c't 10/2018
S. 62
Vorsicht, Kunde
Router-Trouble
Aufmacherbild

Wegwerf-Router

Stolperfallen beim Router-Kauf

Router ohne regelmäßig eingespielte Updates sind ein Sicherheitsrisiko. Dennoch findet man nicht updatefähige Geräte zuhauf bei Amazon und Co.

Günter K. ist IT-Consultant, Forensiker und EDV-Gutachter. Nicht nur deshalb ist ein funktionierender Zugang zum Internet für ihn unabdingbar. Günter K. wohnt aber auf dem Lande. Dort gibt es zwar einen Telefonanschluss, doch dieser führt über eine sogenannte Multiplex-Leitung. Bei solchen Anschlüssen wird eine vollwertige Telefonleitung für mehrere Telefonanschlüsse gleichzeitig genutzt. Eine DSL-Verbindung ist auf so einem Zugang nicht möglich.

Seine einzige Möglichkeit, an einen Internetzugang zu kommen, war der Funkweg via UMTS. Das ist zwar auch nur eine Notlösung, denn eine echte Internet-Flatrate für den UMTS-Datenverkehr gibt es in Deutschland bis heute nicht. Doch irgendeine Verbindung ins weltweite Netz ist für Günter K. immer noch besser als gar kein Anschluss.

Im August 2016 begab er sich deshalb auf die Suche nach einem leistungsfähigen und bezahlbaren UMTS-Router. Dabei stieß er auf das Modell Huawei B315S-22. Es wurde von verschiedenen Händlern auf Amazon und anderen Handelsplattformen für gut 150 Euro angeboten. Günter K. suchte sich einen Händler heraus, der das Gerät explizit „Unlocked“, also ohne Branding und ohne SIM-Lock anbot. Schließlich wollte er den Router mit einer SIM-Karte seiner Wahl bestücken und ihn auch mit den offiziell von Huawei bereitgestellten Sicherheitsupdates versorgt wissen.

So bestellte Günter K. das Huawei-Modell B315s-22 am 4. August 2016 beim Amazon-Händler „i.norys WebShop“, einer Marke der BK Service GmbH.

Erster Ärger

Das Gerät traf am 6. August 2016 ein und sofort machte sich Günter K. an die Konfiguration. Seine SIM-Karte wurde ohne Murren akzeptiert, dann begab sich der IT-Fachmann auf der Huawei-Webseite auf die Suche nach Aktualisierungen für die Firmware des Routers. Doch bei huawei.de entdeckte er weder eine Firmware noch irgendwelche Dokumentation.

Kurzerhand setzte er sich mit dem Huawei-Support in Verbindung. Dort fragte man die IMEI-Nummer des Routers ab und erklärte dem verdutzten Kunden, dass das von ihm erworbene Gerät nicht für den deutschen Markt bestimmt sei. Es handele sich um ein Modell mit einer für das Vereinigte Königreich vorgesehenen Firmware. Updates könne er also nur aus England erhalten. Zudem gewähre Huawei Deutschland für diesen Router keinerlei Garantie.

Sofort konfrontierte er den Verkäufer mit dieser Aussage. Dort beschwichtigte man: Das Gerät sei von Huawei sehr wohl für EMEA, also den kompletten europäischen Markt freigegeben. Die Garantieleistung übernähme selbstverständlich die BK Service GmbH als Verkäufer und für technische Fragen auch zum Thema Firmware stünde der hauseigene Support bereit.

Erneut wandte sich der Käufer an den Huawei-Support. Dieses Mal wollte er eine schriftliche Bestätigung zum Status des Geräts. Huawei kam der Bitte des Kunden nach und bestätigte noch einmal schriftlich, dass das von Günter K. erworbene Gerät nicht für den deutschen Markt bestimmt sei. Mit dieser Aussage konfrontierte der Käufer den Händler am 19. Oktober 2016. Der bot sofort den Tausch des Routers an.

