Fest verbunden
Das neue Auto ist fällig, die Zubehörliste liegt auf dem Tisch: Lohnen sich die hohen Kosten für das Original-Navi-Autozubehör oder reicht einer der wesentlich günstigeren Personal Navigation Assistants (PNA) mit Kfz-Festeinbau-Kit?
- Daniel LĂĽders
Das neue Auto ist fällig, die Zubehörliste liegt auf dem Tisch: Lohnen sich die hohen Kosten für das Original-Navi-Autozubehör oder reicht einer der wesentlich günstigeren Personal Navigation Assistants (PNA) mit Kfz-Festeinbau-Kit?
Navigationslösungen vom Autohersteller kosten zwischen 600 und über 3000 Euro, während die Saugnapf-Navis für die Windschutzscheibe – neudeutsch "PNAs" (Personal Navigation Assistants) genannt – schon für wenige Hundert Euro zu haben sind. Den Nachteil der Sichtbehinderung durch eine Saugnapf-Halterung an der Windschutz-Scheibe samt Kabel für Antenne und Stromversorgung nehmen viele angesichts des niedrigen Preises in Kauf. Doch jetzt gibt es auch Einbaukits, die die Windschutzscheibe frei lassen. Zwei PNA- und ein Handy-Hersteller (Falk, Naviflash und Nokia) wollen damit den wesentlich teureren Autoherstellern das Wasser abgraben.
Das könnte auch deshalb gelingen, weil die Navigationsqualität der PNAs sich in den letzten Monaten deutlich verbessert hat. Sie bieten einigen Luxus, der bislang nur den Autofahrern mit Einbausystem vorbehalten war: Sie enthalten Point-of-Interest-Datenbanken, empfangen TMC-Staumeldungen [1], spielen Multimedia-Dateien und dienen Handys als Freisprecheinrichtung. Wer den durchaus möglichen Einbau nicht selbst vornehmen möchte, kann eine Werkstatt damit beauftragen. Das erhöht den Preis um 100 bis 200 Euro.
Navi-Festeinbauten vom Autohersteller sind bereits ab Werk installiert und können mehr: sie besitzen meist einen Kreiselkompass mit Beschleunigungssensor (Gyroskop) und können Geschwindigkeit und Richtungsänderungen des Fahrzeugs über eine Bordcomputer-Schnittstelle abfragen. Dadurch bestimmen sie die Position auch ohne GPS-Signal einigermaßen genau, wenn man sich zum Beispiel gerade in einem Tunnel befindet. Des Weiteren lassen sie sich meist bequem per Lenkrad-Fernsteuerung bedienen.
In unserem Test messen sich die drei Carkit-Aspiranten Falk P300, Naviflash Talk und Nokia CK-20W mit vier aktuellen Festeinbauten von Opel (DVD-90), Volkswagen (RNS300, RNS510) und BMW (DVD Professional).
BMW DVD Professional
Das Navigationssystem DVD Professional ist für fast alle BMW-Modelle erhältlich. Mit einem Verkaufspreis von 3420 Euro ist das Leitsystem mit Abstand der teuerste Kandidat.
Praktischerweise liegt das Display im oberen Teil der Mittelkonsole etwas versetzt eingelassen und somit im Schatten. Dadurch lässt sich der helle Bildschirm bei allen Lichtverhältnissen gut ablesen. Weil der kontrastreiche Bildschirm mit einem großen Blickbereich aufwartet, können ihn Fahrer und Beifahrer gleichermaßen gut ablesen.
Das BMW DVD Professional ĂĽberzeugt mit durchdachter MenĂĽfĂĽhrung und sauberer Navigation.
Für das Kartenmaterial muss der Kunde 270 Euro extra bezahlen. Es liegt auf einer DVD und deckt Westeuropa ab. Andere Regionen, etwa Asien oder Amerika sind auf Anfrage erhältlich. In der Mittelkonsole befinden sich zwei Laufwerke: eines ist für die Karten-DVD vorgesehen, das andere bleibt für Musik-CDs frei. Für die Navigation muss die DVD mit dem Kartenmaterial stets eingelegt sein.
