c't Fotografie 3/2016
S. 164
Know-how und Bastelvorschlag
Trioplan-Objektive
Aufmacherbild

Trioplan Objektive an Digitalkameras nutzen

Trioplan-Optiken bilden Lichter im Bokeh in einem Look ab, den kein anderes Objektiv ermöglicht. Wir zeigen, wie Sie die heute zum Teil noch sehr preisgünstigen historischen Objektive an eine Digitalkamera adaptieren und wie die Bildbearbeitung von Trioplan-Aufnahmen gelingt.

Vincent van Goghs Malerei fand erst lange nach seinem Tod Anerkennung. Das Objektiv Trioplan der Manufaktur Hugo Meyer in Görlitz teilt ein ähnliches Schicksal – es verschwand vom Markt und ist inzwischen wieder gefragt: Viele Fotografen sind fasziniert von der einzigartigen Darstellung von Lichtern im Bokeh, die den markanten Look von Trioplan-Aufnahmen ausmacht.

Die optische Grundlage des Trioplans basiert auf einem Patent von 1893, welches als Cooke-Triplet mit nur drei Linsen in die Geschichte des Objektivbaus einging. Die Entwicklung des Trioplans begann während des 1. Weltkriegs, und es blieb über Jahrzehnte im Lieferprogramm. Legendär ist das 100er-Trioplan, dessen Produktion 1966 eingestellt wurde. Zu dieser Zeit listete der Versandhauskatalog Leipzig es für 105 DDR-Mark. Heute werden für den „Flotten-Dreier“ bei eBay bis zu 700 Euro verlangt – und gezahlt. Im Frühjahr will Globell Deutschland (Marke: Meyer Optik Görlitz) eine modernisierte Neuauflage des 100-Millimeter-Klassikers zum Preis von rund 1500 Euro auf den Markt bringen. Ein Testobjektiv lag uns zum Redaktionsschluss noch nicht vor.

Sehr weite Verbreitung fand die Version mit 50-Millimeter-Brennweite als Standardobjektiv für Kleinbild-Sucherkameras. Als Wechselobjektiv war es mit M42-, Altix- und Exakta-Anschluss erhältlich. 1963 wurde es vom Domiplan abgelöst. Der moderne Nachfolger basierte auf der gleichen optischen Rechnung, erhielt besser vergütete Linsen, eine Automatikblende und Lichtstärke f/2.8. Nach Westdeutschland wurde es als Pentaflex-Color exportiert und war unter anderem bei Photo Porst zu finden. Die letzten Objektive mit M42-Anschluss liefen 1990 vom Band. Heute sind sie für rund 20 Euro erhältlich und eine günstige Möglichkeit, Trioplan-Erfahrungen zu sammeln. Einen vergleichbar preiswerten Einstieg bieten alte DDR-Diaprojektoren mit Diaplan und Pentacon-AV Objektiven, die ebenfalls als Triplet konstruiert sind.