Zweiter Versuch

Das neue Gerät traf am 27. Oktober 2016 ein, Günter K. bestückte es mit seiner UMTS-SIM-Karte und prüfte über die Konfigurationssoftware des Routers, ob die Firmware aktuell war. Das sah so aus und fortan betrieb der IT-Experte seinen Router ohne Störungen.

Am 17. Januar 2018 wechselte Günter K. von UMTS zu LTE. Damit das zuverlässig klappte, musste er nicht nur die SIM-Karte des neuen Anbieters in den Router stecken, sondern auch die externe LTE-Antenne neu ausrichten. Huawei bietet dazu die Software „HiLink“ an, die ein einfaches Justieren der LTE-Antenne ermöglicht. Doch das auf der Huawei-Webseite angebotene Programm wollte partout nicht mit dem Router von Günter K. zusammenarbeiten. Die Firmware sei zu alt, meldete „HiLink“ und forderte zum Update auf. Das sollte doch eigentlich automatisch erfolgen, wunderte sich der IT-Fachmann. Dennoch lud er die inzwischen auf der deutschen Huawei-Webseite angebotene Firmware für das Modell B315s-22 herunter und versuchte, diese manuell zu installieren. Doch das schlug fehl – die Firmware passe nicht zum Gerät, meldete der Updater.

Erneut suchte Günter K. Rat beim Huawei-Support. Dort prüfte man erneut die IMEI-Nummer des Routers und teilte dem Kunden mit, dass der von ihm verwendete Router eine Firmware mit dem Branding der „Livewire Telecom Limited“ enthielt. Auf solchen Geräten sei die Installation der Original-Huawei-Firmware grundsätzlich nicht möglich.

Dritter Anlauf

Erbost wandte sich der Kunde an den Händler. Es habe explizit ein Gerät ohne Branding erworben und deshalb bereits einmal ein neues Gerät erhalten. Nun stellte sich erneut heraus, dass auch dieses wieder mit einem Branding versehen war.

Beim Händler zeigte man sich erstaunt und versprach die Prüfung des Sachverhalts. Vorab wurde dem Kunden die IMEI eines weiteren, für den Austausch infrage kommenden Geräts übermittelt, doch auch dieser Router war laut Huawei ein Modell mit Branding. Nach einigem Hin und Her einigte man sich im März 2018, den Kauf rückabzuwickeln. Günter K. schickte den Router zurück und erhielt den Kaufpreis erstattet.

Neues Modell, neues Abenteuer

Nun stand Günter K. also erneut ohne Internet-Zugang da. Da er grundsätzlich mit dem Preis/Leistungsverhältnis der Huawei-Router zufrieden war, sah er sich erneut nach einem LTE-Router dieser Marke um. Inzwischen war das Modell B525s-23a am Markt. Es entsprach vom Funktionsumfang in etwa dem Vorgänger B315s-22, war aber nun in der Lage, schnellen LTE-Transfer mit bis zu 300 MBit/s abzuwickeln.

Wieder suchte Günter K. einen Händler, der das Gerät ohne Hinweis auf Branding oder spezifische Firmware anbot. So stieß er auf den Amazon-Händler „Warenhammer – Distributor for Mobile Phones“, ein von Jörn Hill aus Ibbenbüren betriebener Shop. Dort erkundigte er sich vor dem Kauf telefonisch, ob die angebotenen Geräte wirklich für den deutschen Markt bestimmt sind und mit der offiziellen, auf der deutschen Huawei-Webseite angebotenen Firmware arbeiten würden.