Beim BMW-System erfolgen fast sämtliche Eingaben mit einem Drehknopf, der auch als Joystick fungiert und von BMW iDrive genannt wird. Die Bedienung mit dem Drehknopf erschließt sich auch ohne Handbuch schon nach kurzer Zeit. Bei der Eingabe des Zielortes wünscht man sich allerdings eine Tastatur oder wenigstens ein Touchscreen-Keyboard, weil die Buchstabenauswahl per Drehrad lange dauert. Alternativ dazu hat man die Möglichkeit, Straßen, Orte und Befehle per Sprache einzugeben. Ein Druck auf die entsprechende Taste am Lenkrad genügt, und das System hört auf die Stimme eines Insassen. Die Sprachsteuerung erkennt Straßen- oder Städtenamen erstaunlich genau, sodass man diese Eingabehilfe besonders während der Fahrt nicht mehr missen möchte.
Der Navigator berechnet sinnvolle Routen und leitet präzise vom Start zum Ziel, sodass der Fahrer nicht auf die durchaus gelungene Kartendarstellung blicken muss. Allerdings verhält sich das DVD Professional zuweilen wie ein Fahrlehrer: Solange es geradeaus geht, bleibt das Navi stumm, was Orientierung suchende Zeitgenossen verwirren dürfte. Auf dem Display zeigt der Navigator neben der flüssig dahingleitenden Karte auch die nächste Anweisung in Form eines Pfeilsymbols an. Wenn man eine Ansage verpasst, genügt ein flüchtiger Blick, um auf dem rechten Weg zu bleiben. Des Weiteren findet man Angaben zum Kraftstoffverbrauch, zur Reichweite, Radumdrehung und dem aktuellen TMC-Sender für Staumelde-Informationen.
Weder unübersichtliche Kreuzungen noch enge Straßen oder schnelle Wendemanöver bringen das Navi aus dem Takt. Spurwechsel und Richtungsanweisungen erfolgen rechtzeitig. Routen-Neuberechnungen erstellt das Navi von einem Augenblick auf den anderen, ohne dass die freundliche Stimme aussetzt oder mit einer Aufforderung zum Wendemanöver nervt. Bei Navi-Ansagen schaltet das System andere Audio-Quellen selbstständig leise.
Zu keinem Zeitpunkt ließ sich das Navi-System in unserem Test bei der Standortbestimmung aus der Ruhe bringen. Selbst bei einer Fahrt in einer Tiefgarage berechnet das System per Datenabfrage von Fahrwerk, Lenkung und Gyroskop eine vergleichsweise zuverlässige Position. Der Wechsel von berechneter Standortbestimmung zur GPS-Positionsabfrage erfolgt fließend, ohne dass dabei die Kartenanimation ins Stocken gerät.
Alles in allem wirkt das Navigationssystem BMW DVD Professional sehr durchdacht und bietet bei der Navigation einen hohen Komfort. Beim Kartenmaterial kocht aber auch BMW nur mit Wasser und greift – wie viele PNA-Hersteller – auf die Daten von Navteq zurück. Sind die Kartendaten fehlerhaft, kann das BMW-System dies nicht kompensieren: Im Test führte uns das Navi deshalb bei einer noch nicht eingezeichneten, gesperrten Straße immer im Kreis.
Opel DVD-90
Das Navigationssystem DVD-90 für Opel-Fahrzeuge enthält ein gut entspiegeltes, helles Farbdisplay mit großem Blickbereich, das bei allen Lichtverhältnissen gut ablesbar bleibt. Leider hat sich der Hersteller bei der Anordnung von Straßennamen, Bezeichnungen und weiteren Informationen wenig Mühe gegeben: Obwohl der Bildschirm nur wenige Angaben enthält, wirkt er überladen. Die Buchstaben von Straßenbezeichnungen stellt das Navi-System bei Kartenrotation während der Fahrt durch eine Kurve nicht korrekt dar, sodass sie nur schwer lesbar sind. Die Animation des Kartenmaterials läuft hingegen flüssig ab. Die Daten bezieht das System von einer DVD, die in einen eigens dafür vorgesehenen Slot gesteckt wird – für Musik oder Videos taugt das Laufwerk nicht.
