c't 10/2018
S. 39
Test
schnelle PCIe-SSDs
Aufmacherbild

Beschleunigte Renner

Samsungs NVMe-SSDs 970 Evo und 970 Pro

Schneller, immer schneller: Samsungs PCIe-SSDs aus der 970er-Serie sollen die flotten Vorgänger noch in einigen Disziplinen übertreffen.

Schon mit den PCIe-SSDs aus der 960er-Serie konnte bislang kein Konkurrent mithalten, nun legt Samsung noch eine Schippe drauf: 970 Evo und 970 Pro erreichen beim Lesen bis zu 3,5 GByte/s und legen vor allem beim Schreiben zu.

Samsung nutzt bei den 970ern 3D-NAND mit 64 Lagen aus der eigenen Produktion. Wie gehabt kommt bei der Pro-Serie MLC-Flash mit zwei Bit pro Zelle zum Einsatz, bei der Evo das günstigere TLC mit drei Bit pro Zelle. Der Phoenix genannte SSD-Controller hat insgesamt fünf ARM-Kerne, von denen einer für die Kommunikation mit dem PC zuständig ist und die anderen vier für die Verwaltung des NAND-Flashs. Unseren jeweils 1 TByte großen Testmustern steht ein DRAM-Cache von 1 GByte zur Verfügung.

Während die Evo-Serie mit Kapazitäten von 250 GByte bis 2 TByte erhältlich ist, kommt die 970 Pro zunächst nur mit 512 GByte sowie 1 TByte auf den Markt.

Samsung liefert wie gewohnt einen eigenen Treiber für die SSDs mit, sie funktionieren jedoch auch mit dem Microsoft-NVMe-Treiber. Das SSD-Verwaltungsprogramm Magician erkannte die 970er zum Testzeitpunkt noch nicht.

Die SSDs sind ausschließlich als M.2-Kärtchen erhältlich, sie nutzen vier schnelle PCIe-3.0-Lanes und könnten theoretisch knapp 4 GByte/s erreichen. Aber je schneller die SSD, desto eher droht eine Überhitzung von Flash-Speicher und vor allem Controller. Wir haben im Test eine Maximaltemperatur von 80 °C gemessen – aber auch bei dieser Temperatur konnten die SSDs die Höchstgeschwindigkeiten noch eine Weile halten. Nach rund 90 Sekunden – das entspricht rund 300 GByte – greift der Überhitzungsschutz, die SSDs drosseln. Flott sind sie dann immer noch.

Zu den Merkwürdigkeiten im Test gehörte, dass beide SSDs gelegentlich nur mit rund 2 GByte/s lesen konnten. Beschäftigten wir sie allerdings kurzzeitig mit Schreibaufgaben, stieg die Lesegeschwindigkeit danach auf die versprochenen Werte an. Möglicherweise ist das dem noch recht frühen Stand der Firmware geschuldet, Samsung hatte keine Erklärung für das Verhalten.

Beide verschlüsseln Daten stets mit AES 256 und sind zu TCG OPAL und Microsoft eDrive kompatibel, lassen sich also mit Bitlocker nutzen. Die ersten SSDs sollen Ende April erhältlich sein, mit einer breiten Verfügbarkeit rechnet Samsung im Mai. Auf beide Modelle gibt Samsung fünf Jahre Garantie; sie endet früher, wenn die garantierte Schreibleistung (600 TByte bei der 970 Evo, 1200 TByte bei der 970 Pro) überschritten wurde.

970 Pro

Bei sequenziellen Transfers erreichte die 970 Pro beim Lesen mehr als 3,5, beim Schreiben 3,1 GByte/s – fast 50 Prozent Verbesserung bei der Schreibleistung gegenüber der 960 Pro. Bei Zugriffen auf zufällige Adressen reichte die übliche Messmethode mit 32 gleichzeitigen Zugriffen (Queue Depth, QD=32) nicht aus, um die von Samsung versprochenen 500.000 IOPS zu erreichen – aber bei einer Anfragetiefe von 256 schaffte die SSD sogar 550.000 IOPS.

970 Evo

TLC-Speicher ist günstiger als MLC – aber beim Schreiben auch langsamer. Bei der 970 Evo schaltet Samsung daher einen Teil des TLC-Speichers in den schnelleren SLC-Modus. Samsung nennt die Technik Turbo Write. Rund 12 GByte des Speichers sind dabei fest umgeschaltet, dazu kommt ein von der Größe der SSD abhängiger Teil; insgesamt sind es maximal 80 GByte.

Dank Turbo Write lag die 970 Evo beim Schreiben mit knapp 2,9 GByte/s nur wenig unter dem Ergebnis der Pro. Erst bei Dauerlast sank der Wert auf 2,4 GByte/s. 500.000 IOPS konnten wir auch mit einer hohen Anfragetiefe nicht erreichen, mit mehr als 440.000 IOPS liegt die 970 Evo immer noch in der Spitzengruppe der PCIe-SSDs.

Fazit

Tabelle
Tabelle: PCIe-SSDs

Samsung hält sein Versprechen: Die 970er sind denen aus der 960er Serie vor allem beim Schreiben überlegen, auch die IOPS-Leistung steigt. Doch bei der täglichen Arbeit am Desktop-PC oder Notebook merkt man allenfalls beim Kopieren großer Datenmengen einen Unterschied, selbst der Vorsprung zu SATA-SSDs fällt in der Praxis nur gering aus. Samsung zeigt aber mit den 970ern, dass PCIe 3.0 x4 für die schnellsten M.2-SSDs bald eine Barriere darstellen könnte. (ll@ct.de)