzwerkadressĂŒbersetzung (NAT) fĂŒr den Internetzugang sorgt.
SchlieĂlich ist IPv6 auch nicht mehr die Zukunft, sondern fĂŒr etliche Teilnehmer lĂ€ngst Gegenwart: Die Telekom hat das Protokoll in ihrem Festnetz 2012 aktiviert, im Mobilfunknetz 2015. Andere Provider folgten im Festnetz schnell, nur im Mobilfunk noch nicht. Bei Redaktionsschluss dieser cât lag der IPv6-Anteil auf der gut besuchten Seite heise.de in der Spitze bei 37 Prozent. Selbst in schwachen Zeiten fĂ€llt der Anteil nicht mehr unter 20 Prozent.
IPv6-Adresstypen
Warum gibt es auf meinem GerÀt drei Arten von IPv6-Adressen?
Wie bei IPv4 gibt es bei IPv6 Adressen, die nur innerhalb Ihres Netzwerks gelten, sogenannte verbindungslokale (link local). Die gehören bei IPv6 zum PrĂ€fix fe80::/10 und entsprechen den privaten Adressen bei IPv4 (RFC 1918: 10.0.0.0/8, 172.16.0.0/12, 192.168.0.0/16, siehe Ăberblick ĂŒber IPv4-Adresstypen [1]). Verkehr zwischen diesen Adressen bleibt immer innerhalb Ihres Netzwerks.
AuĂerdem hat Ihr Rechner mindestens eine global gĂŒltige IPv6-Adresse, ĂŒber die er IPv6-Server im Internet erreicht. Der Server muss sich nicht mehr hinter der bei IPv4 unumgĂ€nglichen Adressumsetzung (NAT) des Routers verstecken und ist direkt aus dem Internet erreichbar, wenn die IPv6-Firewall des Routers â nach Freigabe des Admins â den Verkehr durchlĂ€sst.
SchlieĂlich bieten viele Router noch Unique-Local-Adressen (ULA, Bereich fc00::/7, praktisch immer fd00::/8). Mit denen kann man beispielsweise in Unternehmen den Verkehr zwischen eigenstĂ€ndigen Abteilungsnetzwerken routen, auch wenn diese keinen Internetzugang haben.
Infos zu weiteren IPv6-Adressbereichen und den Serverbetrieb:
IPv6-Adresstypen [2]
Serverbetrieb mit dynamischen IPv6-Adressen [3]
Mehrere globale IPv6-Adressen
Warum hat mein Rechner mal mehr, mal weniger, aktuell gerade vier globale IPv6-Adressen?
Jeder Host darf sich selbst anhand des vom Router vorgegebenen PrĂ€fixes (siehe unten) etliche IPv6-Adressen setzen. Das nutzt man zum Verschleiern des Surf-Verhaltens (Privacy Extensions): Der Rechner erwĂŒrfelt sich regelmĂ€Ăig einen neuen Host-Part und verwendet diese Adresse fĂŒr neue Verbindungen. Etwas spĂ€ter verwirft er die abgelaufenen. IPv6-Adressen mit konstantem Host-Part nutzt der Rechner fĂŒr unverlangt eingehenden IPv6-Verkehr, also etwa fĂŒr Serverfunktionen oder Fernsteuerung.
Adressteile bei IPv6
Was ist denn ein PrÀfix?
Das PrĂ€fix ist der vordere Teil der IPv6-Adresse, den typischerweise Ihr Provider zuteilt. Bei den meisten AnschlĂŒssen Ă€ndert er sich bei einer Neueinwahl, Firmenkunden bekommen auch feste PrĂ€fixe. Anhand des PrĂ€fixes der Zieladresse entscheidet Ihr Router, ob er das Paket zum Provider schicken muss, ob es an einen anderen Router im Netz geht oder ob es im lokalen Netz, also seinem (W)LAN, bleibt.
Der hintere Teil, die letzten 64 Bit der Adresse, sind die GerĂ€tekennung im lokalen Netz, auch Interface Identifier (IID) oder Host-ID. Damit besteht das kleinstmögliche PrĂ€fix ebenfalls aus 64 Bit, was man als /64 kennzeichnet. Viele Provider spendieren aber gröĂere, beispielsweise die Telekom ihren xDSL-Kunden ein /56. Damit lassen sich 256 eigene Subnetze betreiben: 56 Bit ins Internet, 8 Subnetz-Bits, 64 Bit innerhalb des Subnetzes fĂŒr die Hosts.
IPv6-Adressen eindampfen
Kann man die irre langen IPv6-Adressen kĂŒrzer schreiben?
Ja, dafĂŒr gibts zwei Regeln. Erstens können Nullen am Anfang eines Viererblocks entfallen. Zweitens darf man eine durchgehende Kette von Nullen durch zwei Doppelpunkte ersetzen, aber nur einmal. Aus 2001:0db8:00cd:7320:0000:0000:0000:0012 wird so 2001:db8:cd:7320::12.
Konstanten Host-Part bei IPv6 erkennen
Bei DynDNS-Diensten fĂŒr IPv6-Server soll ich den konstanten Host-Part der Adresse angeben. Mein GerĂ€t zeigt auf seiner Ethernet-Schnittstelle aber einen ganzen Heuhaufen von IPv6-Adressen an. Wie finde ich die Stecknadel?
Bei der ĂŒblicherweise verwendeten Adressvergabemethode SLAAC (Stateless Address Autoconfiguration: Router annonciert PrĂ€fix, Hosts setzen Adresse selbst) hĂ€ngt es vom Betriebssystem ab: Windows verrĂ€t per ipconfig auf der Kommandozeile die âVerbindungslokale IPv6-Adresseâ. Ihr hinterer 64-Bit-Teil ist der gewĂŒnschte Host-Identifier, auch IID, den Windows immer auch bei einer globalen Adresse setzt.
Unter Linux lassen Sie mit ip -6 ad sh <Interface-Name> | grep mng die konstanten IPv6-Adressen des gewĂŒnschten Interfaces ausgeben. Die zum Bereich 2000::/3 (2000::/16 bis 3fff::/16) gehörende globale Adresse enthĂ€lt den gesuchten IID. Ist die Liste leer, hilft ip -6 ad sh <Schnittstellenname> | grep "global dyn" weiter.
Bei macOS 10.x wirft ifconfig <Interface-Name> | grep "conf secured" direkt die globale IPv6-Adresse mit konstantem Host-Part aus.
Vergibt der Router in Ihrem Netz IPv6-Adressen hingegen ausschlieĂlich mit DHCPv6, dann werden Sie genau eine globale IPv6-Adresse finden und können die direkt nehmen.
IPv6-Dienste finden
Wie finde ich auf meinem Linux-Server heraus, welche Dienste auf IPv6-Verbindungen lauschen?
FĂŒr TCP verrĂ€t das auf der Kommandozeile ein sudo lsof -i6 | grep "LISTEN". Alternativ geht auch sudo netstat -6at | grep "LISTEN". Wenn die netstat-Ausgabe die Adressen und Portnummern statt der Host- und Dienstnamen zeigen soll, hĂ€ngen Sie ein n an den Parameter an. lsof braucht dafĂŒr zusĂ€tzlich -n -P. UDP-Dienste listet der Befehl sudo lsof -i6 | grep "UDP \*.
Dieser Artikel stammt aus c't 12/2019 (ea [4])
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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/Reservierte-IPv4-Adressen-3484192.html
[2] https://www.heise.de/IPv6-Adressen-3484199.html
[3] https://www.heise.de/select/ct/2018/19/1536650923067816
[4] mailto:ea@ct.de
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