Genauso unübersichtlich wie der Hauptbildschirm gestaltet sich die Menüführung. Ohne Blick in die Anleitung findet man sich anfangs nur schwer zurecht, und auch die Buchstaben- und Funktionsanwahl mittels Drehknopf ist gewöhnungsbedürftig. Immerhin lässt sich das Gerät auch per Lenkrad-Tasten bedienen, was nach einiger Einarbeitung gut klappt.
Auf dem gut ablesbaren Display stellt das Opel-Navigationssystem DVD-90 Karten- und Navi-Informationen leider sehr unĂĽbersichtlich dar.
Die einzelnen Wörter der gesprochenen Anweisungen wirken lieblos zusammengeschustert. Zuweilen nervt das Navigationsgerät mit unnötigen Ansagen wie mehrmaligen Hinweisen, der Straße über fünf Kilometer zu folgen, versäumt es dann aber, Spurenwechsel rechtzeitig anzukündigen.
Immerhin berechnet es Routen bei Abkehr von der vorgegebenen Strecke sehr schnell neu und führt zuverlässig zum Ziel, auch wenn die präsentierten Wege nicht immer optimal erscheinen. Auch bei unübersichtlichen Kreuzungen kann man sich auf das DVD-90 verlassen und dank Gyroskop und Bordcomputer-Anbindung hat das System keine Probleme mit der Positionsbestimmung, wenn das GPS-Signal mal abreißt.
Unterm Strich wirkt das Opel-Navigationssystem durch sein unübersichtliches Bildschirmlayout und die gewöhnungsbedürftige Menüführung unausgereift. Bei Preisen von je nach Automodell von 910 Euro bis 2625 Euro erwarteten wir mehr. Warum die Preise derart auseinander liegen, konnte Opel nicht schlüssig begründen, sondern verwies lediglich auf unterschiedliche Berechnungsgrundlagen für die jeweiligen Modelle.
Volkswagen RNS300
Beim RNS300 von Volkswagen handelt es sich um das günstigste Original-Navi-Zubehör, wenn man es zu einem Touran Trendline bucht. Für alle anderen in Frage kommenden VW-Modelle sind statt 615 Euro allerdings zwischen 1200 und 1310 Euro fällig. VW bezeichnete die Preisgestaltung auf Nachfrage als durchaus üblich.
Das RNS300 von Volkswagen navigiert zuverlässig, zeigt allerdings auf seinem Monochrom-Display nur Pfeilsymbole an.
Im Unterschied zu den kostspieligeren Autosystemen hat das RNS300 ein hintergrundbeleuchtetes Monochrom-Display mit matter Oberfläche, das bei allen Lichtverhältnissen gut ablesbar ist. Anstatt einer Kartendarstellung zeigt der Bildschirm nur visuelle Anweisungen in Form von Richtungspfeilen, den Abstand bis zum nächsten Richtungswechsel und den Straßennamen an. Dadurch genügt ein kurzer Blick, um sich eine Übersicht zu verschaffen. Eine Farbdarstellung vermisst man zu keiner Zeit.
Die Bedienung mittels Drehknopf unterhalb des Displays erlernt der Nutzer auch ohne Handbuch schnell und die präzisen Anweisungen kommen zum rechten Zeitpunkt. Auch wenn sehr lange kein Richtungswechsel erfolgt, bleibt das Navi stumm. Ein Druck auf den Drehknopf wiederholt die letzte Ansage. Unübersichtliche Kreuzungen sind für das RNS300 genauso wenig ein Problem wie Tunnel oder Streckenneuberechungen. Allerdings sollte man während der Navigation auf lautes Radiohören verzichten – das System regelt die Musik nicht selbstständig herunter. Immerhin kann man die Lautstärke von Radio und Navi-Ansagen getrennt regeln.
Das RNS300-Navisystem zeigt zwar keine bunten Bilder, erfüllt aber seinen Zweck und führt auf sinnvollen Routen zuverlässig zum Ziel – was für viele Autofahrer schon genügt.