Nachdem der Händler das bestätigte, kaufte Günter K. den Router am 20. März 2018 für 123,85 Euro. Am 26. März traf das Gerät ein, und sofort versuchte der IT-Fachmann, die Firmware von der deutschen Huawei-Webseite einzuspielen. Doch das klappte nicht. Um auf Nummer sicher zu gehen, kontaktierte er erneut den Huawei-Support und erfuhr, dass der Router entgegen der Beteuerungen des Verkäufers gar nicht für den deutschen Markt vorgesehen sei. Der Router war – so die schriftliche Bestätigung von Huawei Deutschland – mit einem Branding der „Sweden Telia“ versehen. Die offiziellen Firmware-Updates von Huawei würden deshalb auf diesem Gerät nicht funktionieren.

Sofort reklamierte der Kunde und nach einigem Hin und Her erklärte sich der Verkäufer bereit, den Kauf rückgängig zu machen. Mangels Alternative nahm der Kunde dieses Angebot aber bislang nicht an. Angesichts seiner frustrierenden Erfahrungen wandte er sich an die c’t-Redaktion. Schließlich dürfte es so manch gutgläubigem Käufer ähnlich wie ihm ergangen sein. Dass auf diesen Routern ausschließlich Firmware-Versionen und Updates der jeweiligen ISPs funktionieren, disqualifiziert diese Geräte eigentlich für den Einsatz außerhalb der jeweiligen Providernetze.

Nachgefragt

Wir baten deshalb sowohl Huawei als auch die betroffenen Händler um Stellungnahme. Jörn Hill vom Amazon-Händler „Warenhammer“ reagierte bis zum Redaktionsschluss überhaupt nicht auf unsere Anfrage. Auch die Stellungnahme von Huawei Deutschland war eher einsilbig: Zwar bestätigte man uns, dass die Modelle B315S-22 und B525s-23a auch in Versionen mit Original-Huawei-Firmware ohne Branding verfügbar seien, doch wie ein Käufer solche Produkte vor dem Kauf eindeutig identifizieren kann, verriet uns der Hersteller nicht. Stattdessen riet man zum Kauf bei etablierten Retailern und nicht bei Amazon Market Place oder Drittanbietern.

Kunden, die nach dem Kauf feststellen, dass sie ein Gerät mit gebrandeter Firmware erworben haben, rät Huawei, sich mit dem Verkäufer auseinanderzusetzen.

Deutlich ausführlicher fiel die Stellungnahme der BK Service GmbH aus. Dort beschäftigte sich Marco Jäckel intensiv mit dem Fall und stellte klar, dass man den an Günter K. verkauften Router sehr wohl bei einem offiziellen britischen Huawei-Distributor erworben habe. Auch sei die bei dem von ihnen verkauften B315sw-22 eine offizielle Huawei-Firmware zum Einsatz gekommen. Der Huawei-Distributor habe die Firmware 2015 selbst von Huawei modifizieren lassen, um die VoIP-Funktion nachzurüsten. Man habe inzwischen sowohl bei Huawei als auch beim Distributor nachgefragt, wie es dazu kommen konnte. Generell legt Marco Jäckel Wert auf die Feststellung, dass man ausschließlich Geräte von einem offiziellen Huawei-Distributor anbiete. Diese seien alle in Verpackungen mit Original-Huawei-Siegel angeliefert worden. Wie es trotzdem dazu kommen konnte, dass der deutsche Huawei-Support die Geräte als „gebrandet“ bezeichnet, kläre man derzeit mit Huawei.

Und nun?

Für Käufer von Huawei-Routern ist die aktuelle Situation höchst unbefriedigend: Bei den im Markt angebotenen Geräten ist es vor dem Kauf unmöglich, ein möglicherweise updateverhinderndes Branding zu erkennen. Erst durch Nachfrage beim Huawei-Support kann über die IMEI festgestellt werden, ob es sich um ein wirklich freies und voll updatefähiges Gerät handelt. Da ein Router ohne sicheren und zuverlässigen Update-Pfad über kurz oder lang zu einem Sicherheitsrisiko werden kann, raten wir in solchen Fällen zur sofortigen Rückgabe der gebrandeten Geräte. (gs@ct.de)