Volkswagen RNS510
Das Premium-Navi-System RNS510 von Volkswagen steuert man im Unterschied zu den anderen getesteten Original-Einbau-Navis nicht nur per Drehknopf, sondern auch per Touchscreen. Vom ersten Anschalten an bedient sich das System fast wie von selbst. Eine ausgefeilte Menüführung mit Hilfen und Erklärungen unterstützt den Nutzer bei der Befehlseingabe und macht das Handbuch überflüssig.
Aus fast jeder Blickrichtung lässt sich das kontrastreiche und reflexarme, aber etwas dunkle Display ablesen. Beim Einschalten der Scheinwerfer oder schlechten Lichtverhältnissen schaltet es automatisch in eine gedimmte Nachtdarstellung.
Beim Touchscreen-Navi Volkswagen RNS510 befinden sich Kartenmaterial und Multimedia-Daten auf einer 30 GByte groĂźen Festplatte.
Die Navi-Hauptansicht hat der Hersteller vorbildlich gestaltet: Alle Informationen stehen ĂĽbersichtlich angeordnet auf dem Bildschirm, sodass das Auge nicht lange suchen muss. FĂĽr den Fahrer genĂĽgt allerdings auch schon ein Blick auf seine Anzeige hinter dem Lenkrad, denn zwischen Tacho und Drehzahlmesser befindet sich ein monochromes Zweitdisplay in rot, das Richtungsangaben anhand von Pfeilsymbolen und die wichtigsten Daten zur Route auf einen Blick ĂĽbersichtlich anzeigt.
Anders als bei den anderen Kfz-Navis braucht man beim RNS510 keine Silberscheibe für das Kartenmaterial, denn alle nötigen Daten befinden sich bereits auf der internen 30-GByte-Festplatte des Systems. So bleibt der Schlitz für Musik-CDs und Video-DVDs frei. Filme spielt das System während der Fahrt allerdings nur ohne Bildanzeige am Hauptschirm, um den Fahrer nicht abzulenken.
Karten zeigt das Hauptdisplay außer in gekippter 2D-Darstellung auch topografisch an – besonders praktisch bei Fahrten im Gebirge. Meist genügt aber die 2D-Ansicht. Tippt man auf das Raketensymbol, zündet nicht der Turbo, sondern das System zoomt aus der Karte heraus und zeigt eine Übersicht der weiteren Umgebung an – praktisch, um sich schnell einen Überblick zu verschaffen. Die Animation ruckelt dabei etwas wie auch bei der Navigation, was aber nicht stört.
Neben der Karte zeigt der Schirm Angaben zur Routenlänge, Abstand zum nächsten Ereignispunkt, TMC-Sender sowie Informationen zur gerade aktuellen Musik- oder Video-Datei. Dank des ausgefeilten Bedienkonzepts steuert der Beifahrer auch während der Navigation Sendersuche oder Musikauswahl mit links, ohne dass dabei die Streckenführung ins Stocken gerät. Der Fahrer regelt mit den Bedienelementen am Lenkrad beispielsweise die Lautstärke oder wählt Musiktitel an, ohne auf das Display schauen zu müssen.
Mit dem Finger ist die Zieleingabe flugs erledigt, sodass man schnell starten kann. Auf Wunsch berechnet das RNS510 drei Strecken gleichzeitig, aus denen der Nutzer dann eine bevorzugte auswählt. Außer der schnellsten und kürzesten Route stellt der Navigator nach Wahl auch eine besonders ökonomische Strecke mit möglichst niedrigem Benzinverbrauch zusammen.
Die angenehme Stimme gibt präzise Anweisungen und leitet den Autofahrer zuverlässig – auch durch Tunnel und an anderen Orten ohne GPS-Signal. Die Stimme spricht immerhin Namen von Städten aus, aber keine Straßennamen. Verlässt man die vorgegebene Strecke, braucht das RNS510 ein paar Sekunden und versucht zunächst, wieder auf die ursprüngliche Strecke zurückzuführen, teilweise mit einer nervigen Aufforderung zum Wenden. Erst danach präsentiert das Navigationssystem eine echte Alternative – das können selbst viele PNAs besser. Insgesamt überzeugt das RNS510 aber mit seiner gefälligen Touchscreen-Bedienung, dem übersichtlichem Layout und guter Multimedia-Integration.
Falk P300 mit Car-Kit Professional
In Verbindung mit dem Car-Kit Professional lässt sich der als Premium-PNA beworbene Falk P300 fest in Autos integrieren. Inklusive Einbaukosten von 120 Euro kostet das System 720 Euro, was für einen PNA viel Geld ist, im Vergleich zu Kfz-Originalzubehör allerdings günstig erscheint. Die Halterung wird an den Schlitzen der Lüftungsanlage befestigt, während die Kabel hinter der Mittelkonsole verschwinden. Ein starker Magnet hält die Haupteinheit in der Halterung.
Das Falk P300 navigiert zuverlässig durch den Straßenverkehr - solange ein GPS-Signal verfügbar ist.
Den Einbau übernehmen Werkstätten, die zum Verbund Autonet gehören, für 120 Euro. Der Selbsteinbau ist für handwerklich geschickte Fahrzeughalter durchaus möglich, aber je nach Modell gestaltet sich der Einbau mal schwerer, mal leichter.
Anders als Navis vom Kfz-Hersteller verbindet der Festeinbau den PNA nicht mit dem Bordcomputer, sondern kann lediglich die Autobatterie als Stromquelle und die UKW-Antenne für den TMC-Empfang nutzen. Des Weiteren sorgt eine Leitung zum Autoradio für Stummschaltung bei Navi-Ansagen, die aus den Autolautsprechern tönen – sofern das Autoradio darauf hört, was bei fast allen modernen Geräten der Fall ist.
Informationen ĂĽber Geschwindigkeit und Richtung bleiben dem Falk P300 verborgen, weshalb er im Tunnel lediglich mit einer durch Interpolation errechneten Positionsangabe dienen kann. Ein Stau in einer UnterfĂĽhrung ĂĽberfordert das Navi allerdings genauso wie alle Saugnapf-PNAs auch.
Die Haupteinheit des P300 lässt sich zum Schutz vor Dieben problemlos aus der Magnethalterung entfernen.
Der 3,5-Zoll-Touchscreen leuchtet angenehm hell, ist gut entspiegelt und lässt sich aus fast jedem Blickwinkel ablesen. Die Bedienung per Touchscreen geht schnell und einfach von der Hand und ist selbsterklärend.
An der Navigation und Stimmführung gibt es wenig auszusetzen: Nur bei schnellen Abbiege-Folgen kommen die Ansagen etwas zu spät. Ansonsten erfolgen die Anweisungen zum rechten Zeitpunkt und sind präzise, sodass man sich den Blick auf die übersichtlichen Bildschirminhalte sparen kann.
Das Einbauset von Falk verbindet den PNA P300 mit dem Autoradio, der Batterie und der Antenne.
Durch den Festeinbau spart man sich das lästige Kabelgewirr, doch außer der Radio-Stummschaltung und dem besseren TMCpro-Empfang bietet es kaum Vorteile gegenüber herkömmlicher Saugnapf-Navis.
Naviflash Talk
Schon seit über einem Jahr vertreibt Naviflash das Talk-System, das aus einer Navigationseinheit mit Monochrom-Display mit Klebe-Standfuß, Kabel-GPS-Maus und Anschlüssen für Radio und Batterie besteht, die hinter der Autokonsole verschwinden. Optional fungiert das Naviflash Talk auch als Kabel-Freisprecheinrichtung für Handys. Das Kartenmaterial liegt auf einem CompactFlash-Modul bei, zum Kit gehört auch eine Funkfernsteuerung fürs Lenkrad. Der Einbau dürfte selbst Laien kaum Probleme bereiten und ist in etwa zwei Stunden erledigt. Wer sich das nicht zutraut, muss in eine Autowerkstatt. Sondertarife gibt's leider nicht.
Die GPS-Antenne des Naviflash-Talk-Systems lässt sich auch am Dach montieren.
Standfuß und Navi-Bildschirm bilden eine Einheit, weshalb das Gerät nicht ohne Weiteres aus dem Fahrzeug entfernt werden kann, wenn es erst einmal auf dem Armaturenbrett klebt.
Das gut ablesbare Monochrom-Display zeigt nur eine geringe Auflösung, was für Navigation nach Pfeilsymbolen ausreicht. Die Kartenansicht möchte man wegen der verpixelten Darstellung aber nicht verwenden. Weil das Naviflash Talk keinen Touchscreen besitzt, bleibt nur die Bedienung über die mitgelieferte Funkfernsteuerung, was Einarbeitung erfordert. Hat man sich an die Bedienung gewöhnt, hangelt man sich aber recht flott durch die Menüs. Die Buchstabenauswahl – etwa für die Zielangabe – bleibt mühsam.
Mit einer am Lenkrad befestigten Funkfernsteuerung bedient man die Naviflash-Haupteinheit.
Für Navi-Ansagen nutzt das Naviflash Talk die Autolautsprecher, wobei die Stummschaltung des Radios aktiviert wird. Die Navigation wirkt insgesamt etwas veraltet: Zwar kommen Ansagen rechtzeitig und leiten zum gewünschten Ziel, aber beim Verlassen der vorgegebenen Route braucht das Naviflash Talk lange, bis es überhaupt reagiert und fordert dann erst einmal unermüdlich zum Wenden auf. Erst nach knapp einer Minute präsentiert das Gerät eine frische Strecke. Grundsätzlich erscheinen die Routen nicht immer sinnvoll.
Insgesamt wirkt die Navigationslösung von Naviflash etwas angestaubt und überzeugt auch bei der reinen GPS-Navigation nicht immer. Außer der Radio-Stummschaltung bietet der Festeinbau gegenüber herkömmlichen PNAs kaum Vorteile. Bleibt als einziger Pluspunkt die externe GPS-Antenne, die sich zum besseren Empfang auch auf dem Autodach montieren lässt.
Nokia CK-20 und LD-2
Nokias Einbau-Kit CK-20 besteht aus einer unvollständigen Black-Box mit Zubehör. Eine passende Kabel-GPS-Maus LD-2 und Handy-Halterung muss extra gekauft werden. Die Navigations-Software Route 66 Mobile 7 für S60-Handys samt Kartenmaterial und Speicherkarte liegt bei. Das Car-Kit nutzt die Stromversorgung des Kraftfahrzeugs und bleibt sonst völlig autark.
Beim autarken Einbau-Kit von Nokia handelt es sich im Grunde nur um eine Freisprecheinrichtung mit Navigationsfunktion.
Die Elektronikbox wird an versteckter Stelle im Auto montiert, was auch Nichtbastler schaffen. An der Box sind angeschlossen: ein Lautsprecher, die Kabel-GPS-Maus, ein Verbindungskabel zum Handy, ein Mikrofon, eine Bedienbox mit drei Tasten und einem Scroll-Rad sowie ein Molexstecker zur Stromversorgung. Die Freisprecheinrichtung funktioniert problemlos; mit den Tasten in der Bedienbox nimmt man Gespräche an, beendet sie und über das Rädchen stellt man die Lautstärke ein. Eine dritte Taste ruft den Media-Player direkt auf.
Kartenansicht auf dem Nokia E65.
Alle Navi-Funktionen muss man aber nach wie vor ausschließlich mit der Handy-Tastatur aufrufen, was während einer ruckeligen Fahrt selbst vom Beifahrer nur schwer zu bewerkstelligen ist. Die Software lässt sich vergleichsweise einfach bedienen, insbesondere die Zieleingabe ist gelungen, dauert aber dennoch viel länger als mit einem Touchscreen.
Die gefundenen Strecken führen je nach Wahl schnell oder auf kürzestem Weg zum Ziel. Einordnungshinweise bei mehrspuriger Verkehrsführung auf Schnellstraßen oder Autobahnen tönen rechtzeitig laut und deutlich aus der Box. Innerorts bei zügiger Fahrweise zeigen die Sprachansagen aber manchmal einen deutlichen Nachlauf. Abbiegungen in spitzem Winkel erkennt Route 66 nicht korrekt und fordert stattdessen zum Wenden auf, was irritiert, da das Display die korrekte Abbiegung auf die neue Straße anzeigt. Während der Fahrt erhöht ein Blick auf das vergleichsweise kleine Handy-Display die Unfallgefahr.
Ankommende Telefonanrufe werden bei laufender Navigation wie gewohnt abgewickelt. Möchte man dagegen selbst vom Handy aus anrufen, muss man aus der laufenden Navigation komplett aussteigen.
Fazit
PNAs mit Einbau-Kit können den Festeinbauten der Autohersteller bei weitem nicht das Wasser reichen. Zwar bieten sie mehr als die Saugnapfkistchen, denn Kabel verschwinden und teilweise gehört eine Audio-Stummschaltung zum Funktionsumfang, aber sie reichen vor allem deshalb nicht an die Bordcomputer-gestützten Navi-Systeme heran, weil diese auch ohne GPS-Signal navigieren und sich fast nahtlos in die Bedienstruktur des Fahrzeugs integrieren. Einzig beim Kartenmaterial sind sie wie die PNAs auch auf die beiden einzigen Kartenhersteller Navteq und TeleAtlas angewiesen.
Das BMW-Navi DVD Professional für 3520 Euro gefällt vor allem durch seine saubere Navigation und durchdachte Menüführung. Das Volkswagen-System RNS300 mit Monochrom-Display, das je nach Automodell zwischen 615 und 1200 Euro kostet, überzeugt ebenfalls mit einer guten Streckenführung. Wer mehr Multimedia-Funktionen braucht, wird mit dem neuen Volkswagen-Navi RNS510 zufrieden sein, welches außer Musik auch DVDs abspielt und als einziges ein Navi-Zweitdisplay für den Fahrer bereitstellt. Allerdings muss man für dieses System mit knapp 2000 Euro auch wesentlich mehr bezahlen.
Die Navigations-Software fügt sich bei den Festeinbau-Navis nahtlos in alle anderen Applikationen ein und ist sauber programmiert. Einzig das Opel-System, das immerhin bis zu 2625 Euro kostet, verärgert den Nutzer mit komplizierter Bedienung, unübersichtlicher Kartendarstellung und teilweise ineffizienten Routen. Die Preisgestaltung bei VW und Opel ist nicht so recht nachvollziehbar. Je nach Modell zahlt man drauf oder spart mehrere Hundert Euro.
Trotz aller Kritik haben die PNAs mit Kfz-Einbaukit durchaus ihre Berechtigung und sind vor allem wesentlich günstiger. Wer sich mit einer ausgereiften GPS-Navigation samt Radio-Stummschaltung zufrieden gibt, mag mit dem Falk P300, der auch wegen seiner einfachen Bedienung gefällt, durchaus zufrieden sein. Nicht mehr zeitgemäß erscheint hingegen die Lösung Naviflash Talk für 520 Euro.
Beim Einbaukit CK-20 mit GPS-Maus für insgesamt 445 Euro von Nokia handelt es sich eigentlich nur um eine eigenständige Freisprecheinrichtung für ein Handy, das auch navigiert. Abgesehen von der umständlichen Bedienung mit Handy-Tastatur und dem vergleichsweise mickrigen Bildschirm punktet das Set aber mit der ausgereiften Navigations-Software Route 66.
Um wirklich mit den großen Navi-Systemen der Autohersteller zu konkurrieren, müssen die PNA-Produzenten noch kräftig an der Kfz-Integration feilen und die Lücke zwischen Bordcomputer und Navigationssystem schließen. Bis es soweit ist, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. (dal)
Literatur
| [1] Daniel LĂĽders, Staufrei ans Ziel, Von der Stau-Entstehung zur TMC-Meldung fĂĽrs Navi, www.heise.de/mobil/artikel/92601 |
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